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Romeo & Julia? „Ich fühl’s nicht!“Schauspielerin Leonie Houber über Dating, Ghosting und kaputte Liebe

Romeo und Julia in der berühmten Balkonszene bei einer Theateraufführung im Bauturm.

Copyright: Laura Thomas

Die wahrscheinlich größte Liebesgeschichte aller Zeiten: Romeo und Julia. Neu interpretiert und als spektakuläres Stück auf die Bühne des Theater im Bauturm gebracht.

Aktualisiert:

Hier wird’s heiß: Die größte Liebesgeschichte aller Zeiten – und plötzlich fühlt sie sich für viele nicht mehr echt an. Schauspielerin Leonie Houber stellt genau diese Frage – und liefert Antworten, die ziemlich nah an unserer Realität sind.

Romeo und Julia! Zwei Namen, die seit Jahrhunderten für die größte aller Liebesgeschichten stehen. Zwei Menschen, die sich begegnen, sich sofort erkennen und alles füreinander riskieren. Doch wenn man heute ehrlich ist, schleicht sich ein Zweifel ein: Fühlt sich das für uns überhaupt noch real an? Genau mit diesem Gefühl spielt die Inszenierung „Romeo und Julia – ich fühl’s nicht“ im Theater im Bauturm und Schauspielerin Leonie Houber bringt dabei etwas auf den Punkt, das viele kennen, aber selten so klar aussprechen.

Zwischen Freiheit und Überforderung

„Früher war das mit der Liebe und dem Verliebtsein auf jeden Fall anders“, sagt Houber und beschreibt damit eine Entwicklung, die viele spüren. Während Beziehungen lange in festen Bahnen verliefen, öffnen sich heute immer mehr Möglichkeiten. „Diese strengen Rahmen fallen langsam so ein bisschen weg – zum Glück. Dass man sich in viel mehr Richtungen orientieren kann, dass man Beziehungsmodelle anders denken kann.“ Doch genau darin liegt auch die Kehrseite. Denn wo früher klare Wege waren, entsteht heute oft Unsicherheit.

„Das ist, wie wenn du vor einem Regal mit Reissorten stehst und auf einmal nicht mehr weißt, welchen du nehmen sollst.“ Für Houber selbst fühlt sich das einerseits nach Freiheit an. Aber sie erlebt auch etwas anderes: „Ich bekomme schon mit, auch von Freundinnen, die mit der Auswahl überfordert sind. Die einfach niemanden finden, obwohl man ja denkt, man hat noch nie so viele Möglichkeiten gehabt.“

Und genau das führt oft dazu, dass Türen offen bleiben und sich nichts entscheidet. „Man hält sich Optionen offen. Immer so ein Hintertürchen. Es könnte ja noch was Besseres kommen.“

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Ghosting trifft tiefer als ein Korb

Wenn es dann doch nicht passt, fehlt oft die Klarheit. Für Houber ist dabei eines ganz eindeutig: „Ich finde Ghosting schlimmer. Ghosting ist so unehrlich. Man wird so alleine gelassen.“ Ein Korb dagegen sei zwar schmerzhaft, aber ehrlicher und vor allem schneller vorbei. „Ein Korb tut weh, aber ich glaube, nicht so lange wie Ghosting.“ Sie spricht dabei auch über ihre eigene Entwicklung. Früher habe sie Dinge eher ausgesessen, Konflikten ausgewichen, Menschen nicht klar gesagt, was sie fühlt. „Ich habe auch den Personen lange Hoffnungen gemacht, weil ich es nicht geschafft habe zu sagen, dass es von meiner Seite nicht so ist.“

Heute geht sie anders damit um. „Ich bin zum Glück an einem Punkt, wo ich das offen sagen kann: Ich glaube, wir wollen unterschiedliche Sachen.“

