„Hätte die Zusammenarbeit gefährdet“ FK-Chef Kuckelkorn: Der steinige Weg zu neuen Corona-Regeln 

Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn argumentiert im Interview.

Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn beim EXPRESS-Interview in seinem Büro im Festkomitee am Maarweg. 

Kölns Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn nimmt Stellung zu den neuen Corona-Regeln im Karneval. 

Köln. Sie sind raus, die neuen Regeln und damit Lockerungen für den Kölner Karneval.  Aber was bedeutet das konkret? Im großen EXPRESS-Interview stellt sich der Kölner Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn den Fragen der Redakteure Bastian Ebel und Jan Wördenweber. 

Herr Kuckelkorn, wir erleben sie als sehr erleichtert...

Kuckelkorn: Ja, es ist total erleichternd. Jetzt wissen wir, unter welchen Regeln wir uns treffen können. Jetzt kann jeder Jeck entscheiden, wie und ob er feiert. Ich empfinde diese Regel als sicher.

Mit Verlaub: In den vergangenen Wochen haben wir sie ein stückweit als „Angela Merkel von Köln“ erlebt: Konkrete Aussagen fehlten, auch die Vereine haben die abwartende Haltung des Festkomitees kritisiert.

Kuckelkorn: Wir konnten uns noch nicht klar positionieren, weil die Gespräche mit dem Ministerium im Hintergrund liefen. Diese Gespräche gingen zwar in die richtige Richtung, aber mit einer öffentlichen Positionierung in die eine oder andere Richtung hätte man die konstruktive Zusammenarbeit gefährdet. Das wollten wir nicht.

Köln: Kontrolle beim Rosenmontagszug 

Ist die neue Regelung genau das, was sich das Festkomitee erhofft hat?

Kuckelkorn: Wir hatten uns das gewünscht, aber nicht erwartet. Wir waren schon davon ausgegangen, eine wesentlich strengere Gangart zu haben und sind positiv überrascht. Uns hat beeindruckt, dass das Ganze eine Logik hat und vor allen Dingen umsetzbar ist.

Wie sind die Gespräche abgelaufen?

Kuckelkorn: Die konkreten Beratungen laufen seit Mai. Wir haben im vergangenen Jahr schon gemerkt, dass es eine sehr offene Zusammenarbeit ist und nicht von oben herab. Wir haben von allen Verbänden unsere Nöte für die nächste Zeit klar gemacht. Es müssen Tickets verkauft werden, Tanzgruppen müssen trainieren. All das haben wir in den Gesprächen mit eingebracht. Das ist alles aufgenommen worden.

Wie kam es zu einer solchen Lockerung?

Kuckelkorn: Das Ministerium sagt ganz klar, dass wir an einem Punkt sind, wo Geimpfte keine Einschränkungen mehr haben sollen. Dann muss man überlegen, wo wir Getestete in welchem Rahmen dazu nehmen, damit kein Risiko entsteht.

EXPRESS-Interview mit Christoph Kuckelkorn in seinem Büro.

Christoph Kuckelkorn (r.) mit den Redakteuren Jan Wördenweber (l.) und Bastian Ebel. 

Was bedeutet das konkret für die Vereine?

Kuckelkorn: Es wird keine Reduzierung in Sachen Publikum mehr geben, wir können mit voller Kapazität planen. Das ist für die Vereine total wichtig. Reduzierung des Publikums hätte automatisch geheißen, dass wir finanzielle Risiken hätten einplanen müssen. Diese Sorge ist uns schon einmal genommen.

Aktuell müssen wir immer „Stand heute“ planen, oder?

Kuckelkorn: Die einzige Einschränkung, die es geben könnte: Wenn sich die Zahlen exorbitant entwickeln, wird überlegt, auf 2 G zu gehen. Das wäre aber der schlimmste Fall. Wenn die Infektionen die Impfungen überspringen, müssten wir natürlich neu überlegen. Aber ansonsten wird es keinen Lockdown im Veranstaltungsbereich geben. Die Aussagen haben wir wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Stand denn auch nur „2G“ zur Debatte? Das würde Kinder doch ausschließen, oder?

Kuckelkorn: Nein. Bei Kindern ist es so, dass Kinder eingestuft werden als PCR getestet, weil sie in den Schulen und Kitas engmaschig (beispielsweise in den Schulen dauernd) getestet werden. Kinder sind also immer mit dabei und dürfen überall teilnehmen. Das ist ein großer Schritt Normalität, wenn ich an den Kinderkarneval denke.

