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„Ist doch nur Spaß!“Wenn harmlose Witze in Beziehungen richtig wehtun

Copyright: Louisa Noack / KI generiert

Alle lachen, nur sie nicht: Was für den einen ein harmloser Scherz ist, kann den Partner tief verletzen. Besonders dann, wenn vermeintlich lustige Sprüche immer wieder auf Kosten des anderen gehen.

Hier wird’s heiß: Ein Spruch über die Figur, ein Seitenhieb auf die Kochkünste oder ein peinlicher Kommentar vor Freunden. Und wenn der Partner beleidigt reagiert, kommt die wohl bequemste Ausrede der Welt: „Jetzt stell dich nicht so an, war doch nur Spaß!“ Doch manchmal steckt hinter einem vermeintlich harmlosen Witz eine ziemlich verletzende Botschaft.

Wenn alle lachen, nur einer nicht

Es ist ein gemütlicher Abend mit Freunden, die Stimmung ist ausgelassen. Bis einer plötzlich sagt: „Meine Frau braucht morgens zwei Stunden im Bad und sieht hinterher trotzdem aus wie vorher.“ Alle lachen. Nur die Frau, um die es geht, findet den Spruch überhaupt nicht lustig. Und statt einer Entschuldigung gibt es noch einen hinterher: „Meine Güte, du verstehst aber auch keinen Spaß!“

Solche Situationen können harmlos sein, wenn beide darüber lachen und sich damit wohlfühlen. Sie können aber auch etwas anderes sein: eine kleine öffentliche Demütigung, verpackt als Pointe. Besonders verletzend wird es, wenn immer wieder dieselben Unsicherheiten getroffen werden. Das Gewicht, das Alter, die Sexualität, das Einkommen oder die vermeintlichen Schwächen des Partners werden dann zur regelmäßigen Unterhaltung für andere.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht allein darin, was jemand sagt, sondern auch darin, wie der andere es erlebt. Denn Humor ist keine Einbahnstraße. Was der eine für schlagfertig hält, kann beim anderen lange nachwirken.

Was die Wissenschaft über Humor in Beziehungen weiß

Dabei ist gemeinsames Lachen für Beziehungen durchaus wertvoll. Der US-amerikanische Kommunikationswissenschaftler Jeffrey Hall untersuchte in einer Metaanalyse 39 wissenschaftliche Arbeiten mit insgesamt 15.177 Teilnehmenden. Das Ergebnis: Positive Formen von Humor waren mit höherer Beziehungszufriedenheit verbunden. Negative Humorformen standen dagegen überwiegend mit geringerer Zufriedenheit in Zusammenhang.

Besonders wichtig ist demnach nicht einfach, ob jemand lustig ist, sondern welche Art von Humor zwischen zwei Menschen entsteht. Gemeinsam über eine absurde Alltagssituation zu lachen, kann verbinden. Den anderen regelmäßig zur Zielscheibe zu machen, bewirkt möglicherweise das Gegenteil.

Dabei beweist die Untersuchung nicht, dass ein schlechter Witz automatisch eine Beziehung beschädigt. Sie zeigt aber, dass die Art, wie Paare miteinander lachen, eng mit der Qualität ihrer Beziehung zusammenhängt.

Die versteckte Botschaft hinter dem Witz

Warum treffen manche Sprüche so tief? Weil sie oft genau dort landen, wo Menschen ohnehin empfindlich sind. Wer mit dem eigenen Körper hadert, möchte nicht, dass der Partner beim gemeinsamen Abendessen Witze über zusätzliche Kilos macht. Wer sich im Beruf gerade unsicher fühlt, braucht keinen Menschen an seiner Seite, der ihn vor anderen als Versager darstellt.

Besonders problematisch wird es, wenn Kritik regelmäßig als Humor getarnt wird. Dann muss sich derjenige, der verletzt wurde, plötzlich auch noch dafür rechtfertigen, dass er nicht mitlacht. Aus der ursprünglichen Kränkung entsteht ein zweiter Konflikt: Nicht der verletzende Kommentar steht zur Diskussion, sondern die angebliche Überempfindlichkeit des anderen.

Das kann auf Dauer dazu führen, dass Menschen ihre Gefühle zurückhalten, um nicht erneut als humorlos zu gelten. Dabei sollte gerade eine Partnerschaft ein Ort sein, an dem man Schwächen zeigen kann, ohne befürchten zu müssen, dass sie später als Pointe dienen.

Wann aus Neckerei Respektlosigkeit wird

Natürlich muss in einer Beziehung nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden. Viele Paare haben einen liebevollen, manchmal ziemlich frechen Umgang miteinander. Sie necken sich, ziehen sich auf und lachen über Eigenheiten, die sie am anderen sogar besonders mögen.

Entscheidend ist, ob diese Form des Humors auf Gegenseitigkeit beruht und beide sich damit wohlfühlen. Wer seinen Partner gut kennt, weiß meistens auch, welche Themen besser nicht zur öffentlichen Unterhaltung gehören.

Ein Warnsignal ist es, wenn einer wiederholt sagt, dass ihn bestimmte Sprüche verletzen, und der andere trotzdem weitermacht. Spätestens dann geht es nicht mehr um einen missglückten Witz, sondern um die Frage, ob die Grenzen des Partners ernst genommen werden.

Was tun, wenn der Spaß keiner mehr ist?

Wer sich verletzt fühlt, sollte möglichst konkret ansprechen, was passiert ist: „Als du vor unseren Freunden über mein Gewicht gesprochen hast, war mir das unangenehm.“ Das ist hilfreicher als ein pauschales „Du machst mich immer fertig“. Ebenso wichtig ist die Reaktion des anderen. Eine ernst gemeinte Entschuldigung und die Bereitschaft, das Verhalten zu ändern, können viel bewirken.

Umgekehrt darf man auch über einen eigenen misslungenen Scherz nachdenken, ohne gleich den Humor komplett aufzugeben. Nicht jede ungeschickte Bemerkung ist ein Zeichen für eine schlechte Beziehung. Entscheidend ist, ob beide bereit sind, aufeinander Rücksicht zu nehmen.

In meiner Praxis begleite ich Paare dabei, solche Fragen zu besprechen. Informationen gibt es unter www.kommwirreden.de.

Vielleicht ist die einfachste Regel deshalb auch die beste: Ein guter Witz macht den gemeinsamen Abend schöner. Er sollte nicht dafür sorgen, dass sich der eigene Partner danach kleiner fühlt.

Die Metaanalyse von Jeffrey A. Hall, Humor in Romantic Relationships (2017), umfasst 39 Arbeiten mit 43 Stichproben und 15.177 Teilnehmenden. Sie untersuchte Zusammenhänge zwischen verschiedenen Humorformen und Beziehungszufriedenheit. Eine weitere Untersuchung mit 170 Ehepaaren fand die höchste Ehezufriedenheit bei Paaren mit positivem Humor.