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Alles schon besiegeltKölner Unternehmer verschenkt 10 Millionen Euro

Frank Blase von Igus.

Copyright: Martina Goyert

Frank Blase buttert eine große Summe in die Kölner Kultur. 

Die Stadt Köln ist klamm – und muss im Haushalt vieles streichen. An besonderer Stelle springt ein Kölner Unternehmer ein. Mit großzügigen zehn Millionen Euro!

Aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt Köln standen die Kulturpläne für Mülheim vor dem Aus. Nun engagiert sich ein Unternehmer und sichert die Zukunft des Projekts mit einer bedeutenden Geste.

Dies ist eine wichtige Entwicklung für die Kölner Kulturszene. Die Stadt musste wegen ihrer angespannten Finanzlage die Pläne für das Depot in Mülheim aufgeben. Nun hat der Unternehmer Frank Blase seine Unterstützung mit mehreren Maßnahmen zugesagt.

Stadt Köln kann Pläne nicht umsetzen – Unternehmer als Retter

Im Carlswerk war ein Zentrum für die darstellenden Künste vorgesehen. Ein sogenanntes „Kooperationshaus“ sollte Schauspiel, eine neu zu gründende Tanzkompanie und die freie Szene vereinen. Diese Pläne konnten nicht realisiert werden. Zuerst wurde die Tanzkompanie gestoppt, dann folgte das finanzielle Ende für das gesamte Vorhaben.

Dieser Plan wurde aufgrund drastischer Kürzungen im neuen Budgetentwurf verworfen. Unternehmer Frank Blase berichtet, die Stadtverwaltung habe ihn kontaktiert und gefragt, ob er das gesamte Depot übernehmen möchte. Angesichts der finanziellen Situation sei der Unterhalt des Hauses für die Stadt nicht mehr tragbar. Seit etwa sechs Wochen liefen konkrete Verhandlungen zwischen der Stadt und Apiro Entertainment. Das ist die Kölner Firma der beiden Musical- und Theater-Produzenten Frank Blase und Marc Schneider („Himmel und Kölle“). Das Resultat: Ab der Saison 2027/28 übernimmt Apiro den städtischen Mietvertrag mit der Beos AG und wird beide Hallen des Depots nutzen. Der Vertrag wurde am Donnerstag besiegelt.

Frank Blase ist außerdem Geschäftsführer und Hauptinhaber des Kölner Unternehmens Igus, einem weltweit führenden Hersteller von Hochleistungspolymeren für bewegte Anwendungen. Das Unternehmen mit Zentrale in Porz wurde 1964 von seinen Eltern in einer Garage in Köln-Mülheim gegründet und ist mittlerweile in 37 Staaten mit mehr als 5600 Beschäftigten global aktiv. Der Geschäftsmann legt Wert darauf, in Mülheim keine mit Steuergeldern finanzierte Ausstattung zu übernehmen. „Alles, was die Stadt finanziert hat – Sitze, Beleuchtung, Traversen – kaufen wir ihr zum marktüblichen Preis ab, oder geben es zurück.“

„Die Stadt hat den Auftrag, das Depot als Kulturstätte zu erhalten. Würden wir das Depot nicht mieten“, erklärt Blase, „wäre es tot.“ Dennoch habe er großes Verständnis für die Frustration der freien Szene, da er die Begeisterung für das Theater teile. Aus diesem Grund sichert er ihr nicht nur 15 Auftrittsmöglichkeiten pro Jahr im Depot 2 zu, sondern stellt für diese Veranstaltungen auch die technische Ausrüstung und das nötige Personal zur Verfügung.

Zusätzlich kündigte Blase eine weitere bedeutende Unterstützung an: Er verpflichtet sich, für die Dauer von zehn Jahren jährlich eine Million Euro an den städtischen Fonds „Darstellende Künste“ zu überweisen. Das sind insgesamt 10 Millionen Euro. Er will dabei keinerlei Einfluss auf die Zuteilung der Finanzen ausüben. Darüber hinaus sichert er der freien Szene 15 Auftritte pro Jahr im Depot 2 zu, inklusive der kompletten Technik und dem Personal.

