THW Kiel in der Krise: Die Gründe für die Zebra-Misere
„Nicht mehr konkurrenzfähig“Manager schlägt Alarm: Das sind die Gründe für die THW-Krise

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Die laufende Saison zwingt KIels Trainer Filip Jicha zum fortlaufenden Nachdenken. (Archivbild)
Für den ruhmreichen THW Kiel ist die Saison so gut wie gelaufen. In der Bundesliga ist für den deutschen Handball-Rekordchampion nach der 28:35-Heimpleite gegen die Füchse Berlin klar: Mehr als Rang fünf ist nicht drin. Die letzte Hoffnung, um die Spielzeit zu retten, ist ein Triumph beim Final Four der European League am 30. und 31. Mai in Hamburg.
Wie konnte es für den erfolgsgewohnten Verein nur so kommen? Die Ursachen für diese Misere sind zahlreich und bitter.
Verletzungs-Misere lähmt die „Zebras“
Ein entscheidender Faktor ist das enorme Verletzungspech. Keeper Gonzalo Perez de Vargas stieß mit den Nachwirkungen eines Kreuzbandrisses zum Team, während Linkshänder Emil Madsen seit Oktober fehlt. Momentan muss auch der Färinger Elias Ellefsen á Skipagøtu pausieren, der den THW mit seiner energiegeladenen Art wieder an die Spitzenteams herangeführt hatte.

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Der Färinger Elias Ellefsen à Skipagøtu fällt aktuell verletzt aus. (Archivbild)
Bei der schmerzhaften 25:33-Niederlage gegen den Abstiegskandidaten HSG Wetzlar waren außerdem der Schwede Eric Johansson und der Österreicher Nikola Bilyk nicht dabei. „Wenn mehrere Rückraumspieler gleichzeitig fehlen, ist man nicht mehr konkurrenzfähig“, erklärte THW-Manager Viktor Szilagyi gegenüber den „Kieler Nachrichten“. Der eilig verpflichtete Ägypter Mohab Abdelhak ist ebenfalls kaum mehr als eine Unterstützung im Training.
Jichas riskante Taktik in der Kritik
Auch die Spieltaktik von Trainer Filip Jicha steht immer wieder im Fokus. Der Trainer, dessen Kontrakt erst im Oktober vorzeitig bis 2028 ausgedehnt wurde, nutzt oft einen siebten Feldspieler für den Torwart. Diese Strategie schafft zwar gute Wurfgelegenheiten, führt aber im Gegenzug auch zu leichten Gegentoren.
Selbst die Fachleute lagen komplett daneben
Kaum zu glauben! Sogar Fachleute wie Stefan Kretzschmar wurden von den „Zebras“ auf dem falschen Fuß erwischt. „Auf Platz zwei wird am Ende der Saison der THW Kiel landen. Weil der THW Kiel kein Spiel mehr verliert“, hatte der ehemalige Nationalspieler Anfang April noch kühn prognostiziert. Das Ergebnis? Lediglich ein einziger Erfolg in den darauffolgenden fünf Meisterschaftsspielen.

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Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi verweist bei der enttäuschenden THW-Saison auch auf die großen Verletzungsprobleme. (Archivbild)
Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt aber. „Auf den ersten 50 Minuten gegen diese Mannschaft können wir aufbauen, auf der heute gezeigten Leidenschaft können wir aufbauen“, meinte Trainer Jicha nach dem Spiel gegen die Füchse. Sein Fokus liegt nun ganz klar auf der European League.
European League als Rettung – und Ticket für die Königsklasse?
Dort wartet am 30. und 31. Mai in Hamburg die finale Möglichkeit. Nachdem man sich im Siebenmeterwerfen gegen RK Nexe Nasice aus Kroatien ins Finalturnier gekämpft hatte, steht nun das Halbfinale gegen Montpellier HB aus Frankreich an. Es ist die Chance zur Wiedergutmachung für die Niederlage aus dem Vorjahr. Im Finale könnte es dann zum Duell mit den Liga-Konkurrenten SG Flensburg-Handewitt oder MT Melsungen kommen.
Der Pokalgewinn wäre weit mehr als nur ein Trostpflaster. Er könnte im besten Fall einen Platz in der Champions League sichern. Die Vergabe ist jedoch durch eine Reform der Europäischen Handball-Föderation komplex und an andere Ergebnisse geknüpft. Die einfachste Konstellation: Kiel holt den Titel und die Füchse Berlin sichern sich über die Liga einen direkten Startplatz.
Die Champions League ist der Wettbewerb, in dem sich der THW selbst sieht. Die letzte Teilnahme war in der Saison 2024, der letzte von 23 Meistertiteln wurde 2023 gefeiert. Mit einer Transfer-Offensive soll die Rückkehr an die Spitze gelingen. Die Neuzugänge Julian Köster (VfL Gummersbach), Domen Makuc (FC Barcelona) und Justus Fischer (kommt 2027/28 von der TSV Hannover-Burgdorf) sollen dafür sorgen, dass die Königsklasse wieder zum Regelfall wird. (dpa/red)
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