Die „Wolfsgrube“ ist gefürchtet. Vor dem Finale gegen Dresden erklärt Suhls Trainer, warum seine Halle für Gegner die Hölle ist.
Ein Alptraum für GegnerÜberraschungsteam Suhl empfängt Dresden zum ersten Final-Spiel

Copyright: Uwe Anspach/dpa
Party mit den eigenen Fans gehört bei Suhl dazu. (Archivbild)
Volleyball-Finale: Suhls Halle ein „Alptraum“ – Trainer verrät das Geheimnis des Hexenkessels. Laszlo Hollosy, der Coach des Volleyball-Überraschungsteams VfB Suhl, muss schmunzeln, als er gefragt wird, wie er die heimische Halle „Wolfsgrube“ umschreiben würde. „Für die gegnerischen Mannschaften ist es wohl ein Alptraum. Für uns ist sie natürlich ein echter Energieschub“, erklärte der Ungar, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Dieser Effekt soll auch am Mittwochabend (19.00 Uhr/Dyn) zünden, wenn die Pokalsiegerinnen den Dresdner SC zum ersten Spiel der Finalserie um die deutsche Meisterschaft in Thüringen empfangen.
„Jeder Verein ist stolz auf seine Fans. Aber ich denke, wir haben hier in Deutschland die leidenschaftlichsten Fans“, meint Hollosy. Nach einem Sieg greift Mittelblockerin Laura Berger oft zum Megafon. Dann schmettert sie mit den etwa 1.800 Anhängern das „Humba täterä“ und es wird gemeinsam gejubelt.

Copyright: Uwe Anspach/dpa
Wollen wieder jubeln: Roosa Laakkonen (l) und Trainer Laszlo Hollosy. (Archivbild)
Ein Plan, der funktioniert
Die Stärke in der eigenen Halle ist nur ein Faktor für den erstmaligen Einzug des „Wolfsrudels“ ins Bundesliga-Finale. Dass die Mannschaft aus Thüringen nun das Double anpeilt, kommt zwar unerwartet, ist aber das Resultat eines konsequenten Aufbauprozesses.
Trainer Hollosy blickt auf seine erste Unterhaltung mit Geschäftsführer Alexander Mantlik im Jahr 2020 zurück. „Er hat mir gesagt, dass sie einen Dreijahresvertrag mit mir abschließen wollen.“ Eine ungewöhnliche Laufzeit in der schnelllebigen Volleyball-Branche. Mantlik verfolgte jedoch eine klare Vorstellung. „Er hatte einen klaren Plan, nämlich ein Playoff-Team aufzubauen.“
Schon in der Premierensaison funktionierte das, und seither ging es stetig bergauf. „Ich habe das Motto, dass Erfolg eine Konsequenz ist und kein Ziel“, so Hollosy. Der Verein wurde schrittweise professioneller, unterstützt von loyalen Geldgebern. Der Etat bleibt zwar geringer als bei der Konkurrenz aus Stuttgart, Dresden oder Schwerin. Doch der VfB beweist ein Händchen dafür, weniger bekannte Spielerinnen zu holen und sie zu Top-Athletinnen zu formen.
In Suhl stimmt einfach der Mix
Auch Hollosy selbst hat sich an die deutsche Volleyball-Mentalität und die neue Generation von Spielerinnen angepasst. „Als ich meine Trainerkarriere begann, waren die Trainer vielleicht strenger, oder die Sportlerinnen hatten nicht allzu viel Mitspracherecht“, reflektiert der 49-Jährige. „Bei dieser neuen Generation glaube ich, dass man mehr auf die Spielerinnen eingehen muss.“

Copyright: Uwe Anspach/dpa
Den Pokal haben sich die Thüringerinnen schon geholt. (Archivbild)
In der Mannschaft stimmt in dieser Spielzeit die Mischung: Mit Kapitänin Roosa Laakonen und Lara Nagels sind routinierte Führungsfiguren an Bord geblieben. Die neu geholte Monika Brancuska stieg zur besten Punktesammlerin der Liga auf. Ebenso haben sich Mackenzie Foley und Hannah Hartmann zu unverzichtbaren Stützen des Teams entwickelt.
Dresden baut auf die eigene Jugend
Für Suhl ist es die erste Finalteilnahme, wohingegen die Frauen aus Sachsen bereits ihren siebten Meistertitel anpeilen. In der Vorschlussrunde eliminierte der Vizemeister unter Coach Alexander Waibl den Top-Favoriten aus Stuttgart.
Der 58-jährige Waibl, seit 17 Spielzeiten bei Dresden, rechnet bei diesem ersten mitteldeutschen Endspiel mit einer hart umkämpften Serie. „Suhl war für mich die stärkste Mannschaft der Rückrunde, sie schwimmen auf einer Welle“, äußerte Waibl. „Aber auch wir haben uns in den Playoffs weiter gesteigert, verfügen über viel Talent und die Mannschaft gibt nie auf.“

Copyright: Uwe Anspach/dpa
Dresdens Chefcoach Alexander Waibl und der DSC sind erfahren, was Finalspiele angeht. (Archivbild)
Waibl ist besonders erfreut darüber, wie konsequent der DSC weiterhin auf die eigene Jugend baut. Mit Patricia Nestler, Mette Pfeffer, Florentine Rosemann, Larissa Winter und Teresa Ziegenbalg gehören fünf Athletinnen aus der clubeigenen Talentschmiede zum Aufgebot. Das ist eine außergewöhnlich große Anzahl für die Bundesliga.
Wer hat den größeren Druck?
Die Favoritenrolle und damit die Last sieht Hollosy wegen der Vergangenheit eindeutig bei Dresden. Sein Team hat in dieser Spielzeit zur Genüge gezeigt, dass es mit schwierigen Lagen zurechtkommt und Top-Gegner bezwingen kann. Das war im Pokalendspiel gegen Stuttgart so, in den Playoff-Duellen mit Titelverteidiger Schwerin und ebenso gegen den DSC. Im Halbfinale des Pokals triumphierte Suhl nach Tiebreak.
Auch in der Liga verliefen beide Duelle eng. Zweimal siegte Dresden mit 3:2. „Wir müssen gut vorbereitet sein. Und am Ende weiß nur Gott, wer die Besten sein werden“, lautet Hollosys Vorhersage. Die Mannschaft, die zuerst drei Siege holt, sichert sich die Meisterschaft. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