Liebe ist kein Plan, sondern Improvisation

Ein Gedanke zieht sich durch das gesamte Stück und durch Houbers Blick auf Beziehungen: Liebe lässt sich nicht planen. „Eigentlich ist Liebe Improvisation“, sagt sie. „Du musst was wagen, du musst ins Risiko gehen. Du weißt nicht, ob die andere Person genauso fühlt.“ Genau wie im Impro-Theater entsteht alles aus dem Moment heraus. Es gibt Impulse und die Entscheidung, ob man darauf eingeht. „Du kannst ein Nein geben. Aber mit einem Ja kommt man eigentlich meistens weiter.“ Und genau hier liegt für sie der entscheidende Punkt: Wenn niemand den Mut hat, zu reagieren, entsteht auch nichts.


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Romeo und Julia – wirklich ein Vorbild?

Als sich das Ensemble intensiver mit dem Original beschäftigt hat, kam schnell eine gewisse Ernüchterung. „Die kannten sich zwei Tage, haben sich nicht länger als ein paar Stunden gesehen, haben wenig Worte gewechselt, heiraten und dann bringen sie sich um.“

Und die fast schon provokante Frage steht im Raum: „Das ist jetzt das, wonach alle streben?“ Trotzdem entscheidet sich die Inszenierung bewusst dagegen, diese Liebe ins Lächerliche zu ziehen. „Wir haben gesagt: Nee, wir nehmen diese Liebe ganz ernst. Für sie war das genau diese Liebe.“ Und genau das macht den Unterschied: nicht von außen bewerten, sondern versuchen zu verstehen, wie groß sich etwas für zwei Menschen anfühlen kann.

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Die große Liebe ist oft ganz leise

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke des Stücks. Es verschiebt den Blick weg vom großen Drama, hin zu den kleinen Momenten. „Es muss nicht der große Selbstmord am Ende stehen“, sagt Houber. „Es kann auch sein: Wir gehen zusammen in eine Buchhandlung. Und das ist der Moment.“ Ein Moment, der für zwei Menschen alles bedeutet, auch ohne Tragödie. „Eigentlich wollen wir zeigen, dass jede Liebesgeschichte so groß sein kann wie Romeo und Julia.“


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Dating heute: Schnell, hart, oberflächlich

Auch beim Thema Online-Dating wird Houber deutlich. Sie sieht darin Chancen; vor allem für Menschen, die sonst schwer neue Kontakte knüpfen. Aber sie sieht auch die Schattenseite. „Du hast nur ein Foto, ein paar Infos und entscheidest dann: Ist es mir das wert oder nicht?“ Für sie fühlt sich das oft zu hart an. „Das finde ich krass.“ Selbst hat sie es nur kurz ausprobiert – mit einem einzigen Date. „Und das war ganz schlimm. Wir waren auf dem Weihnachtsmarkt, und er wollte keinen Glühwein trinken, da war ich schon raus.“

Was folgt, ist eine Szene, die fast schon wie aus einer Comedy stammt: „Dann hat er Kinder ausgelacht, die beim Schlittschuh laufen hingefallen sind. Und ich dachte nur: Das ist ganz komisch.“ Das Ergebnis: Kein zweites Treffen.

Leonie Houber in Romeo & Julia

Copyright: Laura Thomas

Gibt es die große Liebe? Die besondere Liebe? Leonie Houber brilliert auf der Bühne und ist überzeugt: "Ja, es gibt sie!"

Und trotzdem glaubt sie daran

Bei all den Unsicherheiten, all den Möglichkeiten, all den kleinen und großen Enttäuschungen bleibt am Ende eine klare Haltung. Auf die Frage, ob sie trotzdem an richtige Zuneigung glaubt, sagt Leonie Houber: „Ich glaube an die große Liebe, ja.“

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Vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe des Stückes und eines gelungene Theaterabends. Dass wir die Liebe nicht verloren haben, sondern nur neu lernen müssen, sie zu erkennen.

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