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Herzzerreißendes Schicksal in KölnPflegerin soll abgeschoben werden – sie wird dringend gebraucht

Eine bosnische Pflegekraft soll aus Köln abgeschoben werden, obwohl sie gebraucht wird (Symbolbild).

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Eine bosnische Pflegekraft soll aus Köln abgeschoben werden, obwohl sie gebraucht wird (Symbolbild).

Sie entkam der Gewalt, fand in Köln einen wichtigen Job und ein neues Leben. Jetzt soll alles vorbei sein.

Sie möchte ihre Geschichte teilen, aber ihr Gesicht darf niemand sehen. Mirza Maric (Name von der Redaktion geändert) hat große Angst. Furcht vor ihrem Ex-Mann, den sie meilenweit entfernt wähnt, aber dessen Gegenwart sie spürt. Und eine generelle Sorge, weil ihre Situation so hoffnungslos scheint.

Seit drei Jahren lebt die 56-jährige Bosnierin mit der permanenten Bedrohung der Abschiebung in ihr „sicheres Herkunftsland“. Ihr Aufenthalt ist lediglich geduldet, verlängert um immer nur wenige Monate. Trotz allem fand sie eine kleine Bleibe und eine Anstellung als Fachkraft in der Pflege in einem Heim für Senioren.

Diesen Job hat sie nun aber verloren, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Grund: Das Ausländeramt zog ihre Arbeitserlaubnis zurück, weshalb der Caritas-Verband sie entlassen musste.

Nun bezieht sie Sozialleistungen und verkörpert unfreiwillig das Klischee von Zuwanderern, die dem Sozialsystem zur Last fallen. Kürzlich sorgte der vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ aufgedeckte Fall eines mehrfach kriminellen Bosniers, der seit 19 Jahren in Köln geduldet wird, für bundesweite Empörung.

Flucht vor dem brutalen Ehemann

Der Fall von Mirza Maric ist komplett anders. Die 56-Jährige ist bereits zum zweiten Mal in Deutschland. 1992 floh sie mit ihrer Schwester vor dem Krieg in Bosnien nach Köln und lernte hier einen Landsmann kennen. Nach Kriegsende kehrte das Paar in die Heimat zurück, heiratete und bekam einen Sohn. Doch dann begannen die Probleme: Der Ehemann war alkoholsüchtig und gewalttätig, er misshandelte seine Frau und das Kind sogar nach der Scheidung. Voller Angst packten sie ihre Sachen und flohen zu Marics Schwester, die im rechtsrheinischen Köln geblieben war.

Maric hatte eine zehnmonatige Ausbildung zur Pflegefachkraft abgeschlossen und bemühte sich um ein Arbeitsvisum. Dafür hätte sie einen Arbeitsvertrag vorweisen müssen. Da sie jedoch über 45 Jahre alt ist, hätte dieser ein sehr hohes Gehalt garantieren müssen – was für sie unerreichbar war.

Mutter und Sohn behalfen sich daher mit Touristenvisa, die nach drei Monaten ihre Gültigkeit verloren. Ihr Aufenthalt wurde damit illegal, und sie landeten in den Mühlen der Ausländerbehörden. Überwältigt von den Formularen und Fristen, engagierte Maric einen Anwalt, der seither gegen die drohende Ausweisung kämpft.

Arbeitgeber schlägt Alarm wegen Fachkräftemangel

Durch das Programm „Chance plus“ des Caritas-Verbandes, das gezielt Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integriert, fand sie eine Stelle als Pflegerin in einem Seniorenheim und bekam anfangs sogar eine Arbeitserlaubnis. „Das war wohl ein Fehler“, berichtet Maric. Die Behörden entdeckten diesen nun und kassierten die Erlaubnis wieder ein, während ihr Abschiebeverfahren weiterläuft. Im Laufe des Monats März wird eine finale Stellungnahme des BAMF erwartet.

Nun wartet Maric, ohne Beschäftigung. Ihr ehemaliger Arbeitgeber ist verärgert. In einem detaillierten Schreiben an das Ausländeramt setzte sich der Caritas-Verband für Maric ein, betonte ihre „hervorragende Arbeitsleistung und Motivation“, ihre berufliche Zukunft und ihre nachweisbare Integration. Der Verband macht auf sein enormes Interesse an der Mitarbeiterin aufmerksam: „Im deutschen Pflegesektor herrscht ein massiver Fachkräftemangel, der sich in offenen Stellen, geringer Bewerberzahl und hohem Arbeitsdruck niederschlägt“, hebt der Verband hervor.

Ausländeramt Köln: „Wir müssen das Gesetz anwenden“

Das Ausländeramt erklärt jedoch, keine andere Wahl zu haben. Ein Sprecher der Stadt Köln stellt klar: „Das Aufenthaltsgesetz legt fest, dass einer geduldeten Person aus einem sicheren Herkunftsstaat – wie in dem Fall Bosnien und Herzegowina – die Ausübung einer Erwerbstätigkeit nicht erlaubt werden darf“. Der Sprecher fügte hinzu: „Die Ausländerbehörde hat hier kein Ermessen, sie ist vielmehr zur Anwendung des Gesetzes verpflichtet.“

Tim Westerholt, der bei der Caritas Köln den Bereich Integration leitet, sieht eine Lösung auf politischer Ebene als unumgänglich an, um den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu begegnen. „Wir wünschen uns dringend vom Gesetzgeber eine Öffnung des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes im Pflegebereich für Menschen aus sicheren Herkunftsländern“, erklärt er. Die geltenden Vorschriften würden ganze Gruppen von Menschen mit den nötigen Qualifikationen und dem festen Willen, als Fachkraft zu arbeiten, vom Arbeitsmarkt fernhalten oder den Zugang zumindest stark erschweren. Dieses Problem betreffe zahlreiche Personen.

Auch Willkommensinitiativen kritisieren die Arbeitsverbote und Abschiebungen von hervorragend integrierten Personen. „Ich verstehe ja, dass man geflüchtete Menschen abschiebt, die hier kriminell werden“, meint Gert Meyer-Jüres von der Lindenthaler Willkommensinitiative Willi. „aber einer bestens integrierten Pflegefachkraft, die dringend gebraucht wird, die Arbeitserlaubnis zu entziehen, sodass sie dann dem Staat auf der Tasche liegt, ist doch aus Steuerzahlersicht absolut unvernünftig“. Meyer-Jüres kämpft weiter für Marics Arbeitserlaubnis und ihr Bleiberecht. „Je nachdem wie das BAMF entscheidet, wende ich mich an die Härtefallkommission“, kündigt er an. Solche Fälle seien eine unzumutbare Härte für die Migranten, aber auch für deren Arbeitgeber. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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