Blamage für Kiel: Nach 33 Jahren droht das Europa-Aus.
„Charaktertest nicht bestanden“Nach 33 Jahren droht dem THW Kiel das bittere Europa-Aus

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Kiels Trainer Filip Jicha steht am Spielfeldrand. (Archivbild)
Kiels totale Blamage! Fliegt Trainer Jicha jetzt raus? „Charaktertest nicht bestanden“ Was für ein Desaster! Der Handball-Riese THW Kiel liegt am Boden. Eine peinliche Niederlage könnte das Ende einer Ära bedeuten: Nach 33 Jahren droht der Abschied von Europa und der Trainer steht auf der Kippe.
Diese Aussage sitzt! „Charaktertest nicht bestanden“, so das knallharte Urteil von Kreisläufer Hendrik Pekeler. Nach der blamablen 30:34-Pleite am Mittwoch beim Fast-Absteiger GWD Minden ist klar: Die Katastrophen-Saison des Rekordchampions hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Das könnte heftige Folgen haben.
Besonders für Coach Filip Jicha wird es jetzt richtig eng. Geschäftsführer Viktor Szilagyi wich einer klaren Aussage zu dessen Zukunft aus. „So etwas ist nie 100 Prozent sicher“, erklärte der Österreicher gegenüber den „„Kieler Nachrichten““. „Man muss ein gemeinschaftliches Gefühl entwickeln und die gleichen Ziele verfolgen. Das sind die Themen, die wir jetzt besprechen müssen.“ Eine Rückendeckung für den Trainer hört sich anders an.
Europa-Traum geplatzt? Platz fünf ist zu wenig
Aktuell rangieren die Kieler in der Liga zwar auf Rang fünf. Für einen Startplatz im europäischen Geschäft wird das aber höchstwahrscheinlich nicht genügen. Die riesige Möglichkeit, mit einem Triumph in der European League doch noch in die Champions League einzuziehen, hat der THW mit der Endspiel-Pleite gegen die MT Melsungen leichtfertig vergeben.

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Hendrik Pekeler sprach von einem nicht bestandenen Charaktertest. (Archivbild)
Die Situation ist verzwickt. Die Kieler sind nun von der Gnade der Europäischen Handballföderation (EHF) abhängig. Der Grund: Der Bergische HC, Tabellen-14., hat als Verlierer des Pokalfinales gegen die Füchse Berlin bereits einen Platz in der European League sicher. Eine letzte Hoffnung bleibt nur durch ein sogenanntes Upgrade, quasi eine Wildcard.
Allerdings sind mit dem SC Magdeburg, den Füchsen Berlin, Melsungen, der SG Flensburg-Handewitt, dem VfL Gummersbach und dem Bergischen HC schon sechs Mannschaften aus Deutschland für Europa gesetzt. Ein siebter deutscher Teilnehmerplatz für Kiel erscheint daher sehr fraglich, ist aber nicht komplett ausgeschlossen.
33 Jahre Europa: Geht eine große Ära zu Ende?
Der THW Kiel nicht international vertreten? Das ist eine gefühlte Ewigkeit her. Zuletzt verpassten die Norddeutschen das europäische Geschäft, als sie die Spielzeit 1992/93 nur auf dem siebten Rang beendeten. Zum Einordnen: Meister wurde in jenem Jahr die SG Wallau/Massenheim, ein Verein, der mittlerweile in der viertklassigen Regionalliga Hessen antritt.
Seither dominierte der THW den Handball in Europa mit. Zwischen 1995 und 2026 holten sie jeweils viermal den Titel in der Champions League (2007, 2010, 2012 und 2020) sowie in der jetzigen European League (1998, 2002, 2004 und 2019). Diese glorreiche Zeit könnte jetzt ein jähes Ende finden.

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Nationaltorhüter Andreas Wolff drohen vor der Heim-WM nur deutsche Gegner im Ligabetrieb. (Archivbild)
Verletzungspech und keine Entwicklung unter Jicha
Wenn man die Ursachen für die Krise sucht, stößt man sofort auf das enorme Verletzungspech. Wichtige Spieler wie Emil Madsen und Elias Ellefsen á Skipagøtu sind schon länger außer Gefecht. In Minden musste auch Harald Reinkind passen. Während der Partie verletzten sich dann auch noch der junge Rasmus Ankermann (18), Magnus Landin und Rune Dahmke.
Doch das ist nur die halbe Miete. Unter Coach Jicha stagnierte die spielerische Entwicklung, während Konkurrenten wie Magdeburg und Berlin davongezogen sind. Der Respekt vor den früher so dominanten „Zebras“ ist bei den Kontrahenten verschwunden. Drei seiner acht Niederlagen in dieser Spielzeit musste der THW gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte einstecken: Minden, Wetzlar und Stuttgart.
Der absolute Wahnsinn dieser Saison: Ausgerechnet die kriselnden Kieler fügten Meister Magdeburg die bislang einzige Niederlage zu. Ein schwacher Trost. Verliert der THW das letzte Saisonspiel zu Hause am Sonntag (15.00 Uhr/Dyn) gegen den TBV Lemgo Lippe, könnte es sogar auf Rang sechs runtergehen. Eine so schlechte Platzierung gab es für den Verein zuletzt vor 23 Jahren.
Falls der THW in der nächsten Spielzeit wirklich nicht international antritt, hätte dies auch herbe Konsequenzen für das deutsche Nationalteam. Wichtige Stützen der DHB-Auswahl wie Torhüter Andreas Wolff und der neue Mann Julian Köster, der vom VfL Gummersbach kommt, würden vor der Heim-WM im Januar wichtige internationale Erfahrung verpassen. (dpa/red)
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