Erlös für Flutopfer Sammler mit seltener Spende – die geht bei Kölner Auktion durch die Decke

Ein Auktionator steht an einem Pult bei einer Versteigerung.

Als die Thürey-Schreibmaschine (oben links) am Samstag (25. September) aufgerufen wurde, kam Auktionator Dr. Takuro Ito in Bewegung. 

Die Flutkatastrophe hat viele Menschen zum Helfen bewegt. So auch den Kerpener Museumschef Rudolf Doose.

Köln. Das ist wirklich eine Geschichte, die das Leben schreibt – oder besser: die 1909 in Deutz gebaute „Thürey“, eine der seltensten Schreibmaschinen der Welt. Der Kerpener Museumschef Rudolf Doose (75) ließ das gute Stück im Kölner Auktionshaus Breker versteigern, zugunsten der Flutopfer in NRW. Der Erlös ist der Hammer!

Blatt eingespannt, Finger gespitzt, Blick aufs Papier – und dann wird losgehämmert: klack-klack-klack-pling! Bereits 2017 hatte EXPRESS.de den Schreibmaschinen-Fan Rudolf Doose und sein Museum namens „Qwertzuiopü“ (oberste Buchstabenreihe der Tastatur) entdeckt und über sein Leben mit und zwischen 1000 feinmechanischen Kunstwerken aus 100 Jahren berichtet.

Köln: Sammler versteigert Schreibmaschine und will Erlös an Flutopfer senden

„Nun saß ich mit meiner Frau zusammen und überlegte, wie wir den armen Menschen, denen die Flut alles genommen hatte, helfen können“, erinnert sich Doose. „So kam ich auf die Idee, eine meiner Schätzchen für den guten Zweck zu versteigern. Ich machte mich an die Arbeit, polierte die Maschine acht Stunden auf Hochglanz und brachte sie ins Auktionshaus."

Problem: Wer braucht heutzutage schon eine 112 Jahre alte Schreibmaschine, auf der man heute nicht mehr schreiben kann – und die seltsam aussieht? Experten beschreiben das 1909 von Eduard Thürey in Deutz konstruierte Gerät als einen der „letzten Ausbrüche radikaler Experimente in der Schreibmaschinenwelt“. Weltweit sollen nur noch sieben Stück von ihnen bekannt sein, danach eroberte die klassische Tastaturanordnung den Globus.

Rudolf Doose: „Ich war ganz tollkühn und verlangte als Mindestgebot 20.000 Euro. Motto: Wenn schon, denn schon!“

Doch bei der Auktion nahm das kleine Maschinchen für alle überraschend ordentlich Fahrt auf. 3, 2, 1 ... Für satte 55.000 Euro bekam ein Museum in Osteuropa den Zuschlag. „Wir weinten vor Freude und vor Glück“, so Doose. „Und wollen dieses Glück mit denen teilen, denen viel bei der Flutkatastrophe Unglück widerfahren ist.“

Sieglinde und Rudolf Doose verfolgen eine Versteigerung in einem Auktionshaus.

Glücklich: Sieglinde und Rudolf Doose am Samstag (25. September) im Zuschauerraum des Auktionshauses. 

Mit dem Geld will das Ehepaar Doose nun fünf betroffene Familien an Erft und Ahr unterstützen: „Wir werden eine Rundreise machen, uns die Lage vor Ort anschauen, mit den Menschen sprechen - und dann verschenken wir Batzen Geld.“

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