Wäre denn auch eine „3G-Regel“ mit normalem Schnelltest denkbar gewesen?

Kuckelkorn: Du willst doch auch mal an die Theke gehen, bei Bands vorne an der Bühne mitjubeln oder mal am Nebentisch ein wenig quatschen. Das müsste man ja ständig reglementieren und man müsste die Maske bei jedem Aufstehen anziehen. Deshalb ist die jetzige Regel für mich die einzig gängige Auslegung.

Viele Menschen oder auch Impfgegner werden diese Öffnung kritisieren?

Kuckelkorn: Ich glaube, dass die Öffnung genau richtig ist. Den Menschen wird die Sinnhaftigkeit der Impfung klar. Denn jedes Wochenende einen PCR-Test für, sagen wir 80 Euro, wird teuer auf die Dauer. Die Risikogruppen, die sich nicht impfen lassen können, erhalten ja nach wie vor vom Staat den PCR-Test bezahlt. Wenn wir innen aufmachen und in Sicherheit schunkeln wollen, tun wir gut an der Regelung. Die Fehlerquote beim normalen Schnelltest ist auch nach Einschätzung des Ministeriums zu hoch.

Jecke lachen am 11.11. bunt kostümiert in die Kamera.

Damit Jecke in Köln ausgelassen feiern können, wie hier auf dem Foto vom Sessionsauftakt am 11.11.2018 auf dem Heumarkt, wurden Regeln für die Session 2021/22 festgesetzt.

Bedeutet: Im Kölner Karneval müssen ausnahmslos die Menschen geimpft und genesen sein und einen PCR-Test vorweisen?

Kuckelkorn: Das gilt für Künstler, Techniker, Kellner, für alle. Auch wenn Korps mit 100 Mann aufziehen. Wir empfehlen das unseren Gesellschaften, werden bei unseren Veranstaltungen auch so verfahren. Man darf den Level natürlich hochschrauben, zum Beispiel auf 2G. Aber darunter darf man natürlich nicht bleiben.

Was passiert mit Veranstaltungen unter freiem Himmel?

Kuckelkorn: Da gibt es zwei Formen. Einmal, wenn die Veranstaltung geschlossen ist. Wie am 11.11. zum Beispiel: Da ist ein Zaun drum und man kann wunderbar kontrollieren, weil es ein geschlossener Bereich ist. Auch da würden wir 3G Plus empfehlen.

Der Rosenmontagszug ist ja keine geschlossene Veranstaltung?

Kuckelkorn: Derzeit würden wir beim Rosenmontagszug für die Teilnehmer ein 3G Plus vorschreiben. Für Besucher wäre eine 3G-Regel erforderlich. Die Landesregierung sieht hier vor, dass die Einhaltung stichprobenartig kontrolliert werden soll. Wie die konkrete Umsetzung in Köln aussehen soll, werden wir mit der Stadt besprechen. Die Regelung ist ja für alle Beteiligten noch neu. Bei den Besuchertribünen reden wir wieder von einer geschlossenen und kontrollierbaren Veranstaltung. Da könnten dann zum Beispiel die gleichen Regeln gelten wie am 11.11..

Köln: Impf-Appell an Karnevalisten

Was passiert, wenn ein Besucher am Straßenrand kein Ergebnis oder Zertifikat vorweisen kann?

Kuckelkorn: Dem wird ein Verweilverbot ausgesprochen und er muss sich vom Platz entfernen. Wir rufen generell zur Vernunft auf. Wir hoffen, dass sich die Menschen vernünftig verhalten. Die meisten werden das mit Sicherheit auch tun.

Verprellen wir durch diese Regelung Menschen in den Karnevalsvereinen?

Kuckelkorn: Der Karneval zeichnet sich dadurch aus, dass wir gemeinschaftlich und solidarisch denken. Deshalb glaube ich, dass sich viele Menschen impfen lassen.

Denken sie, dass wir in Köln vor der emotionalsten Session überhaupt stehen?

Kuckelkorn: Es kann eine enorme Befreiung werden. Die Musik hören, gemeinsam schunkeln. Das hat den Menschen gefehlt. Wir können abschalten, den Alltag und die Sorgen vergessen. Von daher glaube ich schon, dass es die schönste Session werden kann, die wir in unserer Zeit erleben werden.

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