Köln – Wenn zwei sturmerprobte Bühnen- und TV-Alpha-Tiere aufeinander treffen, gibt es oft nur zwei Möglichkeiten: Entweder es wird äußerst peinlich, weil sie sich gegenseitig auf die Füße treten und die guten Gags) nicht gönnen – oder es wird wunderbar, weil jeder dem anderen seinen freien Lauf lässt, sie sich gegenseitig aufbauen und nicht in die Quere kommen.
Bei Jochen Busse (78) und Hugo Egon Balder (68); beide gefühlt schon seit der Zeit des Schwarz-Weiß-Fernsehens erfolgreich, ist glücklicherweise Möglichkeit zwei eingetreten. Im Theater am Dom spielen sie „Komplexe Väter“, und das mit so einem Spaß an ihren Rollen, dass man meint, sie spielen ihre eigenen Memoiren.
Jochen Busse im Interview: „Ich habe nicht immer auf die gleiche Stelle gespuckt“ (hier lesen Sie mehr).
„Komplexe Väter“ mit Jochen Busse und Hugo Egon Balder ist Pointen-Feuerwerk
Im zweistündigen Pointen-Feuerwerk spielt Busse mit nerviger Penetranz und oft herrlich hochrotem Kopf den Anton, den erziehenden Vater der 25-jährigen Nadine (Katarina Schmidt, 31). Balder schlufft, schlafft und baldert den Hallodri Erik, der mal dafür gesorgt hat, dass Nadine auf der Welt ist – denn sie entstand bei einem Seitensprung der immer noch Helikopter-Mutter Ute (Alexandra von Schwerin, 57).

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Hugo Egon Balder (hinten) und Jochen Busse in einer Szene mit Alexandra von Schwerin und Katarina Schmidt (li.).
Die beiden Männer verachten sich aus tiefstem Herzen und finden kein gutes Wort füreinander. Das ändert sich jedoch, als Nadine ihren neuen Freund Björn (René Heinersdorff, 55) ins Haus bringt, der an dem Tag um ihre Hand anhalten will. Das große Problem: Der Neue ist 25 Jahre älter als die Tochter. Das nächste große Problem: Auch Anton ist 25 Jahre älter als seine Frau. Und auch Erik gehört zu den nicht mehr taufrischen Männern, die zwar wissen, dass sie älter werden, das aber nicht glauben.
Autor René Heinersdorff begeistert mit lebensnahen Dialogen
So geht es in diesem irrwitzig schnellen Stück um Treue und Seitensprünge, Liebe und Eifersucht – und um die Beziehungen von Töchtern zu Müttern, aber vor allem von jungen Frauen zu älteren Männern, vor allem, wenn diese Beziehungen auch in die Jahre kommen. Antons ernüchterndes Fazit: „Laufend muss der Mann beweisen, dass er kein alter Sack ist, und laufend muss die Frau beweisen, dass sie keinen alten Sack hat“ (was beim Premieren-Publikum einige misstrauische Seitenblicke und wissendes Hüsteln nach sich zog).
„Komplexe Väter“ – ein Stück mit zwei Stunden durchgehender Frohsinns-Garantie! Selten so gelacht im Theater am Dom.
Kompliment an den Düsseldorfer René Heinersdorff, der sich als Schauspieler gern freiwillig in die zweite Reihe stellt, als Autor feiner und leichter Komödien aber den Spitzenplatz in Deutschland hat! Solche lebensnahen Dialoge schreibt nicht jeder!

