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Lachende KölnarenaDicke Luft: Traditionskorps werden aus Programm gestrichen

Das Reiterkorps Jan von Werth auf der Bühne der Lachenden Kölnarena.

Copyright: Daniela Decker

Die Traditionskorps, wie hier das Reiterkorps Jan von Werth, sollen künftig nur noch zu Beginn der Lachenden Kölnarena aufziehen. Der Auftritt auf der Bühne wird jedoch gestrichen.

Die Kölner Traditionskorps sollen bei der Lachenden Kölnarena künftig nur noch mit aufziehen, dürfen aber keinen Auftritt auf der Bühne mehr absolvieren. Das sorgt für großen Wirbel im Kreise der Jecken.

Die Lachende Kölnarena ist seit Jahrzehnten ein absoluter Publikumsmagnet. Seit der Premiere 1965 pilgern jährlich Zehntausende in die Lanxess-Arena, um dort das Kult-Event des Kölner Karnevals zu feiern. Im Februar 2026 erlebte die Megaschüssel mit 18.500 Jecken die bisher größte Party.

Zuletzt hat es jedoch wiederholt Wirbel und Unstimmigkeiten rund um die Programmgestaltung gegeben. Bekannte Einzelkünstler wie Marita Köllner, JP Weber, Thomas Cüpper oder Mo-Torres wurden nur noch zu vereinzelten Terminen eingeladen und machten ihrem Unmut darüber Luft.

Lachende Kölnarena: Neue Regeln für Korps-Aufzüge ab 2028

Dann wurde Anfang des Jahres den am Einzug beteiligten Vereinen mitgeteilt, dass ab sofort Kinder unter acht Jahren nicht mehr teilnehmen dürfen. Natalie Drmota von der Gastspieldirektion Hofner verteidigte sich: „Uns geht es nicht um Verbote, sondern um den Schutz der Kinder. Wir stehen in der Verantwortung und wir möchten nicht, dass etwas passiert.“

Nun ist die nächste Nachricht verschickt worden, die erneut für Aufregung im Lager der Karnevalisten gesorgt hat. Michael Burgmer von der Gastspieldirektion verkündete den Traditionskorps, dass das Programm ab 2028 zu Beginn etwas eingekürzt werde.

„Wir werden die Korps mit dem Dreigestirn aufziehen lassen, jedoch wird das Korps dann mit dem Dreigestirn die Bühne wieder verlassen. Das heißt, es wird keinen eigenen Auftritt für die Korps mehr geben. Wir bitten hier um Verständnis“, schrieb er. Ergänzend schickte er noch die Botschaft hinterher: „Honorarmäßig wird es keine Veränderung geben.“

Zu Beginn jeder Lachenden Kölnarena gibt es nach dem Intro immer den Einzug der Gesellschaften. Mit dem Dreigestirn zieht auch stets ein über 100-köpfiges Korps samt Spielmannszug auf die Bühne, um Mariechen- oder Gardetänze zu präsentieren. Für die Jecken war dieser Start immer die beste Gelegenheit, um erst einmal anzukommen, die mitgebrachten Lebensmittel zu verteilen und in Stimmung zu kommen.

Ken Reise neben Marcel Kappestein in der Lachenden Kölnarena.

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Moderator Ken Reise (l.) zusammen mit Marcel Kappestein, dem Kommandanten der Prinzen-Garde Köln.

„In meiner Brust schlagen zwei Herzen“, sagt Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher, der mit der Gastspieldirektion das Mega-Event veranstaltet. „Die Programmgestaltung ist immer eine Herausforderung. Wir wollen alle Top-Bands, Tanzgruppen und Nachwuchs bieten. Da wird der zeitliche Rahmen oft gesprengt. Jede Minute im Ablauf ist kostbar.“

Dass aber ausgerechnet der traditionelle Karneval zurückstecken muss und so das Brauchtum weiter aus dem Abend entfernt wird, sieht auch Löcher mit gemischten Gefühlen. „Das ist nichts gegen die Traditionskorps. Wir wissen, wie wichtig sie sind. Ich kann beide Argumentationen verstehen.“

Nathalie Drmota, Stefan Löcher und Michael Burgmer in der Lachenden Kölnarena.

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Die Macher der Lachenden Kölnarena: Nathalie Drmota, Stefan Löcher und Michael Burgmer (v.l.).

