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An Kölner SeverinsbrückeMehrheit für umstrittenes Hochhaus

Der rote Kreis zeigt den Standort des geplanten Hochhauses an.

Copyright: Arton Krasniqi

Der rote Kreis zeigt den Standort des geplanten Hochhauses an. 

Zoff in der Kölner Politik: Das Bauvorhaben wird von der Bezirksvertretung Innenstadt abgelehnt. Trotzdem gibt der Stadtentwicklungsausschuss wohl grünes Licht.

Es sieht alles danach aus, als würde der Stadtentwicklungsausschuss (Stea) des Rates am heutigen Donnerstag mit einer Mehrheit die Weichen stellen. Die Pläne für ein Büro-Hochhaus unmittelbar an der Severinsbrücke auf der Deutzer Rheinseite sollen vorangetrieben werden. Eine vorherige Umfrage unserer Redaktion unter den 15 Ausschussmitgliedern deutet darauf hin.

Die Zustimmung für den Start des Bebauungsplanverfahrens kommt demnach von CDU (3 Stimmen), SPD (3), sowie Volt, FDP/Kölner Stadtgesellschaft (KSG) und AfD (jeweils 1). Diese Parteien machen den Weg für das Bauprojekt frei.

Online-Petition sammelte inzwischen circa 4200 Unterschriften

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet, plant das Bündnis ohne die AfD, kurzfristig einen Änderungsantrag vorzulegen. Dieser sieht einige Anpassungen vor: Der Wegfall der Grünanlage soll kompensiert werden. Zudem ist eine Aufwertung des Areals in Richtung Rhein geplant, um einen Nutzen für die Allgemeinheit zu schaffen. Die Grünen (4) und die Linken (2) sind strikt gegen das gesamte Projekt.

Blick über den Rhein auf den geplanten Standort des Hochhauses (links neben der Brückenpylone am Rheinufer).

Copyright: Matthias Hendorf

Blick über den Rhein auf den geplanten Standort des Hochhauses (links neben der Brückenpylone am Rheinufer).

Der Stea setzt sich damit über das Votum der Bezirksvertretung Innenstadt (BV) hinweg. Die lokale Vertretung hatte die Entscheidung im Mai aufgeschoben. Mit einer Mehrheit wurde ein Änderungsantrag verabschiedet, der unter anderem den Bau von Wohnungen an dieser Stelle favorisiert.

Die Stadtverwaltung argumentiert, dass wegen der verkehrsreichen Lage an der Brücke neue Wohnungen „nicht durchführbar verworfen“ wurden. Im Jahr 2016 sah dieselbe Verwaltung an diesem Ort noch Kapazitäten für 160 Wohnungen. Eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Grüner Park Deutz“ stellt sich gegen die Pläne. Eine Online-Petition sammelte inzwischen circa 4200 Unterschriften.

Was genau ist geplant?

Hinter dem Vorhaben steht das Unternehmen Dumrese Real Estate. Es soll ein Komplex entstehen, der auch ein Hotel beherbergt. Laut Geschäftsführer Henning Dumrese könnten dort zwischen 750 und 1000 Jobs entstehen. Aktuell besteht das Areal aus einer Grünanlage mit Baumbestand, einem Parkplatz und zwei Gebäuden.

So stimmte die Bezirksvertretung ab

Im Mai sprachen sich 15 von 19 Mitgliedern dafür aus, die Pläne für das Büro-Hochhaus zu stoppen und stattdessen den Bau von Wohnungen zu untersuchen. Die Stimmen kamen von den Grünen (7), Linken und SPD (je 3), sowie Volt und einem CDU-Mitglied. Die übrigen zwei CDU-Abgeordneten und die AfD votierten dagegen, während sich die FDP/KSG enthielt. Das bedeutet: Bei SPD, CDU und Volt gibt es eine klare Abweichung im Abstimmungsverhalten im Vergleich zu ihren Kollegen im Stea.

Gibt es überhaupt Bedarf an Büros?

Projektgegner führen an, dass im nahegelegenen Deutzer Hafen bereits tausende neue Büro-Arbeitsplätze geplant sind. Der Immobiliendienstleister BNP Paribas Real Estate meldet, dass die Leerstandsrate bei Büroflächen kürzlich von 4,25 auf 5,5 Prozent geklettert ist. Allerdings seien erstklassige Flächen weiterhin rar. Dumrese sagte: „Zu möglichen Mietern äußern wir uns in dieser frühen Phase daher nicht.“

Auf diesem Gelände an der Severinsbrücke soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen.