Mit dieser Geste reiht sich Blase in die Tradition legendärer Kölner Mäzene wie Wallraf, Richartz oder die Ludwigs ein. Seine Zuwendung setzt neue Maßstäbe: Im gesamten Jahr 2024 erhielt die Stadt von allen Sponsoren lediglich 770.315,61 Euro. Blase selbst äußert sich zurückhaltend zu seinem Engagement: „Wir wollen nur eine faire Chance haben, was die öffentliche Meinung angeht.“

Für das Depot 1 ist eine Musical-Bühne mit über 600 Sitzen vorgesehen. Im November soll sie mit „Kick Like a Woman“ eröffnen, einem Stück über die Fußball-Weltmeisterinnen von 1981 aus Bergisch Gladbach. Auch eine Aufführung von „Die Räuber“ mit Musik von den Toten Hosen ist geplant. Auf der Fläche des heutigen Carlsgartens soll eine Freilichtbühne errichtet werden. Für den Garten selbst will Blase zusammen mit der Mülheimer Bezirksvertretung einen neuen Platz im Viertel suchen und den Aufbau „maßgeblich unterstützen“.

Oberbürgermeister Burmester begrüßt „außergewöhnliches Engagement“

Die Stadtspitze zeigt sich erfreut. Sowohl Oberbürgermeister Torsten Burmester als auch Kulturdezernent Stefan Charles würdigten die Initiative. Sie sei eine Chance, „das Depot langfristig als Kulturstandort zu erhalten“ und die freie Szene mit einer „außergewöhnlichen garantierten privaten Förderung zu stärken“.

Burmester bezeichnete es als „schmerzhaft“, dass die ursprünglichen Pläne für das Depot scheitern. Deshalb sei es umso bedeutender, den Ort für die Kultur zu bewahren. Charles sprach von einer „außergewöhnlichen Chance für Tanz, Theater und Festivals in Köln“ und bedankte sich bei Blase für seinen nachhaltigen Einsatz.

In der freien Szene herrscht hingegen Bestürzung. Der Verein darstellender Künste teilte mit, man kenne bislang nur Gerüchte. „Sollte das so kommen, dann wäre es für die freie Szene katastrophal.“

Laut Kulturdezernent Charles könnte die private Finanzspritze auch dem Tanz in Köln neue Möglichkeiten eröffnen. Die Gelder sind für die gesamte freie Szene bestimmt, wovon „ausdrücklich auch der Tanz, Festivals, Produktionen, kleinere Spielstätten und weitere Strukturen“ profitieren könnten. Über die Zuteilung der Mittel entscheidet jedoch ausschließlich die Stadt Köln nach ihren Förderkriterien.

Die Stadtverwaltung bestätigte zudem, dass sie den Carlsgarten „unter den bestehenden finanziellen Rahmenbedingungen nicht weiter betreiben kann und sich deshalb um eine geeignete Ausweichstätte bemüht. Frank Blase hat auch in diesem Zusammenhang seine Unterstützung zugesagt und erklärt, den erforderlichen Umzug finanziell zu unterstützen.“ Wie ein neuer Ort konkret aussehen könnte, wird derzeit noch geprüft.

So fallen die Reaktionen aus der Kölner Politik aus

Im Rathaus wurde die Nachricht positiv aufgenommen. Ralph Elster, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, meint: „Diese private Initiative ist ein außergewöhnlich starkes Zeichen bürgerschaftlicher Verantwortung. Dafür können wir als Stadtgesellschaft sehr dankbar sein.“ Er erinnerte an Kölns lange Tradition von Gönnern, die zur DNA der Stadt gehöre. „Dadurch können enorme Kräfte freigesetzt werden: Die städtischen Bühnen werden finanziell entlastet, was dem Offenbachplatz zugutekommen wird. Die freie Szene erhält verlässliche und professionell ausgestattete Auftrittsmöglichkeiten und mit dem Depot bleibt ein wichtiger Kulturstandort in Mülheim lebendig. Dass all das zusammenkommt, ist eine wunderbare Nachricht für die Kölner Kulturlandschaft.“

