In den USA posieren Jackpot-Gewinner mit Riesenscheck vor der Presse. In Deutschland kennt man solche Bilder kaum – und das hat gute Gründe. Was erlaubt ist, was klug ist und wo die Diskretion gefährlich wird.
Millionen auf dem KontoDer eine Fehler, der jeden Lottogewinn verrät

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Lottoschein, Smartphone, Schlüsselbund
Wer in Großbritannien oder den USA den Jackpot knackt, landet fast garantiert in den Nachrichten: Foto, Name, Scheck mit aufgedruckter Gewinnsumme. In China wird von Gewinnern schlicht erwartet, dass sie sich zeigen. In den USA gab es sogar schon Gerichtsverfahren um die Frage, ob man anonym bleiben darf.
In Deutschland ist das anders. Wer hier gewinnt, entscheidet allein, wem er davon erzählt. Der europäische Datenschutz macht's möglich – und das ist alles andere als selbstverständlich.
Der Rat der Profis: möglichst wenigen
Dorothee Hoffmann, Sprecherin von Lotto Hessen, empfiehlt Gewinnern, den Geldsegen weitgehend für sich zu behalten. Ihr konkreter Tipp: ein neues Konto bei einer großen Bank eröffnen, wo die Summe nicht weiter auffällt.
Denn genau hier liegt die Schwachstelle. Landen plötzlich Millionen auf dem Konto bei der Hausbank um die Ecke, reicht ein Angestellter, der es mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt – und die Nachbarschaft tuschelt.
Ein Gesetz, das Prahlen verbietet, gibt es natürlich nicht. Es steht jedem frei, den Gewinn öffentlich zu machen. Nur gibt es genügend abschreckende Beispiele: Gewinner, die wochenlang von der Presse verfolgt wurden, deren Privatleben in Zeitungen und im Fernsehen bis ins Detail ausgebreitet wurde.
Der Verräter steht meist in der Einfahrt
Man muss kein Wort sagen und sich trotzdem verraten. Wer nach dem Gewinn eine Villa bezieht und zwei Sportwagen davorstellt, braucht sich über Fragen nicht zu wundern. Dauernde Fernreisen wirken genauso.
Wer unauffällig bleiben will, hält sich im Alltag zurück. Das heißt aber nicht, dass die Millionen auf dem Konto versauern müssen. Sinnvoll ist vor allem, den Gewinn anzulegen – und alte Schulden abzutragen. Ein Hauskredit, der auf einen Schlag getilgt wird, fällt im Bekanntenkreis kaum auf.
Und wenn es doch der Sportwagen sein soll: Zumindest die Höhe des Gewinns lässt sich verschweigen. Ein Sechser im sechsstelligen Bereich erklärt das Auto vor der Tür ebenso gut wie ein achtstelliger Betrag – nur muss man dann nicht den ganzen Kontostand offenlegen. Wer allen Fragen aus dem Weg gehen will, zieht in eine andere Stadt.
Vorsicht: zu geheim geht auch
Es gibt eine Grenze, an der Diskretion teuer wird. Wer alle Zahlen richtig tippt, den Schein aber innerhalb von drei Jahren nicht einlöst, verliert alles. Danach verfällt der Gewinn – und ja, das ist bei geknackten Jackpots tatsächlich schon passiert.
Für Online-Spieler existiert dieses Problem nicht: Gewinne werden direkt dem Kundenkonto gutgeschrieben, eine Frist gibt es nicht. Ähnlich funktionieren Spielerkarten der klassischen Lotterien, mit denen Gewinner sofort identifiziert werden können.
Ans Finanzamt muss der Gewinn übrigens nicht gemeldet werden. Er ist steuerfrei – sichtbar werden kann er allerdings später bei größeren Investitionen oder Schenkungen.
Am Ende bleibt es Ihre Entscheidung. Nur eine Sache sollten Sie auf keinen Fall tun: den Schein vergessen.

