Die Kajuja hat beim traditionellen Vorstellabend wieder aufstrebenden Newcomern die Bühne überlassen. Einige Darbietungen hoben sich dabei deutlich hervor. Ein Redner bekam besonders viel Applaus.
Abräumer bei der KajujaKöln hat einen neuen jecken Stern am Redner-Himmel

Copyright: Daniela Decker
Beim Vorstellabend der Kajuja sorgte Khalid Bounuoar am Freitagabend (2. Oktober 2026) für Begeisterung.
Die Kajuja ist seit Jahren dafür bekannt, neue, aufstrebende Talente hervorzubringen. Hier machten heutige Karnevalsgrößen wie die Höhner, Cat Ballou, Kasalla, Querbeat oder Miljö sowie Büttenstars wie „Sitzungspräsident“ Volker Weininger, Ingrid Kühne oder „Dä Tuppes vum Land“ Jörg Runge ihre ersten Schritte.
Während musikalischer Nachwuchs Jahr für Jahr reichlich auf die Karnevalsbühnen drängt, sind neue Rednertalente Mangelware. Und auch der nicht vorhandene weibliche Nachwuchs bleibt ein Dilemma.
Vorstellabend der Kajuja Köln: Redner sorgt für komplette Begeisterung
Ein Neuling sorgte jedoch beim Vorstellabend am Freitag (2. Oktober 2026) im Theater am Tanzbrunnen für Furore. Für viele ist die Herausforderung, sich im jecken Haifischbecken in der Bütt zu behaupten, einfach zu groß. Einer, der jetzt den Schritt gewagt hat, ist Khalid Bounuoar.
Der 36-Jährige mit marokkanisch-algerischen Wurzeln wuchs in der Region Aachen mit zehn Geschwistern auf. Seine Eltern kamen als Gastarbeiter in den 1960er und 1970er Jahren nach Deutschland. Nach dem Studium der Gesellschaftswissenschaften entschied sich Bounuoar für Stand-up-Comedy und tritt seitdem mit Solo-Programmen auf. Ferner ist er seit 2012 Mitglied des „RebellComedy“-Ensembles und ist der Moderator des „Quatsch Comedy Clubs“ auf Pro7.
In der Comedy-Szene hat sich Khalid bereits einen festen Platz erobert. Nun wagt der in Aachen lebende sympathische Künstler im schicken Anzug den Schritt auf die Karnevalsbühne. „Ich habe mich mit einigen Comedians unterhalten, die auch Karneval machen, unter anderem mit Guido Cantz und Martin Schopps. Durch sie wurde ich auf das Dilemma, dass sich immer weniger Redner auf die Karnevalsbühne trauen, aufmerksam. Als Grund nannten sie das Problem, dass die Leute nicht mehr zuhören, daher hätten so viele Angst vor diesem Schritt.“
Dennoch geht Bounuoar diese Aufgabe jetzt an. „Karneval ist eine Persiflage auf die Französische Revolution. Vor 200 Jahren haben Redner auf Karnevalsbühnen Sachen gesagt, die man sonst nicht hätte sagen dürfen. Wir dürfen diese Tradition nicht verlieren, daher nehme ich die Herausforderung an.“

Copyright: Daniela Decker
Ein Neuling unter den Rednern, dem die Literaten eine Chance geben sollten: Khalid Bounuoar.
Mit seinem schlagfertigen Witz begeisterte er von der ersten bis zur letzten Pointe die 1000 Gäste des Kajuja-Vorstellabends. Spielend verband er dabei unterschiedliche Kulturen und Hintergründe. Den nicht ganz ernst gemeinten Tipp von Guido Cantz, auf keinen Fall auf eine Damensitzung zu gehen, verarbeitete Khalid in seiner Rede.
„Da bin ich zu so einer Agentur gekommen und was war mein erster Auftritt? Damensitzung mit 400 Frauen. Ich war schweißgebadet. 400 Frauen: Was soll ich machen? Ich darf nur vier heiraten. Ich komme auf die Bühne und 400 Frauen schreien ‚Ausziehen‘. Eine besoffene ältere Dame rief noch: ‚Die Fliege kannst du anlassen.‘ Was soll ich sagen? Seit dem Tag bin ich verheiratet, habe den deutschen Pass und eine bessere Steuerklasse.“

Copyright: Daniela Decker
Eva Petzenhauser begeistert als „Eva singt“ mit ihren eigenen Songs.
Mit Khalid Bounuoar hat der Kölner Karneval nicht nur ein neues Gesicht, sondern einen absoluten Garanten für jede Menge Lachtränen. Beim Vorstellabend war er der Abräumer des Abends und wurde verdient mit stehenden Ovationen und „Zugabe“-Rufen abgefeiert. Hoffentlich haben auch viele Literaten den Mut und geben ihm eine Bühne.

Copyright: Daniela Decker
Ebenfalls zu den Siegern des Vorstellabends gehörte die Gruppe Favorit.
Für frischen weiblichen Wind sorgte „Eva singt“. Mit ihrer Stimme, ihrer Gitarre und Songs wie „Liebeslied“ oder „Loss mer widder rusjonn“ zog sie das Publikum in ihren Bann und wurde ebenfalls gefeiert. Für ein begeistertes Publikum sorgte zudem Philipp Godart („Kölschpop“ und „Em Levve nit“).

Copyright: Daniela Decker
Die Kinder- und Jugendtanzgruppe Rheinmatrosen Minis zeigte ebenfalls ihr Können.
Zu den Siegern des Vorstellabends gehörte auch die Gruppe Favorit. Mit Songs wie „Et kütt wie et kütt“ oder „Ich söke ne Wunnung am Brüsseler Platz“ trafen Fabian Pezl, Dennis Wurm und David Koska-Kuchejda den Nerv des Publikums.
Ein absoluter Garant für den Nachwuchs sind Kölns Tanzgruppen. Gleich sechs – Rheinmatrosen Minis, Kölsche Dillendöppcher, Rheinmatrosen, die Schlebuscher, Kölsche Harlequins und Echte Fründe – präsentierte die Kajuja. Jede für sich wurde für ihr ehrenamtliches Engagement und ihre Leistung verdienterweise gefeiert.
