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Wer bezahlt beim ersten Date?Ich glaube, wir diskutieren die falsche Frage

Copyright: Louisa Noack / Montage

Das erste Date läuft gut. Es wird gelacht, geflirtet, der Abend zieht sich länger als geplant. Und dann kommt sie: die Rechnung. Plötzlich wird aus einem romantischen Abend eine fast schon politische Debatte. Warum eigentlich?

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Das erste Date läuft gut. Es wird gelacht, geflirtet, der Abend zieht sich länger als geplant. Und dann kommt sie: die Rechnung. Plötzlich wird aus einem romantischen Abend eine fast schon politische Debatte. Warum eigentlich?

Es gibt diesen Moment beim ersten Date, den wahrscheinlich jeder kennt. Der Kellner legt die Rechnung auf den Tisch, lächelt freundlich und verschwindet wieder. Und plötzlich wird es kurz still. Beide greifen fast gleichzeitig zur Geldbörse. Beide sagen diesen einen Satz: „Ach, ich kann meinen Teil auch selbst bezahlen.“ Ich finde diesen Moment jedes Mal faszinierend. Nicht wegen des Geldes, sondern wegen allem, was wir in diese Rechnung hineininterpretieren.

Darüber habe ich mit Zoe, 19, meiner Gen-Z-Expertin, gesprochen. „Bei uns ist das eigentlich ganz einfach“, sagte sie. „Meistens zahlt einfach jeder seins.“ Ich nickte und fragte sie, was sie davon hält, wenn ihr Date unbedingt bezahlen möchte. „Dann frage ich mich ehrlich gesagt eher, warum.“ Eine Antwort, die wahrscheinlich viele Menschen ihrer Generation unterschreiben würden.

Später habe ich dieselbe Frage Franco, dem italienischen Barbesitzer meines Vertrauens, gestellt. Er musste lachen. „Louisa, wenn ein Mann zum ersten Date einlädt, dann bezahlt er auch. So bin ich erzogen worden.“ Da saßen sie also. Zwei Generationen. Zwei völlig unterschiedliche Antworten. Und das Verrückte ist: Beide hatten irgendwie recht.

Ich glaube nämlich gar nicht, dass es beim Bezahlen um Geld geht. Es geht um Haltung. Um Wertschätzung. Um Erwartungen. Und manchmal leider auch um Missverständnisse. Denn wenn jemand bezahlt, heißt das noch lange nicht, dass er sich etwas erkaufen möchte. Genauso wenig bedeutet getrennt bezahlen automatisch Gleichberechtigung. Ich habe in meiner Praxis schon Paare erlebt, die sich beim ersten Date die Rechnung geteilt haben und heute glücklich verheiratet sind. Und andere, bei denen selbstverständlich bezahlt wurde und die sich trotzdem nie auf Augenhöhe begegnet sind.

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Also: Vielleicht diskutieren wir deshalb die falsche Frage. Nicht: Wer bezahlt? Sondern: Wie gehen wir miteinander um? Kann ich eine Einladung annehmen, ohne mich verpflichtet zu fühlen? Kann ich jemanden einladen, ohne Erwartungen daran zu knüpfen? Ich finde, genau das macht den Unterschied.

Zum Schluss musste ich natürlich noch einmal Franco fragen, wie er das Ganze zusammenfassen würde. Er grinste und sagte: „Weißt du, wer am Ende bezahlt? Derjenige, der unbedingt recht haben will.“

Vielleicht ist genau das die teuerste Rechnung des Abends.

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