Stadt der Verräter? So viele Kölner melden täglich Corona-Verstöße

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In den vergangenen Wochen haben sich manche Menschen nicht an die vorgeschriebenen Corona-Regeln gehalten. Das Foto wurde an Karfreitag am Rheinboulevard aufgenommen.

Köln – Ganz Köln diskutiert: Wenn mein Nachbar eine Grill-Party mit zehn Personen schmeißt oder am Aachener Weiher drei Personen zu nah beieinander stehen – darf ich das melden? Oder sollte ich im Namen der allgemeinen Gesundheit sogar? Oder macht mich das trotz Corona zu einem Denunzianten, einer Petze, einem Verräter? Was das Thema angeht, gehen die Meinungen in Köln weit auseinander.

Corona-Regeln in Köln: 200 Meldungen pro Tag von Bürgern

Fest steht: Viele Kölner halten dieses Vorgehen offenbar für richtig und melden fleißig Verstöße. Das geht aus Zahlen der Stadt Köln hervor. Demnach gehen täglich bis zu 200 Hinweise an, die auf Verstöße gegen das Kontaktverbot aufmerksam machen.

Dabei spielt besonders das derzeit schöne Wetter eine entscheidende Rolle, wie Stadt-Sprecher Robert Baumanns gegenüber EXPRESS erklärt. „Bei schönem Wetter, wenn mehr Leute draußen sind, gibt es mehr Meldungen als bei schlechterem Wetter.”

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Corona-Regeln in Köln: Sind wir eine Stadt von Denunzianten

Aber ist Köln damit eine Stadt von Denunzianten? Nein, sagt Baumanns: „Es herrscht keine Blockwart-Mentalität. Den Leuten, die Hinweise geben, ist es zum großen Teil sogar unangenehm. Aber sie machen sich Sorgen.”

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Häufig stellen sich solche Meldungen aber auch als Fehl-Alarm heraus. Beispielsweise dann, wenn eine Ansammlung von mehr als zwei Personen gemeldet wird. Wenn es sich aber um Verwandte in direkter Linie handelt (z.B. Eltern - Kind) oder die Beteiligten einen Hausstand teilen (z.B. WGs), werden keine Verordnungen verletzt.

Corona-Regeln in Köln: Ordnungsamt arbeitet fast durchgehend

Der Ordnungsdienst der Stadt arbeitet seit dem Inkrafttreten der Corona-Schutzverordnungen am 23. März 2020 unter besonderen Herausforderungen. An sieben Tagen die Woche kontrollieren sie in der Zeit von 7.30 Uhr bis 2 Uhr morgens die Einhaltung der Verordnungen – und haben schon oft eingreifen müssen. Bis einschließlich Freitagmorgen (17. April, 2 Uhr) verzeichnete die Stadt folgende Fallzahlen:

  • 1568 Verstöße gegen das Kontakt-/Ansammlungsverbot (Bußgeld pro Person: 200 Euro)
  • 68 Verstöße „verbotene Öffnung Einzelhandel“ (Bußgeld für Betriebsinhaber: 2.500 Euro)
  • 93 Verstöße „Gastronomie“ (Bußgeld für Betriebsinhaber bei Öffnung: 4.000 Euro; für Betriebsinhaber bei Duldung des Verzehrs im Umkreis von 50 Metern: 1000 Euro; für Kunden bei Verzehr im Umkreis von 50 Metern: 200 Euro)
  • 53 Verstöße „Grillverbot“ (Bußgeld pro Person: 250 Euro)
  • 23 Verstöße „Picknickverbot“ (Bußgeld pro Person: 250 Euro)

Bei rund 1,1 Millionen Einwohnern Kölns macht die Zahl der Personen, die gegen das „Kontakt-/Ansammlungsverbot“ verstoßen haben, einen Anteil von nur 0,14 Prozent aus. Pro Tag verstoßen täglich im Schnitt etwa 62,7 Personen gegen eines der Verbote. Ein Anteil von 0,006 Prozent der Stadt-Bevölkerung. „Damit sind wir auf einem guten Weg in Köln”, so Baumanns weiter.

Natürlich handelt es sich dabei aber nur um die festgestellten Verstöße. Es gibt daher eine Dunkelziffer, das Ordnungsamt kann nicht überall sein.

Corona-Regeln in Köln: Ordnungsamt erlebt heikle Situationen

Dennoch gebe es vereinzelt auch Situationen, in denen vor allem junge Männer aggressiv werden gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ordnungsdienstes, so auch Ostersonntag am Rheinboulevard.

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„Sie schreien dann rum, zeigen offen, dass sie keinen Respekt haben, stoßen übelste Beleidigungen aus – dabei machen die Männer und Frauen des Ordnungsdienstes nur ihren Job”, sagt Baumanns. Schon mehrfach hätten Teams des Ordnungsamts auch Verstärkung anfordern müssen.

Corona-Regeln in Köln: Stadt will mit Kampagne sensibilisieren

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamts tragen dabei zur Eindämmung des Coronavirus und dessen Verbreitung bei, gleichzeitig setzen sie sich durch den ständigen Kontakt zu Menschen selbst aber einer großen Gefahr aus.

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Das Plakat der Stadt Köln

Deswegen will die Stadt nun mit einer eigenen Kampagne namens „Ein Herz für Köln” für die Arbeit des Ordnungsdienstes sensibilisieren. Die dazugehörigen Plakate sind bereits in der Stadt zu sehen. „Helfen Sie mit – bitte bleiben Sie auch weiterhin geduldig und halten Sie sich an die bestehenden Regelungen. Und bitte begegnen Sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ordnungsdienstes mit Respekt”, heißt es dazu von Seiten der Stadt.

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