Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.

Die von Ihnen aufgerufene Adressse ist leider nicht (mehr) verfügbar. Wir haben Sie daher auf unsere Homepage umgeleitet.

Ausnahmezustand in Köln So lief das Geisel-Drama im Hauptbahnhof ab

Geiselnahme_Koeln_181015

Am Mittag waren SEK-Beamte am Hauptbahnhof angerückt.

Köln – Zwei ohrenbetäubende Detonationen, kurz darauf peitschen Schüsse - das Ende der Geiselnahme in der Bahnhofs-Apotheke um 15.06 Uhr am Kölner Hauptbahnhof.

Vermummte SEK-Beamte packen den Geiselgangster (55), zerren ihn vor die Tür, wo er regungslos mit Schusswunden liegenbleibt. Terror-Schock in Köln! Personalien weisen den Mann als Syrer aus. Und: er ist offenbar Mitglied des IS.

Der angeschossene Täter schwebt in Lebensgefahr, wird sofort reanimiert. In der Uniklinik muss er später stundenlang operiert werden. Ob er überleben wird, ist unklar.

Parallel kümmern sich Sanitäter um die Geisel. Die Apotheken-Angestellte war über zwei Stunden in der Hand des Syrers und bangte um ihr Leben. Der Geiselgangster hängte ihr eine Gaskartusche um und bedrohte sie mit einer Pistole. Mit der Geisel verschanzte er sich im hinteren Teil der Apotheke, wo er rund ein Dutzend weitere Kartuschen und Molotowcocktails deponiert hatte.

Täter nennt Forderungen am Telefon

Als kurz nach Beginn der Geiselnahme das Apotheken-Telefon klingelt, geht er dran. Zufall: Am anderen Ende ist ein arabisch sprechender Mitarbeiter einer anderen Filiale. Dem nennt der Täter seine Forderung: Freien Abzug und die Freilassung einer Tunesierin. Zudem wolle er seinen Koffer und eine Tasche, die er zuvor im McDonald's zurückgelassen habe. Außerdem droht er, dass er ein Mitglied des IS und zu allem bereit sei.

Als die Spezialeinheiten eintreffen, versuchen die Kontakt zum Täter zu bekommen. Aber vergeblich.

SEK-Teams und ihre Kollegen der GSG 9 haben das Gebäude umstellt und beobachten, was der Täter in der Apotheke macht. Der Einsatzleiter befiehlt: „Wenn der Täter Brandbeschleuniger auskippt, wird ein Notzugriff gemacht, um die Geisel zu retten.“

Täter zündete Molotowcocktail bei McDonald‘s

Denn der Täter hatte zuvor bereits eine Schülerin (14) im McDonald's schwer verletzt. Der Angriff erfolgte um 12.45 Uhr - da nahm die Tat ihren Ausgang. Polizeieinsatzleiter Klaus Rüschenschmidt: „Der Täter hatte dort ein Molotowcocktail gezündet. Dabei erlitt eine 14-Jährige schwere Brandwunden.“  

Dem Mädchen gelang die Flucht. Danach stürmte der Täter aus dem Schnellrestaurant in die benachbarte Apotheke, wo er die Geisel nahm.

Geiselnahme_Koelner_Hauptbahnhof_181015

Polizisten in der abgesperrten Passage am Hauptbahnhof.

Während die Polizei 500 Kräfte zusammenzog, den Bahnhof abriegelte und fieberhaft versuchte, die Identität des Mannes zu ermitteln, nahm der Einsatz die nächste dramatische Wendung. Die Spezialeinheiten stellten um 14.50 Uhr fest, dass der Täter seine Geisel mit Benzin überschüttete. Es gab daher nur eine Entscheidung: den Notzugriff.

Geiselnahme_Hauptbahnhof_Reisende_181015

Reisende warten auf dem Bahnhofsvorplatz.

Die Spezialeinheiten zündeten zwei Knallgranaten, die den Täter schockten. Die Beamten drangen in den hinteren Teil der Apotheke vor. Drei SEK-Beamte schossen auf den Täter, um ihn auszuschalten. Einsatzleiter Klaus Rüschenschmidt bestätigte später, dass mehrere Körpertreffer angebracht wurden. Wie viele Kugeln genau den Mann trafen, blieb zunächst unklar.

Mc_Donalds_Roll_181015

Der Blick in die McDonald's-Filiale am Breslauer Platz.

Obwohl die Lage geklärt war, wurde der Bahnhof stundenlang nicht freigegeben. Die Polizei hatte Sorge, dass der Täter Brandsätze in anderen Geschäften platziert hatte. Daher wurde anhand von Videoaufnahmen versucht zu klären, wo er sich im Hauptbahnhof aufgehalten hatte.

Was wir bisher wissen

Laut Zeugen drohte der Täter im Bahnhof, dass er zur Terrorgruppe Daesh/IS gehört.

Das Vorgehen mit einer Pistole, Molotowcocktails und Camping-Gaskartuschen scheint tatsächlich organisiert und geplant. Es entspricht dem bisher bekannten Muster von islamistischen Attentätern.

Im Zusammenhang mit Terrorismus fiel der Mann bisher nicht den Behörden auf.
Aber: Es wurde ein sogenannter „Prüffall Islamismus“ eröffnet, nachdem er einen Brief an die Polizei geschrieben hatte, indem er eine andere Person der Mitgliedschaft im IS beschuldigte.