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„Warum lässt man es zu?“Kölner wütend auf Lieferdienste – die äußern sich

Ein Essenslieferant auf einem Fahrrad ist auf einem Gehweg unterwegs.

Copyright: Leserreporter Peter R. 

Peter R. aus Köln-Lindenthal hat diesen Lieferdienstfahrer an der Dürener Straße fotografiert. 

Aktualisiert

Online Essen oder Lebensmittel bestellt, per Fahrrad gebracht: Flink, Wolt oder Lieferando sind auch in Köln omnipräsent. Doch die angebliche Fahrweise so mancher Mitarbeitenden sorgt für Wut. 

Einfach, schnell und bequem sowieso: Gleich mehrere Lieferdienste sind in Köln unterwegs. Die Mitarbeitenden mit den riesigen Rucksack-Kisten flitzen überall im Stadtgebiet herum. Meist muss es schnell gehen – für so manche Kölnerinnen und Kölner allerdings zu schnell.

„Warum lässt man es zu, dass Essenslieferanten über den Fußweg rasen, oft mit über 40 km/h?“, regt sich EXPRESS.de-Leserreporter Peter R. auf. Auf der Dürener Straße und dem Lindenthal-/Stadtwaldgürtel sei „jeden Tag großes Drama“. „Wir haben hier ganz enge Fußwege und dazu ganz schmale Radwege. Daher nutzen die Kuriere sehr oft den Fußweg, oft auch in entgegengesetzter Richtung“, beklagt er. Rempeleien mit Fußgängerinnen und Fußgängern seien an der Tagesordnung. 

Kölner frustriert: „Da tut sich mal gar nichts“

Auch der Kölner Marc V. ist wütend, behauptet: „Diese offensichtlich im Gro zu schnellen Lieferdienst-E-Bikes sind getunt und fahren alles in Grund und Boden.“ Er habe diese sogar auf der Riehler Straße schon mit 50 km/h und als Geisterfahrer ohne Licht im Dunkeln gesehen, erklärt V. und fordert, dass die Polizei „mal ein paar Schwerpunktkontrollen“ durchführen müsse.

„Die Fahrer sind Scheinselbstständige per Definition und die Lieferdienste rechtlich keineswegs losgelöst von ihren Pflichten“, so Marc V. „Da tut sich mal gar nichts“, so sein frustriertes Fazit. 

Auf EXPRESS.de-Nachfrage erklärt ein Sprecher der Kölner Polizei, dass Verkehrsunfälle sowie Verstöße im Zusammenhang mit dem Merkmal einer „Essenauslieferung“ oder „Essenlieferanten“ nicht erfasst werden. „Der Polizei Köln ist dennoch bewusst, dass Fahrräder, E-Bikes oder S-Pedelecs unterwegs sind, die aufgrund ihrer Bauart nicht im Straßenverkehr genutzt werden dürfen. Beim Verkehrsdienst der Polizei Köln liegt daher auch ein Schwerpunkt auf eben solche Fahrräder bzw. Fahrzeuge“, so der Polizeisprecher.

Werden Veränderungen oder in Deutschland nicht zulässige Anbauten festgestellt, läge häufig auch ein Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz vor. Der Sprecher: „Entsprechend hätten diese Fahrzeuge auch eine Versicherungskennzeichnung benötigt.“ Er appelliert: „Dahingehend helfen auch die Beschwerden aus der Bevölkerung zu möglichen Verstößen, die neben den eigenen gewonnenen Erkenntnissen weitere Hinweise auf mögliche Verstöße liefern.“

EXPRESS.de hakte bei den Kölner Lieferdiensten nach. Alle betonen, dass die Mitarbeitenden verkehrstechnisch geschult würden und Sicherheit oberste Priorität habe. 

Kölner Lieferdienst „Flink“: Sicherheit geht vor Geschwindigkeit

„Die Verkehrssicherheit unserer Rider hat für uns oberste Priorität. Alle neuen Mitarbeitenden durchlaufen zu Beginn ihrer Tätigkeit ein verpflichtendes Onboarding, das auch Schulungen zu Verkehrsregeln und sicherem Fahrverhalten umfasst“, erklärt Simon Birkenfeld von Flink. „Dabei legen wir besonderen Wert auf die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung, defensives Fahren und die spezifischen Regelungen für Fahrradfahrer im Straßenverkehr. Regelmäßige Auffrischungen und Sicherheitshinweise sind Teil unserer laufenden Kommunikation mit den Ridern.“

Es gäbe bei Flink keine Zeitvorgaben oder Anreizsysteme, die dazu führen könnten, dass Rider regelwidrig fahren oder Abkürzungen nehmen. Birkenfeld: „Unsere Rider werden ausschließlich auf Stundenbasis bezahlt – unabhängig davon, wie viele Lieferungen sie ausfahren. Aufträge werden nach Verfügbarkeit und Wartezeit zugeteilt, nicht nach Performance. Es gibt keine Boni für schnellere oder mehr Lieferungen. Wir kommunizieren klar: Sicherheit geht vor Geschwindigkeit.“

Vorbilder im Verkehr oder Fahrrad-Rambos: Welche Erfahrungen habt ihr mit Lieferdienst-Fahrern und -Fahrerinnen gemacht?