Copyright: Uwe Weiser

Auf diesem Gelände an der Severinsbrücke soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen.

Das sagen die Anwohner

Anwohnerin Silke Thonemann bringt es gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf den Punkt: „Wir haben in Deutz genug Büros und Hotels. Spätestens der vergangene Sommer hat uns gezeigt, was fehlt: Bäume und lebendiges Grün.“

Welche Höhe erreicht der Neubau?

Die Verwaltung spricht in der politischen Vorlage von 40 bis 45 Metern. Das neue Höhenkonzept lässt prinzipiell aber auch mehr zu. Die Stadt merkt dazu an: „Im Kontext des Vorhabens wird die Weiterentwicklung der Höhe grundsätzlich als möglich erachtet bis hin zu einer kulturerbeverträglichen Höhe von 63 Metern im Rahmen der folgenden Qualifizierung.“ Mit dem Kulturerbe ist der Kölner Dom gemeint, dessen Sichtbarkeit geschützt werden muss. Über die genaue Gestaltung des Gebäudes wird in einem Architekturwettbewerb entschieden.

Wem gehört das Grundstück?

Der größte Teil gehört der Stadt Köln. Dies betrifft die unbebauten Areale und einen Teil des Gebäudes mit der Hausnummer 40. Der restliche Teil sowie das Haus Nummer 42 sind in Privatbesitz. Diese Informationen stammen aus dem Grundbuch. Dumrese nennt es „üblich“, dass die Grundstücke in diesem Stadium noch nicht ihm und seinem Unternehmen gehören. Er erklärte: „Die privaten Grundstücke wurden notariell gesichert und stehen also in unserer Verfügung.“ Über die Kaufsummen schwieg er sich aus.

Verkauf oder Erbpacht – was plant die Stadt?

Ein Verkauf ist geplant. Die Stadt beruft sich auf eine Entscheidung des Liegenschaftsausschusses vom 22. Mai 2023. Damals wurde Dumrese das Areal durch eine sogenannte Anhandgabe bis zum 1. Juni 2027 zugesichert. Laut Stadt soll so „das Projekt geplant, das Grundstück nach Planrechtschaffung verkauft und anschließend bebaut werden kann“. Anhandgabe bedeutet, dass Dumrese während dieses Zeitraums einen exklusiven Zugriff auf das Grundstück besitzt.

Auf die Nachfrage, ob ein Kauf der Flächen Bedingung für die Umsetzung des Projekts sei, antwortete Dumrese: „Über die Grundstücksfragen entscheiden die zuständigen Gremien zu gegebener Zeit.“

Waren früher Wohnungen vorgesehen?

Ja, das war der Fall. Das Stadtentwicklungskonzept Wohnen aus dem Jahr 2015 wies das Areal mit 160 Wohneinheiten aus. In dem internen Papier steht zur Umsetzung: „langfristig (ab/nach 2020)“. Außerdem wird vermerkt: „Bebauung hat negative Auswirkungen auf Stadtklima.“

Das sagen die Politiker aus dem Ausschuss

Der Vorsitzende des Ausschusses, Niklas Kienitz (CDU), erklärte: „Für uns ist wichtig, die Entwicklung des Standorts im städtebaulichen Gesamtzusammenhang zu betrachten und zugleich die Hinweise aus der Bevölkerung ernst zu nehmen.“ Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der SPD, Pascal Pütz, bezeichnet den Bebauungsplan als „für den richtigen Weg“.

Für die AfD äußerte Wiebke Herrmann, dass in der Nähe zum Rhein „ein gut nutzbarer öffentlicher Freiraum entsteht“. Sergen Belen, der Sprecher für Stadtentwicklung bei Volt, kündigte an: „Das finale Konzept werden wir vor Entscheidung einer Bebauung erneut intensiv auf seinen Mehrwert für alle Beteiligten hin überprüfen.“

Ralph Sterck, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der FDP/KSG, sagte: „Wir können froh sein, wenn Bauherren heute noch ihr Geld in Köln investieren und Arbeitsplätze schaffen.“

Die Grünen halten die Pläne an diesem Ort für „nicht sinnvoll“. Günter Bell, Fraktionsgeschäftsführer der Linken, betonte: „Einer gewerblichen Nutzung werden wir in der Innenstadt keine Grünfläche opfern.“ (red)