ZDF-Breitseite gegen Olympia-Boss Rätsel um verschwundenen Tennis-Star: „Bach macht sich zum Mittäter“

Tennis-Star Peng Shuai (36) schlägt bei den Australian Open auf.

Tennis-Star Peng Shuai (36) ist nach ihrem Verschwinden wieder aufgetaucht. Sie traf sich mit IOC-Chef Thomas Bach. Das Foto zeigt sie bei ihrem Erstrundenmatch der Australian Open 2020.

Nach ihrem Verschwinden ist Tennis-Star Peng Shuai nun wieder aufgetaucht. Nach einem Essen mit IOC-Präsident Thomas Bach gab sie ein Interview – und bestreitet den sexuellen Übergriff durch einen chinesischen Spitzenpolitiker. Doch es gibt große Zweifel.

Die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai (36) hat während der Olympischen Winterspiele in Peking IOC-Präsident Thomas Bach (68) getroffen. In einem Interview hat sie erneut einen sexuellen Übergriff durch einen chinesischen Spitzenpolitiker bestritten.

Sie habe mit dem Chef des Internationalen Olympischen Komitees am Samstag (5. Februar 2022) zu Abend gegessen, sagte die 36-Jährige in einem am Montag (7. Februar 2022) veröffentlichten Interview der französischen Sporttageszeitung „L'Équipe“.

ZDF-Reporter kritisiert Thomas Bach als „Mittäter“

Das IOC bestätigte das Treffen zwischen Bach, der früheren Athletensprecherin Kirsty Coventry (38) und Peng Shuai, bei der „die drei über ihre gemeinsamen Erfahrungen als Athleten bei Olympischen Spielen gesprochen“ hätten. Über weitere Inhalte des Gesprächs sei zwischen den drei Beteiligten Vertraulichkeit vereinbart worden.

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Doch nicht wenige äußern große Zweifel an den Motiven des Tennis-Stars. Stellvertretend kritisierte der Leiter des Ostasien-Studios des ZDF in Peking das Interview: „Für mich macht sich Thomas Bach damit zum Mittäter der chinesischen Propaganda“, sagte Ulf Röller (58) im Gespräch mit Kathrin Müller-Hohenstein. „Ich sehe da eine Mittäterschaft.“

Olympia 2022: Peng Shuai trifft sich mit IOC-Chef Thomas Bach

„Wir haben viel besprechen und uns angenehm austauschen können“, sagte Peng. Ihr Fall bewegt seit einigen Monaten die Welt, nachdem die frühere Weltranglisten-Erste im Doppel im November im sozialen Netzwerk Weibo Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenpolitiker veröffentlicht hatte.

Der Post wurde bald danach gelöscht, in den sozialen Medien Chinas ist die Tennis-Spielerin und ihr Fall verschwunden. Seither äußerten Sportler, Politiker und Menschenrechtler Sorge um Pengs Wohlergehen. Peng Shuai hatte später bestritten, die Vorwürfe erhoben zu haben. Ihre Aussagen wirkten jedoch gestellt. Der „L'Équipe“ sagte sie nun: „Ich habe niemals gesagt, dass irgendwer mich irgendwie sexuell belästigt hat.“ Erneut sprach sie von einem „enormen Missverständnis“.

Sie sei auch niemals verschwunden gewesen, „jeder konnte mich sehen“, sagte Peng. Auf die Frage, warum der Beitrag verschwunden sei, antwortete sie: „Ich habe ihn gelöscht.“

Auf die Frage, warum sie ihn gelöscht habe, sagte die 36-Jährige: „Warum? Weil ich es wollte.“ Die Mails, die sie an die Spielerinnenorganisation WTA geschickt hat, seien ebenfalls von ihr selbst verfasst worden, sagte sie in dem Interview.

Peng Shuai bestreitet die Vorwürfe der sexuellen Nötigung mittlerweile

Ähnlich hatte sich Peng Ende des Jahres geäußert. In einem Video-Interview der chinesischen Zeitung „Lianhe Zaobao“ aus Singapur bestritt sie, Anschuldigungen eines sexuellen Übergriffs erhoben zu haben. „Ich muss einen Punkt betonen, der äußerst wichtig ist: Ich habe niemals gesagt oder geschrieben, dass mich jemand sexuell angegriffen hat. Das muss ich mit Nachdruck feststellen“, sagte sie.

Weil ihr zuvor die Signale aus China nicht ausgereicht hatten, hatte die Damen-Tour WTA Anfang Dezember alle Turniere in China und Hongkong ausgesetzt, obwohl China ein wichtiger Geldgeber ist.

Der IOC-Mitteilung zufolge kündigte Peng einen Besuch am IOC-Sitz in Lausanne an. Sie wolle nach Europa reisen, wenn es die Corona-Pandemie wieder möglich mache, hieß es in der Stellungnahme. Coventry und Peng Shuai hätten vereinbart, in Kontakt zu bleiben.

Mit ihrer Rückkehr auf die Tennis-Tour rechnet die frühere Weltranglisten-Erste im Doppel nicht mehr. Mit Blick auf ihr Alter, ihre zahlreichen Operationen und die Coronavirus-Pandemie sei es nur sehr schwer vorstellbar, dass sie noch einmal ihr gewohntes Niveau erreiche. Sie habe zuletzt auch nicht mehr trainiert, bleibe „im Herzen aber immer eine professionelle Tennisspielerin“, sagte Peng.

„Peng Shuai wurde zum Schweigen gebracht.“

Doch Menschenrechtler wie Medien fragen sich, wie sehr Peng Shuai unter Druck gesetzt und zu diesen Aussagen gedrängt wird. Denn mit ihren Vorwürfen hatte sie ein Tabu gebrochen, einen Mann aus dem Führungszirkel der chinesischen KP angegriffen. ZDF-Mann Röller: Die Machtelite hat sie zum Schweigen gebracht. Sexueller Missbrauch wird in dieser männerdominierten Gesellschaft nur selten thematisiert. Und dieser Fall ist ein ganz schlechtes Zeichen."

Das IOC hält sich aus diesen Diskussionen natürlich raus. Man seine Sportorganisation und nicht verantwortlich für solche Dinge, sagte ein Sprecher. (ach/dpa)

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