Auch Burgmer registrierte, welche Wellen die Entscheidung erzeugt hatte. „Hier handelt es sich lediglich um eine Straffung. Diese Zeit von rund zehn Minuten möchten wir für Nachwuchskünstler beziehungsweise Bands verwenden. Es hat keinesfalls etwas mit der Leistung und/oder mit den Auftritten der Korps zu tun. Selbstverständlich möchten wir die Tradition und das Brauchtum weiterhin pflegen.“

Nachdem die Entscheidung verkündet worden war, meldeten sich einige Traditionskorps bei der EXPRESS.de-Redaktion. „Wir bedauern die Entscheidung ausdrücklich. Dabei geht es für uns nicht allein um einige Minuten Auftrittszeit, sondern auch um die Signalwirkung. Die Traditionskorps sind mit ihrem großen ehrenamtlichen Engagement und ihren eigenen Auftritten ein wichtiger Teil des Kölner Karnevals und seines Brauchtums, und das muss auch in Zukunft sichtbar bleiben“, sagt Marcel Kappestein, Kommandant der Prinzen-Garde.

Die Blauen Funken beim Einzug in die Lachende Kölnarena.

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Die Blauen Funken dürfen weiterhin in der Lachenden Kölnarena aufziehen. Der Auftritt auf der Bühne wird künftig jedoch zugunsten der Nachwuchsbands gestrichen.

Kappestein erklärt weiter: „Wir pflegen mit unseren Partnern und auch den Verantwortlichen der Lachenden Kölnarena einen sehr guten und vertrauensvollen Austausch und werden das Thema deshalb auch persönlich miteinander besprechen. Vielleicht finden wir gemeinsam noch eine Lösung, die dem Programm und zugleich der besonderen Bedeutung als Traditionskorps gerecht wird.“

Bürgergarde-Präsident Markus Wallpott sagt: „Das ist sehr schade, dass die Tradition da genommen wird. Wir wären dort gerne weiterhin aufgetreten. Nachwuchsbands eine Plattform zu bieten, finde ich auch gut. Aber dennoch ist es schade für die Korps.“

Blick in die Lachende Kölnarena.

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Bei der Lachenden Kölnarena herrscht immer eine tolle Stimmung. Jetzt soll ein Stück Brauchtum aus dem Programm verschwinden.

Deutlicher wurde Michael Gerhold. „Wenn man sich selbst als größte Karnevalssitzung der Welt bezeichnet, dann sollte man auch eine Karnevalssitzung abhalten. Wenn man jedoch alles rausschmeißt, was mit Tradition zu tun hat, dann ist es nur noch die größte Karnevalsparty. 40 Prozent der Brauchtumselemente wurden in den vergangenen Jahren ohnehin schon gestrichen. Wenn jetzt nicht einmal Zeit für zehn bis 14 Minuten Brauchtum ist, dann läuft etwas schief.“

Nippeser Bürgerwehr will nicht nur schmückendes Beiwerk sein

Der Präsident der Nippeser Bürgerwehr kündigt im EXPRESS.de-Gespräch Konsequenzen an. „Tanzgruppen und Traditionskorps sind Kernteile des Kölner Karnevals. Wenn das so bleibt, dass wir noch schmückendes Beiwerk sein sollen, werden wir auf die Aufzüge verzichten und nicht mehr in der Arena auftreten. Dann gehen wir lieber zu einer Pfarrsitzung, um den Menschen dort Spaß zu bereiten.“

Die Roten Funken wollen die Entscheidung ebenfalls nicht einfach so hinnehmen. „Für uns sind die Korps ein wesentlicher Bestandteil des Kölner Karnevals, die das Bild der Lachenden Kölnarena prägen. Deshalb werden wir dies gemeinsam mit dem Veranstalter erörtern und nach einer Lösung suchen, die sowohl dem Zeitrahmen der Veranstaltung als auch der Bedeutung der Traditionskorps gerecht wird“, kündigt Vizepräsident Boris Müller an.

Prinz Niklas bei der Lachenden Kölnarena.

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Prinz Niklas beim Einzug in die Lachende Kölnarena. Die Altstädter regen einen Boykott des Dreigestirns beim Kult-Format an.

„Ich war schon vor 50 Jahren in der Lachenden Sporthalle dabei. Damals war es noch ein kompletter Auftritt. Inzwischen ist es nur noch ein verkürztes Programm. Jetzt verkommt alles endgültig zum Partyformat. Was hat das mit einer großen Sitzung zu tun? Das ist doch kein Brauchtum mehr“, findet auch Altstädter-Kommandant Michael Klaas, genannt Piccolo.

„Ein Traditionskorps ist genauso wie das Dreigestirn Pflicht. Da sollte das Festkomitee sich einschalten. Wenn kein Traditionskorps mehr auftreten darf, sollte auch das Dreigestirn nicht mehr kommen. Wie mit uns da umgegangen wird, ist nicht mehr in Ordnung.“

Peter Wackel spricht bei der Pressekonferenz.
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Acht Stunden Programm: Mallorca trifft Schlager und Karneval