Erektionsprobleme, vorzeitiger Samenerguss oder Sex, der sich nur noch wie ein Pflichtprogramm anfühlt: Sexualexperte Gavin Sexton erklärt, warum dahinter oft kein körperliches Problem steckt und weshalb gerade Frauen dabei eine wichtige Rolle spielen können.
Sex scheitert oft im KopfWarum Männer sich selbst am meisten unter Druck setzen

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Sexualexperte Gavin Sexton spricht mit Louisa Noack darüber, warum Leistungsdruck im Bett oft das eigentliche Problem ist und weshalb offenes Reden der wichtigste Schritt zur Veränderung sein kann.

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Viele Männer schweigen. Aus Scham. Aus Angst. Oder weil sie glauben, sie müssten im Bett einfach funktionieren. Doch genau dieser Gedanke ist nach Ansicht von Sexualexperte Gavin Sexton häufig das eigentliche Problem.
Im Podcast von Paar- und Sexualtherapeutin Louisa Noack spricht der Gründer von „Lovebetter” offen über Erektionsprobleme, vorzeitigen Samenerguss und Leistungsdruck. Seine wichtigste Botschaft: „Bei fast allen Männern, die zu uns kommen, ist das Kopfproblem das Dominantere.“
Nicht der Körper macht Probleme, sondern der Druck
Die meisten Männer, die Sexton begleitet, sind zwischen 25 und 45 Jahre alt. Sie kommen mit drei Themen: Erektionsproblemen, vorzeitigem Samenerguss oder Orgasmushemmungen.
„Unsicherheit, Anspannung, Druck, Leistungsdenken ist das größte Gift für eine erfüllte Sexualität“, sagt er. Viele Männer hätten gelernt, ihren Selbstwert an ihrer sexuellen Leistung festzumachen. Genau dieser Druck führe dazu, dass der Körper irgendwann nicht mehr so reagiere, wie sie es erwarten.
Dabei sei das Thema viel verbreiteter, als viele glauben. „Es betrifft fast alle Männer im Laufe ihres Lebens, früher oder später“, erklärt Sexton. Nur rede kaum jemand darüber.
Pornos erzeugen Erwartungen, die niemand erfüllen kann
Einen großen Einfluss sieht der Experte auch in Pornografie und medialen Bildern von Sexualität. Schon Jugendliche würden dadurch Vorstellungen entwickeln, wie Sex angeblich funktionieren müsse.
„Wir sehen ja in einem Pornofilm nicht, dass der Mann erst mal 15 Minuten braucht, bis die Erektion da ist“, sagt Sexton. Stattdessen entstehe das Bild, Männer müssten jederzeit bereit sein, Frauen ständig Orgasmen erleben und jede Begegnung müsse perfekt ablaufen. Weiche die Realität davon ab, entstehe schnell das Gefühl: Mit mir stimmt etwas nicht.
Frauen reagieren oft verständnisvoller als Männer denken
Besonders überrascht habe ihn im Laufe seiner Arbeit, wie groß die Angst vieler Männer vor der Reaktion ihrer Partnerin sei.
Die Realität sehe häufig ganz anders aus. „Meine Beobachtung ist, dass Partnerinnen und Partner wirklich meistens super verständnisvoll sind und gut zureden“, sagt Sexton. Nur in seltenen Fällen würden Betroffene tatsächlich abgewertet oder unter Druck gesetzt.
Mehr Gespräche rund um Liebe, Beziehungen und Sexualität gibt es im Podcast „Let’s Talk About Sex” mit Louisa Noack auf LTAS.tv. Wer selbst Unterstützung sucht, findet in Louisa Noacks Praxis „Können wir reden?“ professionelle Begleitung bei Beziehungs- und Sexualthemen.
Guter Sex beginnt mit Sicherheit
Was Männer im Bett wirklich brauchen? Keine besondere Technik, keine perfekte Stellung und auch keinen Dauerrekord, sagt Sexton.
„Das schönste Element für eine erfüllte Sexualität für Mann wie für Frau ist eine psychologische Sicherheit.“
Wer sich sicher fühle, könne loslassen, genießen und offen kommunizieren. Genau darin sieht er den Schlüssel für erfüllten Sex.
Die drei wichtigsten Tipps des Experten
Zum Schluss gibt Gavin Sexton allen Männern drei einfache Impulse mit: Nach dem Sex ehrlich reflektieren: Wie habe ich mich eigentlich gefühlt? Offen über Wünsche, Ängste und Unsicherheiten sprechen. Sich nicht über sexuelle Leistung definieren. Denn manchmal sei ein sexuelles Problem sogar der Beginn einer positiven Entwicklung. „Häufig ist es erst das sexuelle Problem, das Männer auf diesen Pfad bringt“, sagt Sexton. Wer sich dann mit sich selbst beschäftige, entwickle oft ein deutlich stabileres Selbstwertgefühl und gehe freier durchs Leben.

