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„So ein Gespräch in Zukunft nicht mehr führen“ Sportchef erklärt, was hinter der Frauen-Offensive von Sky steckt

Sportchef Charly Classen spricht derzeit viel über die neue Frauensport-Offensive von Sky. Für die Zukunft wünscht er sich jedoch etwas anderes: „Mein Wunsch ist, dass wir so ein Gespräch in Zukunft nicht mehr führen.“ (Bild: Sky)

Sportchef Charly Classen, hier auf einem undatierten Foto, spricht derzeit viel über die neue Frauensport-Offensive von Sky.

Zusätzliche Berichterstattungen, mehr Live-Übertragungen und eine Doku-Offensive: Sky möchte dem professionellen Frauensport eine größere Bühne bieten. Was genau geplant ist, verraten Sport-Chef Charly Classen und Stefanie Mirlach, Head of Project Management Sports bei Sky, im Doppelinterview.

Durchschnittlich 17,897 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer und ein Marktanteil von 64,8 Prozent im Ersten: Das Finale von Wembley brach am 31. Juli sämtliche Rekorde. Wer dieser Tage über die zukünftige Berichterstattung im Frauensport spricht, kommt an dem großen Interesse an der vergangenen Fußball-Europameisterschaft der Frauen nicht vorbei.

Auch Charly Classen, Executive Vice President Sports, verantwortlich für den gesamten Sportbereich bei Sky Deutschland, ist beeindruckt von den Zahlen.

Sky: Neue Offensive soll Frauenfußball-Entwicklung Rechnung tragen

„Dass die Fußball-EM der Frauen so erfolgreich sein wird, damit hat niemand gerechnet“, sagt er. Das Unternehmen mit Sitz in Unterföhring bei München stellt jedoch schon länger ein wachsendes Interesse an dem einst so belächelten weiblichen Profi-Sport fest. Bei Sky soll eine neue Offensive dieser Entwicklung Rechnung tragen.

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Bereits seit Anfang des Jahres berichtet der Sportnachrichtensender Sky Sports News über die Ergebnisse der Frauen-Bundesliga. Das Format „Transfer Update“ bezieht auch Vereinswechsel von Profi-Sportlerinnen in die Berichterstattung ein.

Hinzukommt ein deutlicher Ausbau der Übertragungsrechte. „Seit einem Jahr übertragen wir den DFB-Pokal der Frauen“, zählt Classen auf: „Wir haben im Golf die Ladies European Tour und die Leichtathletik ins Programm genommen, wo Männer und Frauen antreten.“

Anfang September wird mit der Übertragung der englischen Women Super League zudem die „stärkste Fußball-Liga in Europa“ hinzukommen, wie die ehemalige Profi-Fußballerin und Head of Project Management Sports bei Sky, Stefanie Mirlach, ergänzt.

Doku-Offensive soll breites Publikum begeistern

„Der Ansatz ist, dass es irgendwann völlig normal ist, über Frauensport zu berichten“, fährt Mirlach fort: „Dass wir den Sport, egal ob Männer- oder Frauensport, bestmöglich präsentieren.“ Aktuell macht der Männersport hierzulande nach wie vor rund 90 Prozent der Berichterstattung aus. Umso wichtiger sei es, laut Mirlach, mit „Leuchttürmen und Specials“ das Interesse einer neuen Zielgruppe zu wecken.

Dafür setzt der Pay-TV-Anbieter verstärkt auch auf Dokumentationen: Das relativ neue Magazin „#GameCHANGERINNEN“ (Sky Sport News) etwa stellt bewusst den Frauensport und seine Athletinnen und Sportlerinnen in Vordergrund. Die Live-Schalten ins DFB-Trainingslager der Frauen oder Gespräche mit Profis wie der ehemaligen Fußball-Nationalspielerin Navina Omilade kamen dabei so gut an, dass sich die Zuschauerzahl von der ersten Sendung im Juni auf die zweite Sendung im Juli verdoppelte.

Das Logo des Sky-Magazins „#GameCHANGERINNEN“

Das neue Magazin „#GameCHANGERINNEN“ erwies sich bereits als voller Erfolg: Von der ersten auf die zweite Sendung hat sich der Interessentenkreis verdoppelt.

Andere Formate wie „Born for this – mehr als Fußball“, ein Gemeinschaftsprojekt von ARD, Sky und Magenta TV, und die Dokumentation „Ein starkes Team – Die Frauen von RB Leipzig“ setzten hingegen auf die persönlichen Lebensgeschichten der Fußballspielerinnen und stellten so eine große Nahbarkeit her. Diese sei ohnehin eine der Stärken, die den Profisport der Frauen von dem der Männer abhebe, wie Mirlach betont. Die gute Zusammenarbeit mit RB Leipzig soll nun sogar auf eine weitere Saison ausgedehnt werden.