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Sollten Bürgerinnen und Bürger auf einen Flink-Rider mit auffälligem oder gefährlichem Fahrverhalten treffen, könnten diese sich jederzeit an unseren Kundenservice wenden. „Jede Lieferung ist in unserem System nachvollziehbar: Wir können jederzeit einsehen, welcher Rider zu welchem Zeitpunkt wo unterwegs war. So können wir Beschwerden gezielt nachgehen und die entsprechende Route sowie das Verhalten überprüfen“, stellt der Sprecher klar und ergänzt: „Unser Ziel ist es, dass alle Rider sicher und regelkonform unterwegs sind – für ihre eigene Sicherheit und die aller Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer.“

Simon Birkenfeld: „Wir setzen ausschließlich Pedelecs ein, die bis zu 25 km/h elektrisch unterstützen und bei denen der Fahrer treten muss, um den Motor zu aktivieren. Unsere Bikes wurden speziell für uns entwickelt und verfügen über etwas dickere Reifen, die für bessere Fahrsicherheit und Stabilität sorgen – insbesondere bei unterschiedlichen Wetterbedingungen und Straßenverhältnissen.“

Wolt-Sprecher: Dulden kein verkehrswidriges Verhalten

„Köln gehört zu unseren größten Städten und wir sind uns der Verantwortung für ein gutes Miteinander im Straßenverkehr bewusst“, sagt Florian Anders von Wolt. Er erklärt: „Vor Beginn der Tätigkeit durchlaufen unsere Kurierinnen und Kuriere einen umfassenden Onboarding-Prozess. Sie werden regelmäßig zum Thema Verkehrssicherheit geschult und sind angehalten, sich an die geltende Straßenverkehrsordnung (StVO) zu halten. Verkehrswidriges Verhalten dulden wir in keiner Weise.“

Die Kurierinnen und Kuriere würden ihre eigenen Fahrräder, Autos oder Motorroller nutzen. „Regelmäßig von uns durchgeführte Fahrrad-Checks sind für Wolt-Kurierinnen und -Kuriere obligatorisch. Unser Kundenservice-Team nimmt Hinweise per Chatfunktion in der App oder E-Mail entgegen, antwortet in der Regel binnen weniger Minuten und geht jedem Hinweis nach“, erklärt der Wolt-Sprecher. 

Ein internes, gesondertes Tempolimit gäbe es nicht. Florian Anders:  „Maßgeblich ist die strikte Einhaltung der Straßenverkehrsordnung und der dort vorgegebenen Geschwindigkeiten.“

Ein spezielles Zuständigkeitsgebiet gäbe es auch nicht. „Die Zuweisung von Lieferaufträgen erfolgt dynamisch über unseren Aufgabenalgorithmus, der in Echtzeit den oder die am besten geeigneten Kurier/Kurierin anhand des aktuellen Standorts, der Entfernung zum Abholort, der Verfügbarkeit und des genutzten Fahrzeugtyps ermittelt. Der Lieferradius wird jeweils vom Standort des Partnerrestaurants oder Shops berechnet“, erklärt er. 

Der Sprecher weiter: „Darüber hinaus verstehen wir uns als Teil der Städte, in denen wir aktiv sind. Gemeinsam mit anderen Akteurinnen/Akteuren setzen wir uns für den Ausbau sicherer Fahrradwege und einer besseren Fahrradinfrastruktur ein. Damit möchten wir potenzielle Konflikte reduzieren, allen Verkehrsteilnehmer:innen einen sicheren Verkehrsweg ermöglichen und den Verkehrsraum gerechter aufteilen.“

Stellungnahme von „Lieferando“

„Wir erwarten von unseren Fahrerinnen/Fahrern und sind fest davon überzeugt, dass sie sich korrekt an die StVO halten“, sagt auch Lieferando-Sprecher Patrick Grundmann. Beschwerden würden generell geprüft. „Das gilt auch für Auffälligkeiten, die uns andere Fahrerinnen/Fahrer oder das örtliche Standortpersonal melden. Fallbezogen reagieren wir dann mit angemessenen Maßnahmen, vom Gespräch über Nachschulungen bis hin zu personellen Schritten.“

Alle Lieferando-Fahrerinnen und -Fahrer würden umfassend zur Verkehrssicherheit, Straßenverkehrsordnung sowie einer regelkonformen, umsichtigen Fahrweise geschult. „Das umfasst auch klare Unterweisungen zu Rad- und Gehwegen. Die Schulungen sind umfassend und verpflichtend, als Erstschulung. Zudem gibt es ergänzende Schulungen, regelmäßige Mitarbeiterinformationen, Info-Tage und vieles mehr – je nach Aktualität oder dem örtlichen Bedarf.“ Die Sicherheitsmaßnahmen bei Lieferando würden weit über Schulungen hinausgehen. 

Lieferando stelle seinen Fahrerinnen und Fahrern eine rund 20-teilige Ausstattung zur Verfügung. Dabei handele es sich nicht um sogenannte „Fatbikes“, sondern um elektrische Trekkingräder mit etwas dickeren Reifen, um Gefährdungen zu vermeiden.

Kölner Polizei warnt vor technischen Veränderungen

Die Polizei Köln rät, keine eigenen technischen Veränderungen an E-Bikes oder S-Pedelecs vorzunehmen und sich beim Kauf genau zu informieren, ob diese Zweiräder auch für den Straßenverkehr in Deutschland zulässig bzw. die Fahrzeuge versicherungspflichtig sind.

„Veränderungen oder Umbauten können zudem eine Gefahr für die Nutzer sowie für alle anderen Verkehrsverteilnehmer darstellen, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist. Beispielsweise könnten die ‚Standardbremsen‘ des Rads für die erhöhte Motorleistung nicht ausgelegt sein, sodass sich der Bremsweg um ein Vielfaches verlängert“, warnt der Polizeisprecher. 

Ein Lieferdienstfahrer fährt auf dem Gehweg.

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