Der Frust sitzt tief in Bocklemünd: Schimmel, Lärm, kaputte Heizungen. Jetzt wehren sich die Mieter und Mieterinnen gegen den Wohnungskonzern LEG!
Wut in BocklemündMieter prangern Zustände in LEG-Wohnungen an

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Das Görlinger-Zentrum. Seit Jahren kämpfen Mieter und Mieterinnen gegen die zum Teil unhaltbaren Zustände.
In Köln-Bocklemünd brodelt es: Immer mehr Anwohner stellen sich gegen den Wohnungskonzern LEG.
Die Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um Wasserschäden, Schimmel und permanenten Baulärm. Obendrein sei das Unternehmen für die Mieter und Mieterinnen kaum erreichbar. Jetzt haben sie genug. Zuletzt gab es sogar eine Demonstration der Mieterinitiative Bocklemünd (28. März) im Görlinger Zentrum, direkt vor dem dortigen Bürgerschaftshaus.
Die Wut der Mieter und Mietrinnen: 70 Betroffene packen aus
Die Bewohner und Bewohnerinnen der LEG-Häuser berichteten bei der Kundgebung von ihren Erlebnissen, der Gesprächsbedarf war riesig. „Als der Asbest während der Sanierungsarbeiten im vergangenen Jahr entfernt wurde, hat man uns keine Ersatzwohnung angeboten“, sagte eine Frau. „Meine Kinder sind krank geworden: Asthma, Bronchitis, Hautausschlag, das hat der Arzt attestiert.“
Andere Mieter und Mieterinnen prangern an, dass der ursprüngliche Zustand ihrer Küchen nicht wiederhergestellt wurde. Zudem funktioniere der Aufzug nur sporadisch, was ältere Bewohner in den oberen Stockwerken oft tagelang isoliere. Dazu gesellen sich Müllprobleme, Schimmel und undurchsichtige Nebenkostenabrechnungen. Einen Hausmeister als Ansprechpartner gebe es nicht, „obwohl wir dafür bezahlen“.
Der aufgestaute Frust über die LEG in Bocklemünd war in den letzten Jahren so groß, dass zu Beginn dieses Jahres eine Mieterinitiative gegründet wurde. Die Idee dazu kam von der neuen Sozialraumkoordinatorin Vera Schultze. Knapp 70 Mieter folgten dem Aufruf zur ersten Demonstration im Görlinger Zentrum.
Mit dabei waren auch Repräsentanten des Mietervereins sowie der deutschlandweiten Initiative „Soziale Wärmewende jetzt!“. Diese Bewegung hat ihren Ursprung in der Klimabewegung und kämpft für erschwingliche, klimagerecht modernisierte Wohnungen. Sie hilft Mietern auch bei Auseinandersetzungen mit großen Wohnkonzernen.
Mieterin zieht vor Gericht: „Lasse mir das nicht mehr gefallen“
„Es ist schon ein Unterschied, ob man es mit einem rein profitorientierten Unternehmen wie der LEG zu tun hat oder man mit der GAG redet, bei der die Stadt Köln Hauptaktionär ist“, erklärte Paul Daiber, ein Aktivist der „Sozialen Wärmewende“, „obwohl das auch nicht immer rosig ist.“
Zur Demonstration in Bocklemünd erschien trotz einer Einladung kein Vertreter der LEG. Dieser hätte dort eine Petition entgegennehmen können. Darin fordern die Unterzeichner unter anderem feste Ansprechpartner, funktionierende Technik, eine zuverlässige Instandhaltung, die Beseitigung von Mängeln sowie Sauberkeit und Barrierefreiheit. In all diesen Punkten sehen die meisten Bewohner dringenden Handlungsbedarf.
