„Das Gute an Corona ist...“ Kölner, die das sagen, haben etwas nicht begriffen

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Bestatter Christoph Kuckelkorn (r.), und ein Mitarbeiter fahren im Dezember 2020 einen Sarg mit einem Verstorbenen, der an oder mit dem Coronavirus gestorben ist, in einen Kühlraum. 

Köln – Ob Promis in Talkshows oder die Nachbarin auf dem Wochenmarkt: Immer wieder versuchen Leute auch in Köln, der Corona-Krise etwas Gutes abzugewinnen. Doch diese Leute haben manches nicht begriffen, meint unser Autor. Ein Kommentar.

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir am Jahresende zurückblicken. Auf das, was war. Und diesmal war eigentlich nur eines: Corona. 

Seit nunmehr einem Dreivierteljahr bestimmt das Virus unseren Alltag. Bei so einer langen Zeit ist es auch naheliegend, dass in der Krise das Positive gesucht wird.

Coronavirus in Köln: Die Auswirkungen der Pandemie

Wahrscheinlich haben Sie es in letzter Zeit auch im Freundes- und Bekanntenkreis gehört: „Wir haben viel mehr Zeit miteinander“ – „Endlich mal raus aus dem Hamsterrad“ – „Ich war so lange nicht mehr am Stück zu Hause...“

Aber jedem, der das „Gute an Corona“ gefunden haben will, geht es in Wahrheit noch richtig gut, blickt und denkt zu kurz – und kennt nicht das Leid der anderen. 

Corona in Köln: 13 Tote an Weihnachten

Allein an Weihnachten sind 13 Kölnerinnen und Kölner infolge des Virus verstorben. Gewiss, es trifft meistens alte Mitbürger. Aber deren Verwandte, die jetzt eine Beerdigung organisieren, hätten sicherlich gerne das ein oder andere Silvester mit Mutter, Vater, Oma oder Opa noch verbracht.

Wer das „Gute an Corona“ hervorhebt, kann keine Existenznöte haben. Wie viele Kölner Gastronomen etwa wissen nicht, ob sie nach der Krise noch mal öffnen können, oder diese für sie der Weg in Hartz IV bedeutet? Erklären Sie denen mal das „Gute an Corona“...

Ganze Wirtschaftszweige liegen am Boden. Die Folgen der Pandemie wird jeder Steuerzahler noch deutlich zu spüren bekommen, angesichts der Milliardenhilfen des Staates.

Positiv zu denken, den Blick nach vorne zu richten, ist in Krisenzeiten richtig und vonnöten. Aber wer zum jetzigen Zeitpunkt laut über die Chancen für unser Miteinander durch die Krise philosophiert, ist kein Betroffener. Und wer allen Ernstes sagt, er habe nun endlich wieder mehr Zeit für sich und andere durch den Lockdown, hatte zuvor nur ein Luxusproblemchen. 

Alles ist eine Frage der Priorität: Man kann sich Zeit nehmen. Das hat an Weihnachten auch immer geklappt – schon vor Corona.

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