Glasscherben-Alarm in Mülheim: Der Spielplatz einer Kita ist seit Monaten gesperrt, die Eltern sind fassungslos.
Monatelanges Spiel-VerbotKölner Kita-Gelände wegen Gefahr im Sand weiter dicht

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Nora Rohleder (l.) und Britta Meixner stehen vor dem abgesperrten Spielplatz.
Was für Kindergartenkinder ein Albtraum ist, wurde für circa 50 von ihnen zur traurigen Wirklichkeit: ein Sommer ohne Fußball, ohne Rutsche und ohne Klettergerüst. kein wildes Herumtoben, keine Rennen mit dem Bobbycar.
Der Grund: Nachdem Kids nach einem Unwetter im Sandkasten gefährliche Glasscherben entdeckten, ist beinahe die komplette Außenanlage der städtischen Kindertagesstätte in der Düsseldorfer Straße 153 gesperrt – und das seit dem 22. Juni.
Kölner Spielplatz seit Monaten dicht „und niemand fühlt sich zuständig“
Britta Meixner vom Elternbeirat der Einrichtung äußert einen Verdacht: „Wir vermuten, dass das Glas von einem kaputten Balkon der umliegenden Wohnhäuser hereingeweht wurde“. Der Elternbeirat wandte sich nun hilfesuchend an die Öffentlichkeit.
Der Vorwurf in Richtung der Stadtverwaltung wiegt schwer: „Drei Monate Stillstand. Und niemand fühlt sich zuständig“. Diese Situation mache die Elternschaft „fassungslos“. Es wird hinzugefügt: „Die Kita-Leitung hat die Stadt Köln mehrfach auf die Situation und die Gefahren hingewiesen und um Abhilfe gebeten – bislang ohne ausreichende Lösung.“
Die größten Splitter wurden zwar umgehend beseitigt. Aber es kann niemand garantieren, dass nicht doch noch winzige Scherben im Sand oder auf den anderen Flächen lauern. Aus diesem Grund wurden die Spielzonen kurzerhand gesperrt. Den Kindern bleiben lediglich die kleinen Terrassenflächen vor den drei Räumen der Gruppen, die mit Gehwegplatten ausgelegt sind. Für kindgerechtes Spielen und andere Aktivitäten gibt es dort kaum Raum. Meixner sagt: „Unsere Kinder sind nicht ausgelastet, das merken wir jeden Tag“.
Manche der Kleinen verbringen ihren kompletten Nachmittag, oft bis 16.30 Uhr, in der Einrichtung. Der Zustand beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden der Kinder, sondern schadet auch ihren sozialen Kontakten. „Beim Spielen draußen treffen sie ja die Kinder aus den anderen Gruppen“, erklärt Meixner. „Aber auch das Sommerfest oder die Verabschiedung der Kinder, die in die Schule wechseln, mussten in diesem Jahr ausfallen.“

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Der Sandkasten mit Klettergerüst und die Spielflächen im Außenbereich sind abgesperrt.
Die Eltern haben permanent bei der Stadtverwaltung nachgefragt und um eine Lösung ersucht, wurden jedoch stets hingehalten. Die Verwaltung kündigte einmal an, eine Spezialfirma würde sich für einen Termin bei der Kita-Leitung melden, doch es geschah nichts. Nora Rohleder, die auch im Elternbeirat ist, berichtet: „Vor kurzem ist der Sand in einer anderen Kita nicht weit entfernt hier in der Düsseldorfer Straße 40 ausgetauscht worden, da hätte man das hier doch gleich mitmachen können“.
Engin Akin, dessen Kind die Kita besucht, fügt hinzu: „Wir haben sogar angeboten, mit Schippen zu kommen und den Sand selbst auszutauschen“. Dies lehnte die Stadt jedoch aus versicherungsrechtlichen Gründen ab. Die entscheidende Frage: Wer trägt die Verantwortung, falls eine Scherbe übersehen wird und ein Kind sich verletzt?
Glasscherben in Kölner Kita-Sand: Das sagt die Stadt
Auf Anfrage sichert eine städtische Sprecherin zu, dass die Säuberung der Außenanlage intern „eine hohe Priorität“ genieße. Die beauftragte Fachfirma, welche den Sand auf städtischen Spielflächen routinemäßig und bei Bedarf wechselt, wurde demnach angewiesen, „den Auftrag für die Kindertageseinrichtung Düsseldorfer Straße 153 priorisiert zu behandeln. Aufgrund der hohen Auftragsdichte gibt es zwischen der Auftragserteilung und der Umsetzung leider oftmals längere Wartezeiten, so auch in diesem Fall“, erläutert die Sprecherin.
Die Stadt habe keinen Einfluss darauf, wie zügig die Spezialfirma einen solchen Auftrag am Ende erledigt. Eine Kombination mit dem Sandaustausch in der Kita an der Düsseldorfer Straße 40 war wegen der „Auftragsdichte“ ebenfalls nicht realisierbar. Um die Lage in der Düsseldorfer Straße zumindest etwas zu entspannen, seien jedoch „mit den Kindern Ausflüge zu den umliegenden Spielplätzen und Grünflächen unternommen worden“, hebt die städtische Sprecherin hervor.
Britta Meixner zufolge fanden diese Ausflüge jedoch nur sehr eingeschränkt statt. „Dafür müssen aus versicherungstechnischen Gründen pro Gruppe drei Betreuer dabei sein, das ist personell nur selten möglich.“ Was die Sache besonders absurd macht: Direkt angrenzend an die Kita gibt es einen öffentlichen Spielplatz, der sowohl einen Sandkasten als auch ein großes Klettergerüst bietet. Diesen dürfen die Kita-Kinder während der Öffnungszeiten aber nicht betreten. Obwohl der Spielplatz nur eine Entfernung von zwei Metern zum Kita-Areal hat, gilt die Nutzung versicherungsrechtlich als Ausflug. (red)
