Die Kölner Karnevalsszene wehrt sich gegen die Entscheidung, dass die Traditionskorps künftig bei der Lachenden Kölnarena nicht mehr auftreten sollen. Auch das Festkomitee schaltet sich ein.
Zoff um Lachende KölnarenaFestkomitee schaltet sich ein: Brauchtum muss bleiben

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Die Traditionskorps, wie hier die Blauen Funken, sollen künftig bei der Lachenden Kölnarena keinen Auftritt mehr absolvieren.
Noch dauert es drei Monate, bis die neue Session beginnt. Doch schon jetzt ist die organisierte Kölner Karnevalsszene in heller Aufregung. Der EXPRESS.de-Exklusiv-Bericht über die geplanten Änderungen bei der Lachenden Kölnarena sorgt für viel Gesprächsstoff.
Ab 2028 sollen die Kölner Traditionskorps bei der Mega-Veranstaltung in der Lanxess-Arena nur noch durch die Halle ziehen, aber keinen Auftritt mehr auf der Bühne absolvieren. Dies hat die veranstaltende Gastspieldirektion Otto Hofner den Korps schriftlich mitgeteilt.
Lachende Kölnarena: Traditionskorps diskutieren über Boykott-Forderung
Vor allem die Art der Kommunikation und dass die Entscheidung ohne vorherige Diskussion verschickt wurde, stößt den Karnevalisten sauer auf. Sie sehen darin einen klaren Schritt weg vom Brauchtum hin zu noch mehr Party-Format.
Unter den neun Traditionskorps herrscht eine seltene Einigkeit in der Sache. „Wir finden die Kürzung der Traditionskorps absolut nicht gut. Es gibt nicht umsonst das Siegel des Festkomitees ‚Original kölsche Sitzung‘, das ja unter anderem besagt, dass Traditionskorps zu einer Sitzung gehören“, sagt Armin Hoffmann, der Vizepräsident der Blauen Funken. „Wir hoffen jetzt auf ein Gesprächsangebot seitens der Veranstalter.“
Auch die EhrenGarde will die Entscheidung nicht einfach so hinnehmen. „Es wäre jammerschade, wenn die Veranstalter es ernsthaft so durchziehen würden. Wenigstens den Mariechen-Tanz eines jeden Traditionskorps, der ja ein Teil des Ursprungs des Kölner Karnevals ist, sollten wir präsentieren dürfen“, sagt Präsident Hans-Georg Haumann.
„Die Lachende Kölnarena ist seit vielen Jahren ein wichtiges Element und hat viel Gutes für den Kölner Karneval getan, aber sie sollte weiterhin gut daran tun, die Tradition aufrechtzuerhalten.“

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Bei der Lachenden Kölnarena herrscht immer eine ausgelassene Stimmung. Künftig sollen die Traditionskorps zu Beginn nur noch durch die Lanxess-Arena ziehen, aber keinen Auftritt mehr absolvieren.
Die Nippeser Bürgerwehr hatte gegenüber EXPRESS.de bereits angekündigt, künftig darauf zu verzichten, nur noch durch die Halle zu marschieren. Ohne Auftritt wären die „Appelsinefunke“ nicht mehr bereit, zu kommen. „Wie unsere Entscheidung aussieht, ob wir noch dabei sind, kann ich aktuell bislang nicht sagen. Wir hoffen auf ein Gespräch“, heißt es von der EhrenGarde.
Horst Köhler, Vorsitzender und Korpskommandant des Reiterkorps Jan von Werth, ist ebenfalls enttäuscht. „Wir bedauern die Entscheidung und halten es für sehr schade, dass Tradition mehr und mehr verschwindet. Die Veranstaltung gehörte für viele unserer Mitglieder zu den Höhepunkten im Auftrittsplan“, sagt er.
Markus Simonian, Präsident des Treuen Husaren, kündigt auch Widerstand an. „Für uns geht es dabei nicht allein um zehn Minuten Bühnenzeit. Die Traditionskorps stehen für einen wesentlichen Teil des Kölner Karnevals. Sie pflegen Brauchtum, führen junge Menschen an den Fastelovend heran und werden von vielen Hundert Ehrenamtlichen getragen. Diese Arbeit sollte gerade bei einer der größten Karnevalsveranstaltungen Kölns auch sichtbar bleiben.“

