Timo Boll ist Deutschlands Mister Tischtennis. Bei Olympia gewann er vier Medaillen, jetzt spielt er in einem Hollywood-Film mit. Zur Oscar-Verleihung geht er aber nicht.
Für neun Oscars nominiertDeutscher Olympia-Held in Hollywood: „Kein Vergleich zu Forrest Gump“

Copyright: IMAGO/Eibner
Timo Boll kennt sich mit Auszeichnungen, wie hier dem Lifetime-Award bei der Wahl zum Sportler des Jahres 2025, aus.
Bollywood beinahe wortwörtlich: Tischtennis-Idol Timo Boll flimmert in Kürze als Hobby-Schauspieler im oscarverdächtigen Hollywood-Film „Marty Supreme“ über die deutschen Kinoleinwände.
„Der Film ist ein bisschen verrückt“, sagte Boll in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ rund vier Wochen vor dem Start des für neun Oscars nominierten Streifens in deutschen Filmpalästen (26. Februar): „Dafür, das alles mal gesehen und erlebt zu haben und im Abspann genannt zu werden, hat es sich schon gelohnt. Ich bin stolz, dass ich dabei sein durfte.“
Timo Boll: „Weil er ein großer Fan von mir ist ...“
Deutschlands erfolgreichstes Tischtennis-Ass stellt in dem fiktional in den 50er Jahren spielenden Streifen über den früheren US-Tischtennisstar Marty Reisman einen tschechischen Kontrahenten des Titelhelden dar. „Von den fünf Ballwechseln, die wir gedreht haben, kommt nur einer im Film vor. Ich sage auch einen kurzen Satz“, beschrieb Boll den Umfang seines Auftritts.
Seinen Ausflug ins Filmgeschäft verdankt der 44-Jährige dem US-Regisseur Josh Safdie. Der Filmemacher sei „ein großer Tischtennis-Fan. Er wollte im Film Spieler haben, die ein bisschen spielen können, und weil er ein großer Fan von mir ist und privat den gleichen Schläger spielt wie ich, hat er mir eine kleine Rolle gegeben“, beschrieb Boll die Hintergründe seines ungewöhnlichen Nebenjobs.
Für die Dreharbeiten reiste Boll, der vier Olympische Medaillen in seiner beispiellosen Karriere gewann, in der vergangenen Saison während einer Spielpause auf seiner Abschiedstournee für 14 Tage nach New York. Am Set, berichtete der frühere Weltranglistenerste, „habe ich erstmal eine Woche lang nur geprobt. Wir mussten mit Sandpapierschlägern spielen, Originale wie in den 50er Jahren. Da musste ich meine Technik umstellen. Bevor gedreht wurde, habe ich Timothée Chalamet die Ballwechsel erstmal vorgespielt. Jeder Ballwechsel war gescriptet.“
Trotz einer Anfrage der US-Schauspielergewerkschaft aufgrund „genug Bildschirmzeit für eine Aufnahme“ hält Boll seine Gastrolle für ein einmaliges Erlebnis: „Ich glaube, in dieser Hinsicht ist der Zug für mich abgefahren. Das ist wie im Sport: Wenn du nicht früh genug dabei bist und ohnehin nicht so talentiert bist, wird’s schwer.“
So sieht Timo Boll in dem Hollywood-Film aus:
Zur Oscar-Verleihung am 15. März wird der Nebendarsteller nicht persönlich nach Los Angeles reisen, „aber ich werde richtig mitfiebern und Josh und Timothée und der ganzen Crew die Daumen drücken“. Der Film ist für neun Oscars nominiert, darunter für den besten Film, den besten Hauptdarsteller, der besten Regie und das beste Originaldrehbuch.
„Da ich in meiner Rolle Tischtennis spielen sollte wie in den 50er Jahren, musste ich die erste Woche viel trainieren, um mir diesen Stil anzugewöhnen“, sagte der 44-Jährige zudem der „Rheinischen Post“. „Zudem musste ich mit Timothée die gescripteten Ballwege einstudieren.“
Der Sportler sagte, der Dreh sei für ihn als Laien-Schauspieler ungewohnt und deshalb auch sehr anstrengend gewesen. „Teilweise haben wir bis 2.00 Uhr nachts gedreht. Und nach meiner dreistündigen Aufnahme mit Timothée hatte ich auch Muskelkater am nächsten Tag.“
Mit dem Resultat ist Boll aber zufrieden. Die Sport-Szenen können seiner Meinung nach mit einem sehr erfolgreichen Vorbild mithalten: „Mir haben die Tischtennis-Szenen sehr gut gefallen. Das war kein Vergleich zu Forrest Gump.“ Ein gutes Omen? Der Kult-Film aus dem Jahr 1994 mit Tom Hanks in der Hauptrolle wurde mit sechs Oscars ausgezeichnet und war für sieben weitere Oscars nominiert. (sid/dpa/can)

