Hiobsbotschaft für alle Kölner Wasserratten: Die Schäden im Agrippabad sind schlimmer als erwartet. Jetzt steht sogar der Abriss zur Debatte.
Kölns Kult-Bad vor dem Aus?Agrippabad droht jetzt sogar die Abrissbirne

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Das Agrippabad zählt zu den beliebtesten Bädern der Stadt Köln. Nun droht der Abriss.
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Ein Schock für alle Stammgäste: Seit mehr als drei Monaten ist das Agrippabad zu. Sie müssen auf andere Bäder ausweichen, wo es entsprechend eng wird.
Währenddessen wird im Inneren des beliebten City-Bades das ganze Ausmaß des Schadens untersucht. Und das ist riesig. „Es ist schlimmer als erwartet“, bestätigt eine Person, die mit der Lage vertraut ist dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Sogar ein kompletter Abriss mit anschließendem Neubau steht zur Debatte.
Kosten-Schock und Abriss-Gedanken
Das Kult-Bad aus den 50ern wurde im Dezember letzten Jahres dichtgemacht, um alles genau zu prüfen. Letzten Monat legte die Leitung den Sanierungsbedarf offen. Das Ergebnis ist ein Desaster: Besonders die auffällige Glasfront ist laut einem Insider hinüber. „Die ist nicht mehr zu retten“, sagt er. Angeblich wurden billige Metallhalterungen für die Scheiben verwendet.
Bäder-Chefin Claudia Heckmann hatte schon im Dezember gewarnt, dass die Reparaturen umfangreich werden könnten. Wegen Rost an den Stahlträgern muss auch das Dach saniert werden. Die dortigen Mängel werden ebenfalls als dramatisch eingestuft. Der Hammer: Es geht vor allem um die Teile, die erst bei der letzten großen Sanierung um das Jahr 2000 eingebaut wurden.
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Hau raus!
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Ein Fahrplan für die Zukunft soll im Juni präsentiert werden. Sicher ist aber bereits: Der ursprüngliche Plan ist Geschichte. Im Jahr 2018 waren für die Erneuerung von Sauna, Fitnessbereich und Fassade noch 22,3 Millionen Euro eingeplant. Jetzt wird die Summe auf fast 40 Millionen Euro geschätzt. Und die kaputte Technik ist da noch nicht einmal dabei! „Niemand will hier eine Schwimmoper“, warnt ein Fachmann und erinnert an die 14-jährige Baustelle am Offenbachplatz. Dort versuchte man, einen Altbau aufwendig zu modernisieren – mit bekanntem Ergebnis. Ein Insider urteilt knallhart über das Agrippabad: „Das Ding zu sanieren, hat keinen Zweck mehr.“
Als wären die Mängel an Fassade und Dach nicht genug, gibt es auch noch Ärger mit dem Beckenkreislauf. Eine erste Prüfung ergab, dass teilweise Wasser aus den Schwimmbecken in den Keller sickert. „Das sieht alles nicht gut aus“, meint eine Person, die mit der Untersuchung vertraut ist. Bis zum Sommer soll ein Gutachten drei mögliche Lösungswege aufzeigen.

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Die auffällige Glasfront des Agrippabades ist laut einem Insider hinüber. „Die ist nicht mehr zu retten“, sagt er. Angeblich wurden billige Metallhalterungen für die Scheiben verwendet.
Option eins, die Reparatur im bestehenden Gebäude, wird als unrealistisch angesehen. Die zweite Möglichkeit wäre eine Kernsanierung mit neuen Becken, neuem Dach und neuer Technik. Die dritte und drastischste Option ist ein kompletter Neubau, bei dem der Denkmalschutz beachtet werden muss. „Am Ende wird es darum gehen, welche Variante die günstigste ist, welche machbar ist“, erklärt ein Beobachter. Was ein Neubau kosten könnte, wurde noch nicht berechnet.
Eröffnet wurde das Agrippabad 1958 und ist eines der Aushängeschilder der Kölnbäder. Der Sprungturm, der Eingang und der benachbarte Verwaltungsturm aus dieser Zeit sind denkmalgeschützt. Für 27 Millionen Euro wurde das Bad bis zum Jahr 2000 zu einem modernen Freizeitbad mit Außenbereich umgestaltet.
Und genau diese damals neuen Teile sind heute der Schrott. „Die Sanierung war eine Katastrophe“, hört man aus dem Kreis der Geschäftsführung. Die 1200 Quadratmeter große Glasfront, das Dach und die gesamte Technik brauchen eine Runderneuerung und müssen energetisch modernisiert werden. Die Ansage ist deutlich: „Alles, was vor 26 Jahren entstanden ist, muss neu gemacht werden“, wird berichtet.
Trotz Abriss-Gerede: Bad soll im Sommer wieder öffnen
Auf Nachfrage erklären die Kölnbäder, dass schon 2025 bisher unbemerkte Mängel gefunden worden seien. Der ursprüngliche Plan von anderthalb Jahren für die Sanierung ist damit ungewiss. Ein Beobachter meint, es gehe darum, das Schwimmbad für die kommenden 50 Jahre zu rüsten, inklusive einer energetischen Modernisierung.
Bäder-Chefin Heckmann hatte bereits unterstrichen, dass sie das Bad für die Zukunft sichern möchte. Ihre Worte im Dezember: „Wir sehen uns in der Verantwortung, dass diese Einrichtung für viele weitere Generationen erhalten bleibt.“ Die aktuelle offizielle Mitteilung lautet: „Ziel ist es, bis Mitte des Jahres belastbare Aussagen zu Kosten, Umfang und Zeitplan treffen zu können.“

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Im Agrippabad werden so schnell keine Schwimmer und Schwimmerinnen ihre Bahnen ziehen können.
Trotz der ganzen Misere soll der Badebetrieb im Sommer wieder aufgenommen werden. Die Gesellschaft bereitet die Wiedereröffnung vor, wie sie mitteilt. „Nach aktuellem Stand gehen wir davon aus, dass das Bad Ende des zweiten Quartals wieder für den Betrieb geöffnet werden kann.“ Das würde Ende Juni bedeuten – vorerst ohne Enddatum.
Jährlich zählt das Agrippabad etwa 420.000 Gäste. Die jetzige Schließung trifft besonders Schulen und Vereine hart. Laut Bäderbetrieb weichen sie hauptsächlich auf den Lentpark und das Bad in Zollstock aus. Ein Neubau würde für sie eine jahrelange Durststrecke bedeuten.
Finanziell stehen die Kölnbäder ohnehin mit dem Rücken zur Wand. Der jüngste Geschäftsbericht für das Jahr 2024 zeigte ein Defizit von 2,9 Millionen Euro. Dieses Loch wird durch den Stadtwerkekonzern gestopft. Aber auch dieser Konzern ist stark belastet und muss jährlich die Verluste der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) in dreistelliger Millionenhöhe kompensieren. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