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Michael Burgmer (l.) und Nathalie Drmota von der Konzert- und Gastspieldirektion Otto Hofner veranstalten die Lachende Kölnarena zusammen mit Lanxess-Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher (r.).
Michael Burgmer von der Gastspieldirektion hatte geschrieben, dass durch die Zeitersparnis von rund zehn Minuten Platz für den Nachwuchs im Programm geschaffen werde. Simonian entgegnete, dass er Verständnis dafür habe, dass sich Programme weiterentwickeln und Nachwuchskünstler ihren Platz benötigen. „Aus unserer Sicht darf daraus aber kein Entweder-oder zwischen Zukunft und Tradition werden. Beides gehört zusammen. Tradition lebt schließlich nur dann, wenn jede Generation sie neu mit Leben füllt“, sagt er.
Selbst ein Redner wie Jörg Runge schaltete sich in die Debatte ein. „Dä Tuppes vum Land“ tritt zwar gar nicht bei der Lachenden Kölnarena auf, macht sich aber auch Sorgen um die Entwicklungen im Brauchtum. „Eine Veranstaltung, die über viele Stunden läuft, müsste zehn Minuten für einen wesentlichen Bestandteil des Kölner Karnevals eigentlich noch verkraften können. Für mich passt das zu einem Trend, den ich schon länger beobachte. Viele Sitzungen werden zunehmend kürzer, weil nach und nach Programmpunkte gestrichen werden“, sagt er.
„Die Eintrittskarten sind dadurch aber nicht billiger geworden. Stattdessen versucht man, immer mehr Musik, Party und Stimmung in ein immer kürzeres Zeitfenster zu pressen. Das kann man natürlich machen. Aber irgendwann sollte man sich dann auch fragen, ob man noch eine Karnevalssitzung veranstaltet oder lediglich eine große Party mit ein paar jecken Dekorationselementen.“

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Der neue Festkomitee-Präsident Lutz Schade hat Gespräche mit den Verantwortlichen der Lachenden Kölnarena aufgenommen.
Die Altstädter hatten bereits das Festkomitee zum Handeln aufgefordert. Sie regten sogar an, dass künftig das Dreigestirn auf einen Besuch bei der Lachenden Kölnarena verzichten solle. Festkomitee-Präsident Lutz Schade hat sich deshalb ebenfalls in die Debatte eingeschaltet und die Verantwortlichen kontaktiert.
„Die Lachende Kölnarena zeigt die große Bandbreite des Kölner Bühnenkarnevals: Neben bekannten Bands, Tanzgruppen und Rednern gehören auch Gruppen aus dem Veedelskarneval, Traditionskorps und das Dreigestirn dazu. Gerade diese Mischung gehört für mich zum besonderen Charakter der Lachenden Kölnarena“, sagt er zu EXPRESS.de.
Festkomitee: „Ganze Bandbreite des Karnevals soll abgebildet werden“
„Wie sich das Programm im Einzelnen weiterentwickelt, ist Gegenstand der Gespräche, die im Hintergrund bereits geführt werden. Für das Festkomitee ist dabei wichtig, dass die ganze Bandbreite des Kölner Karnevals auch künftig angemessen abgebildet wird. Die Möglichkeit, diese Vielfalt einem so großen Publikum zu präsentieren, ist eine große Chance“, sagt er.
Dennoch wird es für 2028 nach derzeitigem Stand bei der Regelung ohne Aufführung auf der Bühne bleiben, weil das folgende Programm bereits fest gebucht wurde. Aber in Gesprächen soll jetzt erörtert werden, ob in den Jahren danach nicht doch ein Zeitfenster für einen Korps-Auftritt zu schaffen ist.
