Er sah Leichen im Wasser treiben Dramatische Flucht vor Taliban: Ayoub (20) startet jetzt als Boxer durch

Ayoub Qalandari ist nach seiner Flucht vor den Taliban ein erfolgreicher Boxer bei Bayer Leverkusen geworden.

Ayoub Qalandari (Bayer Leverkusen, hier im August 2022) wurde bei den Deutschen Meisterschaften im Boxen Dritter.

Er hat eine mehr als bewegende Geschichte hinter sich: Nach der Flucht vor den Taliban und schrecklichen Momenten startet Ayoub Qalandari nun bei Bayer Leverkusen als Boxer durch. 

Nein, diese Bilder wird er nie vergessen: Flucht vor den Taliban im Schlauchboot, Leichen im offenen Meer. Ayoub Qalandari (20) entschied sich im Alter von 15 Jahren mit seiner Familie für die Flucht vor den Taliban in Afghanistan.

Die Eltern verkauften ihre Wohnung, um dem Terror in der Heimat zu entkommen. Es war eine dramatische Flucht, Ayoub erlebte dabei den blanken Horror. 

Boxer Ayoub Qalandari floh vor den Taliban

Zunächst ging es nur darum, zu überleben. Da das Geld nicht für die Flucht von allen Familienmitgliedern reichte, gingen die Eltern in den Iran und Ayoub wurde alleine nach Deutschland geschickt. Dort sollte der geliebte Sohn eine bessere Zukunft haben.

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Auf der Flucht musste der damalige Teenager weite Strecken zu Fuß gehen, es gehörten auch Abschnitte im LKW oder im Auto dazu. Am schlimmsten war dann die Überfahrt von der Türkei nach Griechenland, auf einem Schlauchboot mit 60 Menschen. Ayoub erlebte hautnah, wie Menschen aus dem Boot fielen, er sah auch Leichen im Wasser treiben.

In Deutschland musste sich Ayoub dann durchboxen, im wahrsten Sinne des Wortes. Er begann mit dem Boxsport in Monheim, ging dann zum TSV Bayer Leverkusen.

TSV Bayer Leverkusen: Boxer Ayoub Qalandari feiert Erfolge

Anfang August 2022 wurde er Dritter bei den Deutschen Meisterschaften im Fliegengewicht. Zuvor war er schon dreimal Vizemeister. Und neben dem Boxsport hat Ayoub eine Anstellung als Pfleger auf der „Inneren“ im Langenfelder St. Martinus Krankenhaus gefunden. 

Der 1,60 Meter große und 50 Kilogramm leichte Athlet ist bei den Patientinnen und Patienten dank seiner freundlichen Art äußerst beliebt.

„Ich hatte ja anfangs keinerlei Sprachkenntnisse, wollte aber unbedingt eine Berufsausbildung machen“, so Ayoub. Nach der Gesamtschule in Monheim ging er aufs Berufskolleg. 

Die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger beendete er erfolgreich. Ein Beruf, den er bewusst gewählt hat, denn er will den Menschen etwas zurückgeben. So sammelte er auch in der Fußgängerzone Spenden für andere Geflüchtete. 

In Afghanistan machte er keinen Sport, die Liebe zum Boxen entdeckte er in Deutschland: „Ich habe recht schnell gemerkt, dass ich mit dem Boxen etwas erreichen kann. Dieses Ziel lasse ich nicht aus den Augen.“

Ayoub ist mittlerweile voll angekommen in der neuen Heimat, lebt mit seiner Frau und einem Baby in Monheim. Viermal pro Woche trainiert er in Leverkusen und feilt an seiner Boxtechnik, um immer besser zu werden.

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