„Hätte furchtbar schiefgehen können“  Alice Schwarzer bei Köln-Premiere über ihre Ängste und ihren Kampf

Eine fulminante Biografie über eine streitbare Persönlichkeit: In der ARD läuft vor dem 80. Geburtstag von Alice Schwarzer ein Zweiteiler über ihren Kampf für Frauenrechte. Im Odeon feierte der Film Köln-Premiere. Es ist ein Dokument der Zeitgeschichte.

Premierenfieber in der Südstadt: Eine Woche vor dem 80. Geburtstag der „Emma“-Gründerin Alice Schwarzer (79) am 3. Dezember 2022 gab es im Odeon Theater die mit Spannung erwartete Biografie über das Leben der Frauenrechtsikone auf der großen Kinoleinwand zu sehen – jetzt gibt es sie begleitet von zwei Dokumentationen auch in der ARD-Mediathek, am 30. November um 20.15 Uhr auch im Ersten.

Und Köln spielt eine zentrale Rolle, schließlich ist hier Schwarzers Heimat: Viele Szenen spielen rund um den Dom, selbst Szenen, die in Paris spielen, wurden in Köln und Bonn gedreht. Es entstand ein Dokument der Zeitgeschichte, ein Bild einer Zeit der Revolution und des Aufbruchs.

Nina Gummich als Alice Schwarzer in der Rolle ihres Lebens

Die sensationelle Nina Gummich (31) verkörpert im Film von Nicole Weegmann (56) die junge Journalistin, die mit Jean-Paul Sartre diskutiert und Verlegern wie Henry Nannen und Rudolf Augstein die Stirn bietet und später die große Romy Schneider interviewt. „Den Film hier in Köln zu sehen, wo Alice lebt, wo sie einen Großteil ihres Kampfes gefochten hat und sie viele kennen, bewegt mich sehr. Der Film macht noch einmal deutlich, dass Rechte, die für Frauen wie mich selbstverständlich sind, hart erkämpft werden mussten. Der Kampf ist noch nicht zu Ende“, sagt die Schauspielerin im Gespräch mit Express.de.

Immer wieder blitzt bei der Präsentation heraus, mit welchem an Besessenheit grenzenden Einsatz vom Casting bis zur letzten Klappe Gummich diese „Rolle ihres bisherigen Lebens“ ausgefüllt hat. Dabei half ihr Schwarzer. „Wir sind einmal pro Woche essen gegangen, ich habe viele E-Mails geschrieben. Alice war ein offenes Buch für mich, die mir sehr geholfen hat“, sagt die Schauspielerin, für die es Filmpreise regnen dürfte für diese Leistung. „Alice Schwarzer ist eine wahnsinnige Inspiration für junge Frauen.“

Alice Schwarzer, immer noch Emma-Herausgeberin, ist glücklich über das Werk. „Ich hatte einen irrsinnigen Bammel, denn der Film hätte auch furchtbar schiefgehen können. Ich finde ihn großartig“, sagt die Gründerin der Frauen-Zeitschrift Emma.  „Wir haben ja viel in Köln gedreht. Ich kannte Nina vorher nicht. Dann hat sie mich während der Dreharbeiten angerufen und viel gefragt, wie ich das machen würde.“

Dass das Thema Feminismus aktuell wie nie ist, zeigen nicht nur die Proteste im Iran oder die Abtreibungsverbote in den USA. Schwarzer: „Es fängt ja bei uns in Deutschland auch an, dass Leute die Zeit zurückdrehen wollen. Das dürfen wir nicht zulassen. Emma macht heute mehr Sinn als noch vor 40 Jahren. Es gibt nur noch wenige feministische Stimmen. Die Errungenschaften sind nicht garantiert.“

Alice Schwarzer bekommt auch  Gegenwind

Es wurde viel gefeiert und viel gelacht und nur für einen Moment wurde sichtbar, dass es ja auch viele kritische Stimmen gibt. So wurde Schwarzer in den vergangenen Jahren wegen ihrer Forderung nach einem Kopftuchverbot Rassismus vorgeworfen, viel Gegenwind bekam sie auch von LGBTQ-Community.

Als die Journalistin und Autorin die Hand des Franzosen Thomas Guené ergriff (Schwarzer: „Ich habe ihn mit ausgewählt, er erinnert mich sehr an meine große Liebe Bruno“), schien ihm das für eine Sekunde unangenehm. „Ich hatte nicht verstanden, was sie gesagt hat, deshalb habe ich so geschaut“, erklärte Guené hinterher.

„Ich kannte Alice Schwarzer vorher gar nicht. Sie hat Unglaubliches geleistet. Aber man muss nicht mit allem einverstanden sein, was sie sagt“, sagt Guené, der im Film Alice am Strand kennen und in Paris lieben lernt.

Und doch bleibt Schwarzers Lebenswerk aktuell und wichtig. Und dieser Film soll Frauen Mut machen, ihre Stimme zu erheben – denn die Kölnerin hat gezeigt, wie viel man so bewegen kann. Regisseurin Weegmann: „Der Film ist ja nur ein Ausschnitt und trotzdem pickepackevoll, man hätte eine Serie machen können. Alice hat in der Entstehung der deutschen Frauenbewegung eine maßgebliche Rolle gespielt. Diese Leistung ist unbestritten.“ 

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