Abo

„Ich will doch nur hierbleiben“Bescheid trifft Kölner Familie mit voller Wucht

Ana und ihre Familie sitzen vor einem Mehrfamilienhaus und halten selbstgemalte Plakate in den Händen, unter anderem ein Herz in den Deutschland-Farben.

Copyright: Stephanie Broch

Ana (2. von rechts, daneben ihre Freundin Olivia) und ihre Familie möchten in Köln bleiben.

Aktualisiert:

Eine Familie aus Klettenberg hat in Köln ein neues Leben begonnen. Doch jetzt der Schock: Sie sollen abgeschoben werden. Ihre größte Angst: die Rückkehr in den Irak.

Ana ist ein lebenslustiges Mädchen. Die Zehnjährige besucht die vierte Klasse der Rosenzweigschule in Zollstock, kickt begeistert im Fußballverein und liebt Stracciatellaeis. Sie lacht viel und verbringt jede freie Minute mit ihren Freundinnen. Ein unbeschwertes Kinderleben in Köln, auf den ersten Blick.

Aber diese Normalität ist für Ana ein kostbares Gut, das zu zerbrechen droht. Denn die Familie stammt aus dem Irak. Und genau dorthin sollen sie zurück, wenn es nach dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geht. Mit zitternder Stimme sagt Ana: „Ich möchte hierbleiben. Hier habe ich meine Freunde und kann zur Schule gehen. Ich möchte Ingenieurin oder Flugbegleiterin werden. Wenn ich in den Irak zurück muss, wird nichts aus meinen Träumen.“

Köln: schockierende Anweisung für Familie

Diese Gefahr ist jetzt ganz real. Mitten im März traf der Bescheid des BAMF die Familie Hakrsch mit voller Wucht. Ihr Asylgesuch: abgelehnt. Die schockierende Anweisung: Die Eltern müssen mit ihren vier Kindern die Bundesrepublik binnen 30 Tagen verlassen. Laut Behörde gibt es keine Grundlage für Asyl, keinen Flüchtlingsstatus und auch kein Verbot der Abschiebung.

Für Anas Eltern, Hadi und Adeebah Hakrsch, ist eine Rückkehr in ihr Herkunftsland eine Horrorvorstellung. Sie haben panische Angst vor Gewalt und Unterdrückung. Die Hakrschs sind Jesiden, eine religiöse Minderheit aus der Shingal-Region im nördlichen Irak. In diesem Gebiet beging die Terrororganisation „Islamischer Staat“ im Jahr 2014 grausame Gräueltaten an den Menschen – ein Genozid, der von den UN und dem EU-Parlament offiziell bestätigt wurde.

Bei den damaligen Attacken verloren sie sogar Familienmitglieder. Die Hakrschs ergriffen nach dem Überfall die Flucht in den kurdischen Teil des Iraks. Dort mussten sie neun Jahre unter prekären Umständen in einem Lager ausharren. Im Jahr 2023 gelang ihnen die Weiterreise über die Türkei und Griechenland in die Bundesrepublik. Nach Aufenthalten in Mönchengladbach und Düsseldorf kamen sie im März 2024 nach Köln.

Ihre neue Bleibe fand die sechsköpfige Familie in Klettenberg, in einem städtischen Wohnhaus. Die Kinder haben sich in Schulen und einer Kita in den Stadtteilen Zollstock und Sülz eingelebt. Familienvater Hadi paukt jeden Tag Deutsch und hofft auf eine Lehre im Handwerk. In seiner Heimat war er als Maler und auch als Fahrer tätig. Mutter Adeebah versorgt den Haushalt und die Kinder.

Große Unterstützung für die Familie

Die Flüchtlingsorganisation ProAsyl findet für die BAMF-Entscheidung deutliche Worte. Geschäftsführer Karl Kopp warnt, die Situation für Jesiden im Irak habe sich zuletzt zugespitzt. Ihre Heimatregion Sindschar sei zerstört und umkämpft von verfeindeten Milizen. Kopp zufolge kann der irakische Staat den Schutz der Menschen nicht gewährleisten. Er unterstreicht, dass man niemanden dorthin zurückschicken dürfe, wo Verwandte und Angehörige eines gewaltsamen Todes starben.

Die Anteilnahme im Kölner Umfeld der Familie ist riesig. Eine Mutter aus dem Bekanntenkreis von Ana rief sogar eine Online-Petition ins Leben, die den Verbleib der Hakrschs sichern soll. Ihre große Sorge: „Ana würde alles verlieren, was sie sich hier aufgebaut hat: ihre Schule, ihre Freundinnen und Freunde und die Chance auf eine sichere Zukunft“, erklärt sie.

Mittlerweile hat die Familie mit anwaltlicher Unterstützung Klage gegen die BAMF-Verfügung beim Kölner Verwaltungsgericht eingelegt. Es wird erwartet, dass dieser Prozess einige Monate in Anspruch nimmt. Falls das Gericht die negative Asylentscheidung bestätigt, steht der Familie der Weg in die nächste Instanz offen. Solange dürfen Ana und ihre Angehörigen in der Domstadt verweilen – doch die quälende Unsicherheit über ihre Zukunft bleibt. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Bandfoto der Ärzte.

Nach vier Jahren Pause

Kult-Band kündigt zwei Kölner Shows an