„Notfalls sterbe ich mit ihr“ Mutter von deutschem Olympia-Boxer soll abgeschoben werden

Ammar Riad Abduljabbaer (r.) boxte im olympischen Viertelfinale in Tokio am 30. Juli 2021 gegen Muslim Gadschimagomedow (Russland).

Ammar Riad Abduljabbaer (r.) verlor im olympischen Viertelfinale am 30. Juli 2021 gegen Muslim Gadschimagomedow (Russland).

Olympia-Boxer Ammar Abduljabbar (25) ist Deutschland dankbar, dass das Land ihm die Chance für seine sportliche Karriere gab. Doch jetzt darf seine Mutter nicht mehr bleiben. Nun lebt der Schwergewichtler in Angst um seine Familie.

Hamburg. Aus dem Bürgerkrieg des Irak zur Olympiateilnahme unter der Flagge der Bundesrepublik Deutschland – und vielleicht wieder zurück in das Chaos im Irak? Schwergewichtsboxer Ammar Abduljabbar (25) erzählte in der Sendung „deep und deutlich“ von Hiphop-Star Mo Trip seine beeindruckende Lebensgeschichte – und erklärte auf erschütternde Weise, warum er um das Leben seiner Mutter bangt.

Abduljabbaer hatte es bei Olympia ins Viertelfinale geschafft, unterlag dort dem amtierenden Weltmeister und späteren Silbermedaillengewinner Muslim Gadschimagomedow (Russland).

Ammar Riad Abduljabbar bei der Begrüßung der Team Hamburg Olympia-Teilnehmer in der Team Hamburg Lounge auf der Dachterrasse der Handeslkammer Hamburg.

Ammar Riad Abduljabbar am 2. August 2021 bei der Begrüßung der Team Hamburg Olympia-Teilnehmer in der Team Hamburg Lounge.

Doch während der deutsche Meister von 2018 als Mitglied der Bundeswehr für Deutschland kämpft, muss seine Mutter um ihren Aufenthalt in Deutschland bangen. „Mein Bruder und sie dürfen nicht bleiben, sollen abgeschoben werden“, erzählte Abduljabbar.

Mit neun Jahren sorgte Ammar für seine Familie im Irak

Dabei war der Bruder der Grund, warum die Familie überhaupt nach Deutschland kam. „Er konnte nicht gehen, hatte ein Loch im Herz. Ich war seine Beine, trug ihn überall hin“, sagt Abduljabbar. Sein Vater machte sich zu Fuß und mit 200 Dollar in der Tasche auf den Weg nach Deutschland, brauchte sechs Monate. Der 9-Jährige Ammar musste seine Familie durchbringen, verkaufte erst Plastiktüten auf dem Markt, dann kaufte er sich eine Schubkarre und transportierte damit Dinge. „Schule war schwierig, ich musste Geld verdienen, damit wir überleben konnten. Sonst wären wir verhungert.“

Irgendwann konnte der Vater die Familie nachholen, brachte den Sohn zum Boxen. „Ich wusste nicht, was Sport sein sollte. Er aber war Fan von Ali. Ich habe es für ihn gemacht“, sagt Abduljabbar. Bald trainierte er wie besessen, bis zu 15 Stunden in der Woche. Er wurde Hamburger Stadtmeister, durfte aber ohne Aufenthaltstitel nicht überregional antreten.

Abduljabbar: „Ohne das Boxen wäre ich Drogendealer.“

Dann kämpfte er sich hoch bis ins Olympiateam. „Ohne das Boxen wäre ich wohl auf die schiefe Bahn geraten und Drogendealer oder so“, glaubt Abduljabbar. „Doch der Sport hat mich gerettet, jetzt kann ich davon leben.“ In Tokyo dann eine völlig neue Welt. „So viele verschiedene Menschen und alle sind friedlich und für den Sport da. Warum können Menschen nicht immer so leben?“, fragte er.

Zurück in Deutschland aber ist die Wirklichkeit wieder da. Seine Mutter und sein Bruder sollen das Land verlassen. Ammar Abduljabbar: „Meine Mutter kann nicht zurück. Sie wurde bedroht, weil sie ohne Kopftuch hier in Deutschland war. Notfalls gehe ich mit ihr zurück, um zusammen zu sterben.“

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