Hier wird’s heiß: Die meisten Menschen träumen davon, irgendwann ihre Berufung zu finden. Kaum jemand findet sie zwischen Pornofilmen und staubigen Regalen in einem schmuddeligen Erotikladen. Genau dort begann vor 25 Jahren die Geschichte von Koichi Matsumoto, dem Gründer von TENGA. Heute verkauft sein Unternehmen seine Produkte weltweit. Doch angefangen hat alles mit einem kaputten Stromanschluss, sechs Monaten ohne Gehalt und einer Frage: Warum behandeln wir Sexualität eigentlich so lieblos?
Vom Automechaniker zum TabubrecherWie ein Japaner die Erotikbranche revolutionierte

Copyright: Lars Hillen für TENGA
Koichi Matsumoto ist der Gründer von TENGA. In Japan begann seine ungewöhnliche Karriere, heute verkauft er Sextoys weltweit.

Wer heute ein Produkt von TENGA in die Hand nimmt, sieht auf den ersten Blick nicht das, was viele mit klassischen Sextoys verbinden. Die Verpackungen wirken hochwertig, die Formen modern, das Design erinnert eher an ein Lifestyle-Produkt als an ein verruchtes Spielzeug aus der Schmuddelecke.
Genau das war Absicht. Dabei hatte Matsumoto ursprünglich nichts mit der Erotikbranche zu tun. In jungen Jahren arbeitete er als Automechaniker und restaurierte Oldtimer. Dort lernte er etwas, das ihn bis heute prägt: Menschen glücklich zu machen.
„Ein Auto zu reparieren ist Handwerk. Einen Oldtimer zu restaurieren ist etwas anderes“, erklärt er. Man müsse mit dem Kunden sprechen, herausfinden, welche Wünsche und Träume dahinterstecken und etwas Einzigartiges erschaffen.
Wenn die restaurierten Fahrzeuge schließlich übergeben wurden, sah er die leuchtenden Augen seiner Kunden. Dieses Gefühl, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, das Menschen Freude bereitet, ließ ihn nicht mehr los.
Sechs Monate ohne Gehalt
Dann kam der Absturz. Das Restaurierungsunternehmen geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Sechs Monate lang bekam Matsumoto kein Gehalt. Die Miete konnte nicht mehr bezahlt werden. Der Strom wurde abgeschaltet. Für Essen standen ihm nach eigenen Angaben nur noch rund 3.000 Yen im Monat zur Verfügung.
Eine Erfahrung, die ihn nachhaltig veränderte. „In dieser Zeit habe ich verstanden, was für Menschen wirklich wichtig ist“, sagt er rückblickend. Essen. Sicherheit. Menschlichkeit. Mitgefühl.
Er schwor sich damals, nie wieder in eine solche Situation zu geraten. Später arbeitete er erfolgreich im Autoverkauf. Finanziell ging es wieder bergauf. Doch glücklich war er nicht. „Ich wollte wieder etwas erschaffen“, erinnert er sich. Also begann er zu suchen.
Der Moment, der alles veränderte
Monatelang besuchte Matsumoto Geschäfte aller Art. Elektronikmärkte, Baumärkte, Fachhändler. Er beobachtete, wie Produkte präsentiert wurden, wie Marken Vertrauen aufbauten und wie Kunden beraten wurden.
Dann betrat er eines Tages einen Erotikfilmladen. Was er dort sah, schockierte ihn. Dort lagen Sexspielzeuge versteckt auf einem Regal in der hintersten Ecke zwischen den Pornofilmen. Auf den Verpackungen fehlten Marken, Herkunftsangaben und Informationen. Stattdessen dominierten grelle Bilder und eine Atmosphäre, die Sexualität als etwas Schmutziges erscheinen ließ.
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Für Matsumoto war das ein Widerspruch. „Sexualität gehört zu den grundlegendsten menschlichen Bedürfnissen“, sagt er. Warum also wurden Produkte dafür behandelt, als müsste man sich für sie schämen?
In diesem Moment entstand die Idee für TENGA. Nicht als weiteres Erotikprodukt. Sondern als Gegenentwurf.
Sexualität darf etwas Positives sein
Matsumoto wollte keine Nachbildung von Körperteilen verkaufen. Er wollte keine Produkte entwickeln, die Frauen auf ihre Anatomie reduzieren oder männliche Fantasien bedienen.
Sein Ziel war etwas anderes: Sexualität positiv besetzen. Selbstbefriedigung sollte kein Tabu sein. Kein schmutziges Geheimnis. Sondern etwas Natürliches, das zum Leben gehört.
Seine Produkte begeistern die Kunden. Für Männer gibt es gerade das Beginner Bundle zum exklusiven Vorteilspreis:
Diese Haltung von Natürlichkeit prägt TENGA bis heute. „Ich wollte nie die Nummer eins im Sexspielzeugmarkt werden“, sagt Matsumoto. „Ich wollte eine neue Kategorie schaffen.“ Eine Kategorie, in der Design, Funktionalität und Lebensqualität zusammenkommen.
Warum TENGA anders aussieht
Die markante Optik der Produkte ist deshalb kein Marketing-Trick, sondern Ausdruck einer Philosophie. Matsumoto glaubt, dass Menschen Dinge gerne besitzen, wenn sie schön gestaltet sind. Deshalb sollten die Produkte nicht versteckt werden müssen.

Copyright: Lars Hillen für TENGA
Keine Frage: Die Produkte bestechen vor allem durch ein besonders ästhetisches. Hier zu sehen sind Sextoys für Frauen.
Besonders deutlich wurde dieser Ansatz später bei der Entwicklung der Frauenmarke iroha. Während viele Sextoys für Frauen jahrzehntelang von Männern entworfen wurden, setzte TENGA auf ein ausschließlich weibliches Entwicklungsteam.
Das Ergebnis waren Produkte, die sanfter, ästhetischer und deutlich näher an den Bedürfnissen von Frauen waren. „Diese Ideen hätte ich als Mann niemals entwickeln können“, gibt Matsumoto offen zu.
Kleiner Tipp: Gerade im Sale ist übrigens IROHA MIKAZUKI - ein Sextoy für Frauen.
Die nächste Vision
Heute denkt Matsumoto längst über Sexspielzeuge hinaus. Seine Unternehmen beschäftigen sich inzwischen auch mit sexueller Gesundheit, Fruchtbarkeit und Intimpflege. Ziel ist es, Menschen ganzheitlich zu begleiten und Hemmschwellen abzubauen.
Seine Vision reicht sogar bis zu spezialisierten Beratungsstellen und Kliniken, in denen Menschen offen über sexuelle Probleme sprechen können. Denn für Matsumoto geht es längst nicht mehr um Produkte. Es geht um Lebensqualität.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft seiner Geschichte. Ein Mann verliert seinen Job, sitzt ohne Strom in seiner Wohnung und fragt sich, was Menschen wirklich brauchen. 25 Jahre später hat er daraus ein weltweit erfolgreiches Unternehmen aufgebaut.
Nicht, weil er ein Sexspielzeug verkaufen wollte. Sondern weil er überzeugt war, dass etwas so Menschliches wie Sexualität besser behandelt werden sollte.

