Köln – Nein, diese Frau wurde nicht verprügelt. Marlies Dahm (58) kam so vom Zahnarzt: Gelähmter Kiefer, das halbe Gesicht geschwollen, grüne, blaue, rote Flecken. Für die Frau aus Höhenberg wurde eine harmlose Wurzelbehandlung zum Höllentrip. Jetzt will sie Schmerzensgeld.
Wegen Zahnschmerzen ging die Kölnerin zum Arzt. Nach dem Röntgen sagte der Zahnarzt: „Wir müssen eine Wurzelbehandlung machen.“ So geschah es.„Trotz lokaler Betäubung schrie ich plötzlich laut auf“, erzählt die Patientin. Sie ist der Überzeugung, dass der Arzt nicht aufmerksam war, ihr mit seinen Werkzeugen zu tief in den Kieferknochen stieß. „Trotzdem versuchte ich mich zusammenzureißen, saß zitternd im Behandlungsstuhl.“ Anschließend bekam sie eine Lösung in den Mundraum gespritzt. „Das war viel zu aggressives Zeug. Ich erlitt dadurch erhebliche Verätzungen.“
Die Folge der Behandlung: Marlies Dahm sah aus wie nach einer Schlägerei, hatte Lähmungen im Gesicht. „Ich konnte nur noch mit Strohhalm trinken, musste wochenlang Schmerzmittel nehmen.“ Sie nahm sich einen Anwalt, will auf Schmerzensgeld klagen.
„Bei der Wurzelbehandlung ist eine sehr seltene Komplikation aufgetreten“, so Dr. Sven Glindemann. „Der behandelnde Arzt hat keine Fehler gemacht.“ Es gebe Fälle, in denen sähen auch die Patienten nach dem Ziehen der Weisheitszähne so aus. Für weitere Behandlungen wurde einen Kostenvoranschlag von rund 8800 Euro gemacht. Doch Marlies Dahm hat den Zahnarzt gewechselt. Den Rest müssten jetzt Anwälte und Gutachter klären.

