2

Protest in KölnAktion der Stadt macht Menschen fassungslos – „es war wie ein Aufschrei“

Mitarbeiter der Stadt entfernen einen Baum an einem Parkscheinautomaten.

Copyright: EXPRESS

Mitarbeiter der Stadt Köln entfernten am Montag (10. Oktober 2022) den Flieder an der Eburonenstraße.

Aktualisiert:

Als zwei städtische Mitarbeiter mit der Säge anrückten, ging ein Aufschrei durch die Eburonenstraße ...

Wenn im Frühling überall das Grün sprießt, blickten die Anwohnerinnen und Anwohner der Eburonenstraße in der Südstadt zum Parkscheinautomaten in ihrer Straße. Dort hatte sich vor Jahren ein wilder Flieder ausgesät, der seitdem liebevoll gehegt und gepflegt wurde. 

Umso größer war der Schock, als Mitte Oktober zwei Mitarbeiter der Stadt anrückten und den wilden Flieder abholzten. 

Ein wilder Flieder direkt an einem Parkscheinautomaten.

Copyright: EXPRESS

Der wilde Flieder wurde von den Anwohnerinnen und Anwohnern gehegt und gepflegt.

„Der Strauch war das einzige Grün in unserer Straße“, erzählt Anwohner und Familienvater Dirk Z. (60) fassungslos. Er habe die Jungs daraufhin direkt angesprochen. Und auch eine Nachbarin habe sich lauthals beschwert. „Bei uns im Haus mit insgesamt 13 Parteien gab es die gleiche Reaktion. Es war wie ein kleiner Aufschrei“, berichtet Dirk Z. und betont traurig: „Ich meine, das war ‚unser‘ Busch.“ 

Viele aus der Straße hätten sich um den Flieder gekümmert, ihn gegossen und gestutzt, damit die Solarzellen des Parkscheinautomaten frei blieben. Dennoch war der prächtige Busch, an dem sich die Anwohnerinnen und Anwohner erfreuten, jemandem ein Dorn im Auge. 

Kölner Südstadt: Beschwerde wegen wildem Flieder an Parkscheinautomat

„Es gab Beschwerden über die ‚Sag’s uns App‘ wegen des Flieders – unter anderem, weil der Parkscheinautomat gerade von nicht ortsunkundigen Menschen nicht oder kaum mehr zu sehen war“, erklärt eine Stadtsprecherin auf Nachfrage von EXPRESS.de. Auch könne der Bewuchs auf längere Sicht zur Einschränkung der Solarstromversorgung des Parkscheinautomaten führen. Außerdem handele es sich bei der angegebenen Stelle nicht um eine ausgewiesene Grünfläche. 

Anwohner Dirk Z. zeigt auf die rund 150 Meter lange Eburonenstraße. Kein Baum, kein Fliederbusch, nur Autoparkplätze. „Wir haben seit 2016 einen Beschluss der Bezirksvertretung, dass in der Straße drei beziehungsweise fünf Bäume gepflanzt werden sollen – aber da tut sich nichts“, sagt der Familienvater wütend. Wenn es heiß ist, würde die Hitze in der Straße stehen. Z.: „Es kann doch wohl nicht sein, dass die Verwaltung keine Zeit hat, seit sechs Jahren versprochene Bäume in einer baumlosen Straße zu pflanzen, aber trotz Klimanotstands genug Zeit hat, das einzige Grün in der Straße zu beseitigen.“

Kölner Eburonenstraße: Nicht nur Bäume, auch Fahrradstellplätze fehlen

Auch von den ebenfalls beschlossenen Fahrradstellplätzen fehle bis heute jede Spur. „Auf unserer Straßenseite parken etwa 50 Fahrräder an den Hauswänden, auf der anderen Seite sieht es ähnlich aus“, schildert der 60-Jährige die Situation. „Allein in unserem 13-Parteien-Haus haben acht Familien kein Auto, sondern fahren Fahrrad. Inzwischen gibt es auch viele Lastenräder, die keinen Platz finden.“ 

Zahlreiche Fahrräder parken entlang der Häuserwände.

Copyright: EXPRESS

Fahrräder so weit das Auge reicht: Weil an der Eburonenstraße in der Kölner Südstadt Stellplätze fehlen, parken viele ihr Rad vor den Häusern.

EXPRESS.de hakte nach. „Zurzeit läuft die Prüfung, in welchem Umfang Baumpflanzungen möglich sind“, so die Stadtsprecherin. Es habe bereits erste Ortstermine gegeben und die Grundlagenermittlung sei größtenteils abgeschlossen. Bezüglich Fahrradparken in der Eburonenstraße sei der Beschluss in das stadtweite Arbeitsprogramm aufgenommen worden. 

Bereits 2016 hatten die Anwohnerinnen und Anwohner beschlossen, dass sich in ihrer Straße was ändern muss. Sie sammelten daraufhin mehrere Hundert Unterschriften und reichten sie bei der Bezirksverwaltung ein. Dirk Z.: „Der Eingabe wurde auch stattgegeben. Seitdem warten wir und veranstalten einmal im Jahr eine kleine Demo, damit die Stadt Köln endlich was macht.“

Laura Wontorra zeigt ihre Trophäe beim Fernsehteam.
Promi-Spektakel in Köln
Doppelter Triumph für Laura Wontorra