Manuela Berrscheidt, die Sprecherin der Mieterinitiative, berichtet: „Als ich 2011 einzog, hatte ich kurze Zeit später einen Rohrbruch, aber insgesamt lief alles noch einigermaßen gut. Seit zehn Jahren ist es krass“. Sie erklärt weiter: „Wenn man Schäden per E-Mail an die LEG-Zentrale in Düsseldorf meldet, dauert es manchmal ein halbes Jahr, bis etwas passiert, oder noch länger.“ Besonders die Anzahl der Rohrbrüche habe in den letzten Jahren stark zugenommen. In der Börnestraße startete die LEG letztes Jahr mit der Modernisierung von Bädern und Leitungen. „Wir wurden bei der Neugestaltung des Badezimmers zum Beispiel aber nicht nach unseren Wünschen gefragt“, so Berrscheidt. „Irgendwann war meine Küche völlig überflutet, weil der Handwerker eine Dichtung nicht ausgewechselt hatte. Er sagte nur, das werde nicht bezahlt. Und meine Heizung ist jetzt lauter als die Waschmaschine.“ Sie klagt ebenfalls über schwere gesundheitliche Probleme – Asthma und Neurodermitis – die sie auf die zweiwöchige Asbestsanierung zurückführt, während der sie in ihrer Wohnung ausharren musste.
„Aber ich lasse mir das nicht mehr gefallen, ich verklage die LEG“, kündigt Manuela Berrscheidt nun an. Ihre Leidensgeschichte wurde auch in der ARD-Dokumentation „#besser wohnen – wie stoppen wir die Mietkrise“ thematisiert. Eine andere Anwohnerin ärgert sich über die extremen Mieterhöhungen bei neuen Verträgen, auch bei der LEG. „Dann nehmen die oft das Doppelte, aber im Moment sind die Leute ja froh, wenn sie überhaupt was kriegen.“ Sie fordert, dass sich „jetzt mal die Politik kümmern“ müsse.
Das sagt der Wohnungs-Riese LEG
Die Einflussmöglichkeiten der Politik sind jedoch begrenzt. Das war anders, als die „Landesentwicklungsgesellschaft NRW“ im Jahr 1970 gegründet wurde. Die LEG war zu dieser Zeit ein Verbund aus vier gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften. Das Land Nordrhein-Westfalen hielt 68 Prozent der Anteile, die NRW-Bank 22 Prozent. Auf Beschluss der damaligen Landesregierung aus CDU und FDP wurden diese Anteile aber verkauft. Seit 2008 ist die LEG Wohnen ein Privatunternehmen, das seit 2013 an der Börse notiert ist. Der Großteil der Aktien (83,4 Prozent) befindet sich im Streubesitz. Größte Anteilseignerin ist die US-Investmentgesellschaft Black Rock mit 10,5 Prozent. Auf ihrer Homepage begrüßt die LEG Besucher als „größter deutscher Vermieter“. Man habe 170.000 Mietwohnungen, davon rund 4000 in Köln, sowie „1900 Mitarbeiter, die sich um Sie kümmern!“. In Bocklemünd besitzt die LEG rund 550 Wohnungen; 310 Mieter haben die Petition bis dato unterzeichnet – bei der Kundgebung selbst kamen noch einige dazu.
Ein Sprecher des Konzerns erklärte dieser Redaktion auf Anfrage, dass man sich „zu solchen pauschalen Aussagen ohne einen Bezug auf konkrete Fälle nicht äußern“ könne. Aber: „Grundlegend möchten wir festhalten, dass wir alle Probleme, die uns gemeldet werden, sehr ernst nehmen und stets die notwendigen Schritte so schnell wie möglich in die Wege leiten. Wir bedauern es sehr, dass einige unserer Mieterinnen und Mieter mit ihrer Wohnsituation nicht zufrieden sind, und stehen grundlegend gerne für einen Austausch bereit, um die verschiedenen Probleme zu klären.“
Weiter heißt es vom Unternehmenssprecher: „Unsere Objekte in Köln Bocklemünd wurden Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre erbaut. Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen werden kontinuierlich in unseren Beständen durchgeführt. Zuletzt wurden u. a. umfangreiche Bad- und Strangsanierungen sowie eine Zählerzentralisierung in der Börnestraße durchgeführt. Aktuell sind weitere Maßnahmen in Planung, wie die Sanierung des Flachdachs in der Börnestr. 24.“ (red)
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