Maria Helmis-Arend, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, sieht darin „eine große Chance, den rechtsrheinischen Kulturstandort langfristig zu sichern und zugleich eine verlässliche Perspektive für die freie Szene zu schaffen. Entscheidend ist für uns, dass dafür ausreichende und planbare Spielzeiten zur Verfügung stehen. Dass Frank Blase darüber hinaus bereit ist, erhebliche eigene Mittel für die Freie Szene einzusetzen, verdient große Anerkennung. Gerade angesichts der schwierigen Haushaltslage ist das ein starkes Signal für die kulturelle Vielfalt Kölns.“ Nun müssten alle Beteiligten eine gute Lösung finden, „einschließlich einer dauerhaften Perspektive für den Tanz in Mülheim“.

Für Brigitta von Bülow, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, kam der Vorschlag unerwartet. „Das Angebot von Frank Blase kommt für mich überraschend. Es eröffnet neue Perspektiven und bietet eine Chance, das Depot als lebendigen rechtsrheinischen Kulturort zu erhalten und erfolgreich weiterzuentwickeln. Dies darf jedoch nicht auf Kosten der freien Szene geschehen, die eigentlich ein Produktionshaus im Depot bekommen sollte und nun dort nur noch 15 Auftrittstermine haben wird. Wenn sich die Stadt auch angesichts der Haushaltslage von dieser Idee verabschieden muss, müssen die Bühnen dies durch Bereitstellung von Probe- und Auftrittsmöglichkeiten am Offenbachplatz kompensieren und die im Depot für die freie Szene vorgesehenen Mittel.“ Die zusätzliche Spende von Blase sei aber „höchst erfreulich“.

Jasna Ibrić, kulturpolitische Sprecherin der Volt-Fraktion, erklärt: „Sollten sich die Berichte bestätigen, begrüßen wir das Engagement von Frank Blase ausdrücklich. Das Depot bietet mit seinen hohen Decken besondere Möglichkeiten für Tanz, zeitgenössischen Zirkus und Performance. Solche Räume sind in Köln selten und für diese Szene essenziell. Deshalb würden wir uns freuen, wenn sie einen festen Platz im neuen Konzept erhält und durch die Haushaltskrise nicht untergeht.“ Besonders wichtig sei, dass die kulturelle Vielfalt der freien Szene erhalten bleibe.

Lorenz Deutsch, kulturpolitischer Sprecher der FDP/KSG-Fraktion, bedauert, dass die ursprünglichen Pläne für das Depot scheitern. „Wir freuen uns aber gleichzeitig sehr über das besondere Engagement von Frank Blase. Er sichert damit nicht nur den Erhalt eines wichtigen Kulturortes, sondern hilft darüber hinaus den freien darstellenden Künsten auch finanziell in erheblichem Umfang. Frank Blase setzt damit ein großartiges Beispiel für bürgerschaftliches Engagement.“

Kritische Töne äußert der kulturpolitische Sprecher der Linken, Knut Scholz. Er pocht auf frühere Zusagen: „Noch im März hat die Stadt Köln dem Bühnenausschuss klare Perspektiven für das Depot vorgelegt: Depot 2 soll dauerhaft gemeinsam von Freier Szene und Schauspiel Köln bespielt werden und der Freien Szene eine eigene Spielstätte sichern. Depot 1 ist dagegen für Musical- und Theaterproduktionen in Kooperation mit apiro Entertainment vorgesehen. An dieser Zusage muss die Stadt festhalten. Die Freie Szene braucht keine Almosen als Ausgleich dafür, dass ihr ein öffentlich getragener Kulturort entzogen wird. Sie braucht verlässliche Strukturen, Planungssicherheit und dauerhaft verfügbare Räume. Eine Million Euro aus privaten Mitteln können etwas bewirken – sie ersetzt aber keinen städtischen Kulturauftrag.“ (red)

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