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Köllefornia-FeelingPalmen-Oasen in der Stadt bescheren Köln ungewöhnlichen Rekord

Die Palmenallee gehört zu den exotischen Attraktionen im Botanischen Garten.

Copyright: Uwe Weiser

Die Palmenallee gehört zu den exotischen Attraktionen im Botanischen Garten. 

Palmen in Köln? Aber sicher doch! Passend zum Palmsonntag zeigen wir, wo in der Domstadt echtes Urlaubs-Feeling aufkommt – ganz ohne Kofferpacken.

Palmsonntag: ein Fest, das an den Einzug von Jesus Christus in Jerusalem erinnert. Damals jubelten ihm die Menschen mit Palmzweigen zu. Diese Pflanzen galten früher als heilig.

Heute bringen sie uns vor allem das Gefühl von Sonne und Urlaub. Und ja, man entdeckt sie sogar mitten in Köln, obwohl das Meer so fern ist.

Kölns botanischer Rekord: Europas nördlichste Palmenallee

Kaum zu glauben, aber Köln hat einen Palmen-Rekord! Die nördlichste Palmenallee des Kontinents steht im Botanischen Garten. Seit 2008 sorgen dort 30 Exemplare für Ferienstimmung. Das Geheimnis ihrer Widerstandsfähigkeit ist die Sorte: chinesische Hanfpalmen. „Die sind in der gebirgigen südwestchinesischen Provinz Yunnan zuhause. Dort sind sie Kälte gewöhnt“, erläutert die Leiterin des Gartens, Marina Tsaliki. Selbst Temperaturen von bis zu minus 18 Grad können sie ertragen.

Diese Palmen sind echte kölsche Gewächse. Ihre Wurzeln gehen auf eine Pflanze zurück, die bereits seit 1975 im Botanischen Garten beheimatet ist. Dieser „Urvater“ der Allee steht heute noch im Tropenhof. Im Jahr 1998 bekam er weibliche Gesellschaft, woraufhin engagierte Mitarbeiter Nachwuchs züchteten. Ein Teil davon wurde an andere Gärten abgegeben, während der Rest 2008 die Allee bildete. Anfangs schützte man sie im Winter mit Vlies, doch sie erwiesen sich als robust. Ganz neue Exemplare empfangen die Gäste jetzt am Eingang an der Amsterdamer Straße. „Als Einladung, uns zu besuchen“, erklärt Marina Tsaliki.

Der Name Hanfpalme ist übrigens irreführend, denn mit der bekannten Nutzpflanze hat sie nichts gemein. Er leitet sich von den Fasern am Stamm ab, die sich wie Hanf zu Seilen verarbeiten lassen.

Könnten dank des milden Wetters im Kölner Raum und des Klimawandels bald auch Kokospalmen bei uns wachsen? Die Expertin verneint das klar. Für Palmen zählt nicht nur die Temperatur, sondern auch der Boden. Und der Kölner Boden ist eben nur für die widerstandsfähigen Pflanzen aus Südchina geeignet.

Hollywood-Flair in Sülz

Majestätisch ragt eine Palme vor einem Wohnhaus nahe dem Beethovenpark empor. Vor 30 Jahren hat die Hausbewohnerin sie gepflanzt. „Meine Freundin hatte eine Palme vom Lago Maggiore in ihrem Garten, die hatte sie aus dem Urlaub mitgebracht. Die habe ich immer bewundert.“ Inspiriert davon, fand sie in einem Supermarkt ein Exemplar, das „sehr stabil aussah“. Es handelte sich um eine widerstandsfähige chinesische Hanfpalme, die sie sofort mitnahm. „Damals hieß der Rewe noch Stüssgen, so lange ist das her.“ Als die Pflanze eine Höhe von einem Meter erreichte, pflanzte sie sie kurzerhand vor dem Haus ein.

An einem Wohnhaus in Sülz ist die Palme bis zum Dach gewachsen.

Copyright: Christine Meyer

An einem Wohnhaus in Sülz ist die Palme bis zum Dach gewachsen.

„Friss oder stirb, dachte ich. In den ersten Wintern habe ich sie noch wie einen Nikolaus eingepackt, aber dann wurde sie einfach zu groß.“ Mittlerweile reicht die Krone bis zum dritten Stock. „Praktisch ist, dass wir die braunen Palmwedel nun oben aus den Fenstern abschneiden können. Das machen wir einmal im Jahr“, berichtet ihr Mann. Ein Passant gab dem Anblick den Namen „Beverly Sülz“, in Anlehnung an die berühmten Palmen von Beverly Hills. Bei Unwetter hat das Paar zwar Sorge um das Dach, doch bisher ging alles gut. Das Rauschen der Wedel bei Wind kann laut sein, aber die Besitzerin schwärmt: „Aber wenn man aus dem Badezimmerfenster schaut, dann ist das wie Urlaub“.