Sky zeigt W Series im Anschluss an Formel-1-Qualifying

Darüber hinaus schaffte es Sky Sport F1, den Männersport als Sprungbrett für mehr Zulauf zum Frauensport zu nutzen: Seit anderthalb Jahren überträgt der Sender die W Series, eine internationale Automobilrennserie für Frauen, direkt im Anschluss an das Formel-1-Qualifying der Männer. „Das heißt, wir haben schon ein breites Publikum, das ohnehin schon diesen Sender schaut und direkt im Anschluss für die W Series dran bleibt“, erklärt Classen. Durch diesen Publikumszulauf konnte nach seiner Aussage allein 2022 mehr als eine halbe Million Menschen erreicht werden.

„Vor fünf, sechs Jahren waren die Argumente, warum man sich nicht mit Frauensport beschäftigt, dass das Niveau noch zu schlecht sei“, fasst Stefanie Mirlach alte Vorurteile zusammen: „Aber diese Argumente sind langsam überholt.“ Dennoch sei es wichtig, das Publikum an die Hand zu nehmen und zu den Programmen zu führen: „Das versuchen wir über die spezifische Platzierung oder über Alleinstellungsmerkmal-Slots“, erklärt sie: „Den DFB-Pokal der Frauen zeigen wir zum Beispiel immer montags, wenn keine Spiele aus der Männer-Bundesliga laufen.“

Wirtschaftliche Interessen und gesellschaftliche Verantwortung

Doch warum macht sich ein etablierter Sportberichterstatter wie Sky überhaupt die Mühe, den Frauensport medial zu unterstützen? Diese Frage lässt sich zuallererst von wirtschaftlicher Seite beantworten: „Wir haben das Wachstumspotenzial gesehen, und wir sind fest davon überzeugt, dass wir damit auch Geld verdienen können“, sagt Classen.

Im Vereinigten Königreich, zu dem auch der letzte EM-Gastgeber England gehört, hat sich das Zuschauerinteresse am Frauenfußball im ersten Quartal 2022 mit 15 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern nahezu verdreifacht. Auch das Sky Frauensport-Portfolio verzeichnete in puncto Zuschaueranteile erste Erfolge: Beim DFB-Pokal der Frauen verzeichnete das Angebot eine Steigerung von 253 Prozent im Saisonverlauf von der Übertragung der ersten Runde bis zum Finale.

Ein weiterer Grund ist die gesellschaftliche Verantwortung, welche Sky bei sich sieht: Unter dem Motto „What you can see, you can be“ („Was du sehen kannst, kannst du auch sein“) achte Sky vermehrt darauf, dem jüngeren Publikum weibliche Vorbilder zu präsentieren, erklärt Mirlach.

Dafür wurde unter anderem der neue Instagram-Account „skysportwomen“ ins Leben gerufen: Auf der Seite, der 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen folgen, wird ausschließlich über Themen aus dem Frauensport berichtet.

Sky wünscht sich mehr Kommentatorinnen

In ein paar Jahren könnte diese Ausrichtung auch dem Unternehmen Sky zugutekommen. Denn, wie Charly Classen betont, soll auch das Personal vor und hinter der Kamera von Sky Sport diverser werden.

„Ich spreche zum Beispiel schon recht lange darüber, dass wir gerne eine Kommentatorin im Fußball haben möchten“, erklärt er: „Aber jede Person muss es sich verdienen, dieses Amt auszukleiden. Man muss Leuten eine Chance geben, aber die Leute müssen auch das nötige Wissen und die Erfahrung haben.“ Irgendjemand für die Quote hinzustellen, erachtet er als falsch.

Es sei wichtig, zukünftigen Generationen kompetente Kommentatorinnen als Vorbilder zu präsentieren. Gleichzeitig erfordert dieser Beruf aber auch viel Mut, räumt Classen ein: „Es gibt weiterhin eine Minderheit, die in den sozialen Medien schreit: 'Was für eine schrille Stimme! Sie hat doch gar keine Ahnung!' Es ist absolut okay, sachlich die Meinung zu sagen, aber in diesem Fall wird es sehr oft sehr persönlich und endet in Beschimpfungen. Das muss man aushalten können.“

Sky habe eine große Verantwortung, hinter den betroffenen Personen zu stehen. Ebenso wünscht sich Classen, dass männliche Kollegen den Kommentatorinnen den Rücken stärken. „Gleichzeitig müssen sie aber auch den Mut haben, die Vorreiterrolle auszufüllen, und ich habe einen riesigen Respekt vor allen, die den Mut haben.“

Tabea Kemme und Julia Simic bei Sky im Einsatz

Den ersten Schritt in Richtung einer diverseren Berichterstattung hat der Sender bereits getan: Seit Saisonauftakt Anfang August begleiten die beiden Ex-Nationalspielerinnen Tabea Kemme und Julia Simic als neue Expertinnen die Berichterstattung zum Top-Spiel am Samstag. Bei ihren Einsätzen an der Seite von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und Moderator Sebastian Hellmann wechseln sie sich wöchentlich ab.

Für die Zukunft wünschen sich sowohl Charly Classen als auch Stefanie Mirlach, dass möglichste viele Medienunternehmen auf diesen Zug aufspringen: „Ich wünsche mir, dass Frauen im Sport Normalität sind“, sagt Mirlach und Classen ergänzt: „Mein Wunsch ist, dass wir so ein Gespräch in Zukunft nicht mehr führen müssen.“ (tsch)

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