Jetzt ist es endgültig klar: Alexander Zverev wird zum Jahresende die Nummer eins der Welt im Tennis sein. Das hat selbst Boris Becker nie geschafft.
Jetzt auch ganz offiziellZverev wird Nummer eins – die Zahlen zu seinem Erfolg
Die Rechnerei hat ein Ende, Alexander Zverevs Traum von der Nummer eins geht in Erfüllung: Der deutsche Topspieler wird am Jahresende auf dem Tennisthron sitzen. Der Sieger der French Open und US Open profitierte von einer Niederlage des Spaniers Carlos Alcaraz in Shanghai und kann sich nun auch offiziell über das Erreichen des nächsten Meilensteins in seiner Karriere freuen.
„Es ist eine fantastische Saison für mich – ich habe in Paris und New York gewonnen, und zu wissen, dass ich das Jahr an der Spitze der Rangliste beenden werde, ist einfach ein wahr gewordener Traum“, sagte Zverev und erinnerte an seine schwere Verletzung 2022, nach der er um die Fortsetzung seiner Karriere hatte bangen müssen: „Wir haben so viel Arbeit und Mühe investiert, um dieses Ziel zu erreichen, insbesondere bei der Rückkehr nach der Knöchelverletzung.“
„Die höchste Errungenschaft in unserem Sport“
Für den finalen Schritt musste er an seinem spielfreien Montag in der chinesischen 25-Millionen-Metropole gar nichts mehr tun. Alcaraz unterlag bei dem Mastersevent dem stark aufspielenden Belgier Zizou Bergs 5:7, 6:7 (4:7) - und sorgte damit ungewollt für mathematische Klarheit. Laut Berechnungen der Spielerorganisation ATP kann auch der Spanier Zverev nicht mehr abfangen. Zuvor war der US-Amerikaner Ben Shelton ausgeschieden, der wie Alcaraz noch theoretische Chancen auf die Spitzenposition zum Jahreswechsel gehabt hätte.
„Saschas Jahr“, schrieb die ATP über ihren Glückwunschspost und wies auf eine weitere Besonderheit hin: Zverev steht zwar als zweiter Deutscher nach Boris Becker 1991 ganz oben, doch als erster schließt er eine Saison an der Spitze ab. Dafür gibt es einen hübschen Pokal und einen weiteren Eintrag in die Tennis-Geschichtsbücher. „Die Saison als Nummer eins zum Jahresende abzuschließen, ist die höchste Errungenschaft in unserem Sport“, sagte ATP-Chef Andrea Gaudenzi. Dass dies Zverev im Alter von 29 Jahren erstmals gelinge, zeuge „von seiner Hartnäckigkeit und Entschlossenheit“.
Praktisch hatte Zverev spätestens nach dem vorzeitigen Saisonende von Jannik Sinner, der aktuellen Nummer eins der Welt aus Südtirol, mit seinem Sprung an die Spitze rechnen können. Er wird der 30. Spieler, dem dies seit Einführung des Rankings 1973 gelingt. Becker hatte vor 35 Jahren für insgesamt zwölf Wochen die Führung inne.
Der früheste Zeitpunkt, um an Sinner vorbeizuziehen, ist für Zverev das ATP-Turnier in Wien. Er braucht in Shanghai, wo er am Dienstag (nicht vor 12 Uhr/Sky) im Achtelfinale auf Alexander Bublik trifft, dafür mindestens einen Finaleinzug, um mit einem Triumph in der österreichischen Hauptstadt Geschichte zu schreiben und bereits am 2. November auf der Eins zu stehen.
Das deutsche Idol Becker hatte schon am 6. Oktober vor Zverev virtuell den Hut gezogen, als das Saisonaus von Sinner bekannt geworden war. „Glückwunsch Sascha“, schrieb der sechsmalige Grand-Slam-Sieger bei X damals. Spätestens jetzt kann sich Zverev auch wirklich über das nächste große Karrierehighlight in einer außergewöhnlichen Saison freuen. (sid)
Das sind die Zahlen zu Zverevs Erfolg
- 2: Als zweiter Deutscher hat es Zverev an die Spitze geschafft. Zuvor gelang dies nur Boris Becker, der 1991 zweimal für insgesamt zwölf Wochen auf Platz eins stand, allerdings nicht am Jahresende.
- 8: Seit Jahren spielt Zverev konstant in der Weltspitze mit, achtmal stand er am Jahresende unter den Top 10, fünfmal unter den besten fünf. 2024 beendete er die Saison auf Platz zwei. Die Nummer eins ist auch die Belohnung für seine Hartnäckigkeit.
- 20: Für die Spielerorganisation ATP ist der erste Platz am Jahresende die „ultimative Errungenschaft“ im Tennis. Dafür gibt es sogar einen Pokal. Novak Djokovic hat ihn als Rekordhalter achtmal gewonnen, Zverev ist der 20. Spieler seit 1973, der am Jahresende vorne steht.
- 29: Zverev wird der älteste Spieler, dem dieses Kunststück zum ersten Mal gelingt. Am 23. November, dem Tag, an dem die ATP ihre Jahresendwertung veröffentlicht, wird er 29 Jahre und 217 Tage alt sein und damit drei Tage älter als Andre Agassi im Jahr 1999 (29 Jahre, 214 Tage) sowie 20 Tage älter als Andy Murray im Jahr 2016 (29 Jahre, 197 Tage).
- 30: Seit Einführung der ATP-Weltrangliste gab es bislang 29 Spieler, die auf Platz eins standen, der erste war der Rumäne Ilie Nastase, Zverev wird die Nummer 30. Am längsten stand Djokovic ganz oben (428 Wochen).
- 60: Niemand hat in diesem Jahr auch nur annähernd so viele Matches gewonnen wie Alexander Zverev. Vor dem Achtelfinale des Masters in Shanghai am Dienstag gegen Alexander Bublik stand er bei 60 Siegen, dahinter folgen mit Abstand der derzeit noch führende, aber verletzte Italiener Jannik Sinner und Frances Tiafoe aus den USA (je 44).