Kaffee und Kuchen im Palmen-Paradies

Palmen in einem Gartencenter sind keine Überraschung. Für Christian Dinger, der das Dinger’s Gartencenter leitet, stellt die Pflege aber eine ständige Herausforderung dar. Besonders sein Palmencafé soll seinem Namen gerecht werden. Sein Vater brachte in den 1980er-Jahren die ersten Pflanzen: eine kanarische Dattelpalme aus Bad Pyrmont, die beim Transport Schaden nahm. Ein zweites Exemplar aus Sizilien fiel einem Pilzbefall zum Opfer.

Washingtonpalmen im Palmencafé von Dinger's Gartencenter

Copyright: Alexander Schwaiger

Washingtonpalmen im Palmencafé von Dinger's Gartencenter

Der Durchbruch gelang 2022. Ein Partnerbetrieb aus Rostock überließ Dinger fünf kalifornische Washingtonpalmen, die dort zu groß geworden waren. Da diese Sorte nicht winterfest ist, eignen sie sich hierzulande nur für Innenräume. Jetzt zieren sie eindrucksvoll das Café unter dem Glasdach der Orangerie. Aber: „Ein Café ist eigentlich ein schwieriger Standort für Palmen.“ Der Grund: Sie benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit, während Gäste trockene Luft bevorzugen. Ein ständiger Balanceakt.

Schädlinge sind die größte Hürde. Anstatt zu spritzen, werden heute in Absprache mit den Behörden Nützlinge eingesetzt. Dazu gehören Florfliegen, Raubmilben, Marienkäfer und Schlupfwespen. Sie befinden sich in kleinen Beuteln, die an Teebeutel erinnern und an den Palmen hängen. Die Gäste bemerken davon nichts, wie Dinger versichert. Ein Mitarbeiter kümmert sich regelmäßig mit einem Hubwagen um das Entfernen trockener Wedel und das Abstauben der Blätter.

Chinesische Hanfpalmen an der Militärringsstraße vor Dinger`s Gartencenter

Copyright: Alexander Schwaiger

Chinesische Hanfpalmen an der Militärringsstraße vor Dinger`s Gartencenter

Christian Dinger erzählt, dass sein Vater das Café 1981 ursprünglich schuf, „um Männer zu parken, während die Frauen einkaufen“. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute genießen alle die Atmosphäre unter den Palmen. „Ich selbst frühstücke hier oft, das ist einfach schön“, verrät Dinger.

Auch draußen soll es schön aussehen: Deswegen säumen chinesische Hanfpalmen die Einfahrt zum Gartencenter an der Militärringstraße. Sie wirken auf Vorbeifahrende fast wie eine Fata Morgana.

Mediterranes Flair in Niehl

Eine Bewohnerin berichtete gegenüber EXPRESS.de: „Als wir hier eingezogen sind, habe ich den Vermieter gefragt, ob ich einen Baum pflanzen kann – und aus dem Baum ist eine Palme geworden.“

Das geschah 2006, als die Pflanze nur 50 Zentimeter maß. Heute ist sie mehrere Meter hoch. Früher wurden die braunen Wedel noch entfernt, doch inzwischen ist sie zu groß dafür. Die Anwohner hoffen nun, dass der Wind diese Aufgabe übernimmt.

Palme in der Feldgärtenstraße in Niehl

Copyright: Christiane Vielhaber

Palme in der Feldgärtenstraße in Niehl

Die Nähe zum Rhein scheint der Palme in der Niehler Feldgärtenstraße gutzutun. Seit beinahe 20 Jahren verleiht sie dort einer Einfahrt und der gesamten Straße einen Hauch von Mittelmeer-Flair.

Die „Bananenrepublik“ in der Südstadt

Ein echtes Kölner Original ist der Kreisverkehr an der Bonner Straße/Ecke Teutoburger Straße. Seit 2009 wachsen hier Palmen, Bananenstauden und Blumen.

Palmen auf der Verkehrsinsel Bonner Straße/Teutoburger

Copyright: Alexander Schwaiger

Palmen auf der Verkehrsinsel Bonner Straße/Teutoburger

Der Anwohner Michael Kiefer hat diese grüne Insel geschaffen, sie „Bananenrepublik“ getauft und sich selbst zum Präsidenten erklärt. Die Aktion startete, als er für die Pflanzen von seinem Balkon einen neuen Platz suchte. Seine Oase wird jedoch ein Einzelfall bleiben. Kiefer erhielt als Privatmann die letzte und einzige Genehmigung der Stadt Köln für die Bepflanzung eines Kreisels. „Damit werden wir ein Unikat in Köln bleiben – hoffentlich bis zum nächsten runden Jubiläum 2029“, erklärte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

In Zusammenarbeit der Firma Kärcher reinigten Mitarbeiter der Dombauhütte im Jahr 2021 den historischen Sandsteinboden und den Mosaikboden im Kölner Dom.

Kölner Dom

Dechant verteidigt Eintritt: „Wer kommt auf die Idee“