Vom Saufgelage zum Stahlkörper: Darts-Profis im Wandel.
Bierbauch war gesternWie Fitness und Disziplin den Kneipensport Darts revolutionieren

Copyright: Steven Paston/PA Wire/dpa
Van Veen (l.) und Humphries sind Vertreter einer neuen Generation. (Archivbild)
Einst war Schnaps der beste Freund der Darts-Profis, heute sind es Hanteln und Laufschuhe. Die Sportart hat sich komplett gedreht – ein ehemaliger Champion erinnert sich an die feuchtfröhlichen Anfänge.
In den Neunzigern war Hochprozentiges im Darts-Zirkus noch völlig normal – und das nicht nur im Publikum. Dennis Priestley, ein früherer Weltmeister, packte mal aus, wie die Spieler damals „flaschenweise“ Jack Daniels kippten. Er selbst habe sich mit vier Bier intus den WM-Titel geschnappt. Die Disziplin, die ihre Wurzeln in den Pubs von Großbritannien hat, konnte ihre Herkunft lange nicht verbergen.
Die Erklärung für den Alkoholkonsum hat der heute 75-jährige Priestley auch parat: „Es beruhigt einfach die Nerven. Man muss einfach genau wissen, wie viel man braucht, um die Nerven zu behalten.“ War Alkohol also eine Art Doping für eine zitterfreie Hand? Priestley ist sich sicher, dass bis heute zahlreiche Profis zum Glas greifen – allerdings heimlich, abseits der Kameras.
Verbands-Chef winkt ab: Kein Alkohol-Thema im Darts
Die aktuellen Stars der Szene weisen solche Vermutungen vehement zurück. Auch der Verband PDC sieht hier keinen Anlass zur Beunruhigung. „Bei uns ist es nicht so, dass wir das Gefühl haben, das kontrollieren zu müssen. Einfach, weil es nichts ist, was außer Kontrolle geraten ist“, teilte Geschäftsführer Matthew Porter vor einiger Zeit gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit, als es um Alkohol im Darts ging. Diese Haltung ist weiterhin aktuell.

Copyright: Sven Hoppe/dpa
Bier nur bei Meisterschaft: Stürmer Harry Kane. (Archivbild)
Der PDC-Chef zog obendrein einen schrägen Vergleich: „Wenn ich Harry Kane wäre und für Bayern spielen würde, könnte ich zwei Bier trinken und dann in der Allianz Arena auflaufen. Nichts in den Regeln hält ihn davon ab“, meinte Porter über den englischen Fußball-Star.
Neue Ära: Fitness statt Fässchen
Das Erscheinungsbild des Darts auf der Bühne hat sich in den letzten Jahrzehnten komplett gewandelt. In modernen, bis auf den letzten Platz gefüllten Hallen betreten die Profis zu lauten Einlaufsongs riesige Podeste. Ihre Auftritte sind eine Mischung aus Spitzensport und großer Unterhaltung.
Die heutigen Top-Spieler sind nicht mehr mehrheitlich zwischen 40 und 60 Jahre alt und haben einen Bierbauch. Viele von ihnen sind jung und durchtrainiert. Ist körperliche Verfassung der neue entscheidende Faktor im Darts? Gian van Veen, Vize-Weltmeister und mit 24 Jahren selbst Teil der neuen Garde, betrachtet eine gesunde Lebensweise und viel Training jenseits der Scheibe als fundamental.

Copyright: John Walton/PA Wire/dpa
Wesley Plaisier trat vergangenes Jahr bei der WM an. (Archivbild)
Van Veen aus den Niederlanden und der Engländer Luke Humphries sind Paradebeispiele für diesen neuen Spielertyp. Humphries verlor mehr als 30 Kilogramm, bevor er an die absolute Weltspitze gelangte und 2024 zum ersten Mal Weltmeister wurde. „Es war eine bewusste Entscheidung, weil mich mein Übergewicht an den langen Darts-Tagen beeinträchtigt hat“, erklärte Humphries gegenüber der „Bild“.
Muskelmänner und Marathon-Asse am Oche
Doch der Engländer ist mit dieser Einstellung kein Einzelfall. Das walisische Kraftpaket Gerwyn Price schwört auf Hanteltraining. Zahlreiche Profis halten sich mit Joggen fit. Der Schotte Alan Soutar hat sogar einen Marathon absolviert. Die physische Fitness wird auf den großen Bühnen immer wichtiger. „Mich hat es damals müde und kaputt gemacht. Aber bei manchen anderen Spielern ist das eigentlich egal“, kommentierte Humphries die Bedeutung des Gewichts.
Denn was die Vielfalt angeht, ist der Darts-Sport im Vorfeld der am Donnerstag startenden Team-WM in Frankfurt nach wie vor einzigartig. Frauen messen sich bei der Weltmeisterschaft im Alexandra Palace in London ganz normal mit Männern. Topfitte Athleten stehen stämmigeren Spielern gegenüber, die in vielen anderen Disziplinen wohl kaum zur Weltelite gehören würden. Die generelle Entwicklung ist aber eindeutig: Die Relevanz von Fitness steigt.

Copyright: picture alliance / Steven Paston/PA Wire/dpa
Als er dominierte, war die Darts-Welt noch eine andere: Phil Taylor. (Archivbild)
Dafür gibt es handfeste Gründe. Der Turnierkalender ist heute viel voller als in den Neunzigern, als die Sportart noch in den Anfängen steckte. Hinzu kommen mehr Reisen; die Stars fliegen mittlerweile auch nach Australien, Asien und Amerika. Überdies hat sich der Wettbewerb massiv verschärft.
Price kontert Spott: „Fühle mich besser als je zuvor“
Zwar gibt es mit dem Engländer Luke Littler (19) ein Jahrhundert-Talent, ähnlich wie einst sein Landsmann Phil Taylor. Doch dass dieser wie „The Power“ Taylor einfach mal 16 WM-Titel einsammelt, ist angesichts der enormen Konkurrenzdichte heutzutage kaum denkbar.
Zunehmend mehr Weltklassespieler ähneln vom Typ her van Veen, Humphries oder Price. Als Letzterer im Dezember 2025 einige Kilos abgenommen hatte und dafür von Vincent van der Voort – einem Kollegen der alten Schule – Spott erntete („wie ein Kind in seinem Hemd“), antwortete Price nur trocken: „Besorgt wegen meines Gewichtsverlusts? Keine Sorge, ich fühle mich besser und sehe besser aus als je zuvor.“ (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
