Tränen bei Siegerehrung Sarah Köhler holt Medaille und beendet 13 Jahre lange Durststrecke

Sarah Köhler bejubelt bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio Bronze über 1500 Meter Freistil.

Sarah Köhler bejubelt bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio Bronze über 1500 Meter Freistil.

Sarah Köhler gewinnt die nächste Medaille für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio. Damit endet eine 13 Jahre währende Durststrecke für die deutschen Schwimmer.

Tokio. Nächste Medaille für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio – und was für eine! Erstmals seit 13 Jahren holten die Schwimmer wieder Edelmetall. Sarah Köhler gewann Bronze.

Größter Schwimm-Erfolg für Sarah Köhler

Bei Sarah Köhler kullerten nach ihrem größten Erfolg und dem Ende der 13 Jahre langen Olympia-Tristesse der deutschen Beckenschwimmer die Freudentränen. Die Vize-Weltmeisterin hat über 1500 Meter Freistil die Bronzemedaille gewonnen und damit die erste deutsche Medaille seit Doppelgold von Britta Steffen 2008.

In klarer deutscher Rekordzeit musste sich die Verlobte von Florian Wellbrock nur den Amerikanerinnen Katie Ledecky und Erica Sullivan geschlagen geben. „Ich wollte unbedingt diese Medaille und habe versucht, den Schmerz zu ignorieren“, sagte die 27-Jährige.

Britta Steffen feiert Sarah Köhler

Die tief gerührte Köhler warf Kusshände zu den Teamkollegen auf der Tribüne, wo die 15:42,91 Minuten lautstark bejubelt wurden. „Ab 900 etwa tat es richtig weh, irgendwann ist es ein Kampf gegen den inneren Schweinehund“, berichtete Köhler am Mittwoch im ZDF. Sie grüßte Britta Steffen, die in der Heimat mitgefiebert hatte. „Ich bin stolz wie eine ältere Schwester auf ihre jüngere. Sie hat das fantastisch gemeistert“, erklärte Steffen.

Der Sieg ging an Ledecky, die in 15:37,34 Minuten zu ihrem sechsten Olympiasieg schwamm. Silber sicherte sich ihre US-Teamkollegin Sullivan – und dann kam Köhler, die rund sechs Sekunden unter ihrer deutschen Bestmarke blieb. „Ich weiß gerade selber nicht genau, was ich sagen soll. Ich habe die Chance einfach genutzt“, sagte Köhler. Bei der Siegerehrung küsste sie ihre Medaille, dann setzte sie wieder ihre Maske auf. Wenig später weinte sie auch in den Armen von Bundestrainer Bernd Berkhahn.

Britta Steffen holte 2008 letzte deutsche Schwimm-Medaillen

Nach dem starken Vorlauf von Florian Wellbrock über 800 Meter Freistil hofft der Deutsche Schwimm-Verband am Donnerstag auf die nächste Medaille seit dem Doppelsieg von Britta Steffen im Jahr 2008. Steffen war zuvor die letzte deutsche Beckenschwimmerin bei einer olympischen Siegerehrung. Dort hin schaffte es Deutschlands Freistil-Staffel über 4 x 200 Meter nicht, aber die Herren war auch nach Rang sieben beim Sieg von Großbritannien zufrieden.

Am Tag vor dem Auftritt ihres Verlobten zeigte Köhler einen herausragenden Auftritt. Die Athletensprecherin steigerte sich im Vergleich zu ihren Vorleistungen klar. Wie Wellbrock zählt auch Köhler zur Trainingsgruppe von Bundestrainer Berkhahn in Magdeburg, wohin sie im Sommer 2018 gewechselt war. Dort glückte ihr ein Leistungssprung. Der Vize-Weltmeisterschaft über 1500 Meter Freistil und dem Titel mit der Freiwasserstaffel im Sommer 2019 folgte ein Kurzbahn-Weltrekord über 1500 Meter Freistil im Winter. Als Olympia 2020 wegen der Corona-Pandemie verschoben wurde, verlegte die Jura-Studentin auch ihr Staatsexamen um ein Jahr nach hinten.

Franziska Hentke steht vor Karriere-Ende

Im Gegensatz zu Köhler schaffte es die WM-Vierte Franziska Hentke (32) nicht ins Finale und steht vor dem Ende ihrer Karriere. Nach dem Halbfinal-Aus über 200 Meter Schmetterling sagte die langjährige Leistungsträgerin der deutschen Schwimmer: „Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wird das das letzte Rennen gewesen sein.“ Hentke hatte als 13. mit einer Zeit von 2:10,89 Minuten den Endlauf verpasst. „Ich würde es gerne erklären, aber ich kann es nicht.“

Hentke war 2017 Vizeweltmeisterin und 2016 Europameisterin über ihre Paradedistanz geworden. In 2:05,26 Minuten hält sie den nationalen Rekord. „Fakt ist, dass 2:10 absolut nichts ist und ich es aktuell nicht erklären kann“, sagte die Magdeburgerin sichtlich niedergeschlagen und mit leiser Stimme über ihre Zeit. (dpa)

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