Drogenhölle Neumarkt Erste Google-Karte zeigt, was in Kölns City wirklich abgeht

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Ein Junkie beim Konsum am 1. August: Der Screenshot zeigt die Karte vom Neumarkt mit eingezeichneten Vorfällen im Zusammenhang mit Junkies oder Dealern.

Köln – Jetzt ist sie online. Kölns erste interaktive Karte vom Neumarkt-Areal, die offenen Drogenhandel und -konsum, Belästigungen, Beleidigungen und Dreckecken dokumentiert.

Entwickelt hat sie die „Bürgerinitiative Zukunft Neumarkt“, die gegen Verwahrlosung und Kriminalität im Herzen Kölns kämpft. EXPRESS berichtete über ihren Hilferuf an die Kölner Politik, zuvor hatte auch Lukas Podolski schlimme Zustände in der City beklagt.

Das Besondere: Jeder Augenzeuge, also Passant, Anwohner oder Pendler, kann die Karte über die Homepage der Bürgerinitiative ab sofort unter dem Stichwort „Ereignisse mit der Drogenszene“ digital mitgestalten.

Was ist wann wo passiert? Gibt es Fotos? Diese können angehängt werden. Wichtig: Alle Einsendungen erfolgen komplett anonym. Es sind keine Rückschlüsse auf den Absender möglich. Vor Veröffentlichung der Einsendungen werden diese von Mitgliedern der Bürgerinitiative gesichtet und alle gezeigten Personen unkenntlich gemacht.

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Drogenhölle Neumarkt: Neue Karte macht Szene sichtbar

BI-Sprecher Guido Köhler zum EXPRESS: „In unserer zweimonatigen Testphase haben sich bereits über 160 Ereignisse angesammelt. Wir würden uns wünschen, wenn so viele Kölnerinnen und Kölner wie nur möglich mitmachen, um die Realität am Neumarkt und in den angrenzenden Wohnvierteln zu dokumentieren. Die Zeit des Schönredens muss endlich vorbei sein. Nun ist Anpacken durch die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung gefragt.“

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Guido Köhler und Walter Schuch von der BI Zukunft Neumarkt entwickelten die Google-Karte.

EXPRESS schaute sich die Karte schon mal an: Zunächst fallen haufenweise Fähnchen („Zielpunkte“) auf, besonders am Neumarkt und auf der Cäcilienstraße, aber auch entlang des Mauritiussteinwegs. Zoomt man mehr in die Karte hinein und klickt man auf ein Fähnchen, öffnet sich ein „Ereignis“, das wiederum in die Sparten „Drogenkonsum“, „Verschmutzungen“, „Angriffe, Bedrohungen, Belästigungen“ oder „Auffälligkeiten“ eingeordnet ist.

Die Schilderungen und Bilder sind eindrucksvoll, teilweise erschreckend. Hier einige Auszüge:
„Tätlicher Angriff auf den Sicherheitsmann mit seinem Wachhund durch Junkies. Es ist ein privater Securitydienst, den die Ärzte und Geschäftsleute am Josef-Haubrich-Hof zahlen, um ihre Patienten, Kunden und Mitarbeiter tagsüber vor der Drogenszene zu schützen. Nachts ist der Wachmann nicht da, da ist der Josef-Haubrich-Hof dann ganz sich selbst und der Drogenszene überlassen.“

Drogenhölle Neumarkt: Jogger von zwei Männern verfolgt

„Ich gehe abends nach der Arbeit immer wieder mal joggen. Hier am südlichen Neumarkt gibt es nachts immer wieder unheimliche Gestalten. Sie sitzen in den Ecken, konsumieren Drogen. Heute Abend verfolgten mich beim Joggen zwei Männer, sie erhöhten immer mehr das Tempo. Ich nahm dann auch meine Beine in die Hand und konnte dem Ganzen entkommen. Man fühlt sich einfach nicht mehr sicher in seinem eigenen Viertel.“

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Drogenmüll im Josef-Haubrich-Hof: Der Screenshot zeigt die Karte vom Neumarkt mit eingezeichneten Vorfällen im Zusammenhang mit Junkies oder Dealern.

„Vorletzte Woche torkelte ein sehr ungepflegter Mann den Mauritiussteinweg ziellos mehrmals entlang, grölte Passanten an, die versuchten, auszuweichen und gab sich dabei selbst immer wieder mit lautem Klatschen Ohrfeigen.“

Nachdem EXPRESS über die Zustände auch rund um den Drogenkonsumbus an der Jabachstraße berichtet hatte, rief Kölns Sozialdezernent Dr. Harald Rau einen Krisengipfel mit den Spitzen aus Polizei, Ordnungsamt, Eigentümern und Drogenhilfe ein. Um den Druck auf die Politik weiter zu erhöhen, verteilt die Bürgerinitiative in der City Flyer mit dem Aufruf „Machen Sie mit“ und einem QR-Code der Karte, um weitere Vorfälle schnell publik zu machen.

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