Das deutsche Team hat es bei der Handball-EM doch noch in die Hauptrunde geschafft. Gegen Spanien steigerte sich das DHB-Team massiv.
Geht doch, Jungs!DHB-Stars dank Mega-Steigerung und Ösis weiter dabei

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DHB-Star Renars Uscins steht beim Wurf in der Luft.
Aktualisiert
Die Handball-EM geht für Deutschland weiter – weil das DHB-Team gegen Spanien ein ganz anderes Gesicht gezeigt hat!
Im letzten Vorrundenspiel brauchte Deutschland dank Schützenhilfe von Österreich „nur“ ein Unentschieden, um das ganz frühe Aus abzuwenden.
Österreich-Vorlage stark verwandelt
Nach der bitteren Niederlage gegen Serbien inklusive Buzzer-Fauxpas von Bundestrainer Alfred Gislason steigerten sich das DHB-Team gegen den mehrfachen Welt- und Europameister deutlich.
Beim 3:2 ging Deutschland erstmals in Führung – und ließ sich diese bis zum Ende nicht mehr nehmen! Dank des 34:32-Erfolgs nimmt Deutschland nun sogar zwei Punkte mit in die Hauptrunde – die maximale Ausbeute.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Dieser Sieg hätte nicht zum Weiterkommen gereicht, hätte Österreich nicht am frühen Abend Serbien besiegt. Bei einem Erfolg der Serben hätte Deutschland einen Sieg mit mindestens drei Toren gebraucht, um weiterzukommen.
Vielleicht auch von der Schützenhilge beflügelt zeigte die DHB-Auswahl vor 9526 Fans einen beherzten Auftritt. Hinten parierte Torhüter David Späth in der Schlussphase mehrmals spektakulär, zudem packte die Abwehr konsequent zu. Vorne bestachen die DHB-Männer mit ihrer Variabilität und einer guten Trefferquote.
Besonders Renars Uscins und Juri Knorr waren kaum zu bremsen, auch Kreisläufer Justus Fischer glänzte. Uscins avancierte mit acht Treffern zum besten deutschen Werfer, Knorr traf fünf Mal und sprühte in der aufgeheizten Atmosphäre der Jyske Bank Boxen vor Spielfreude.
In der Hauptrunde bekommt es Deutschland ab Donnerstag mit der Übermannschaft Dänemarks (Weltmeister und Olympiasieger) sowie Titelverteidiger Frankreich und Norwegen zu tun. Vierter Gegner wird Portugal oder Nordmazedonien sein. Die Spiele bestreitet Deutschland allesamt in Herning.
Gislason, der nach der Serbien-Pleite (27:30) reichlich Kritik einstecken musste, schwor sein Team mit emotionalen Worten auf das Schicksalsspiel ein. „Wir müssen eine Klasseleistung bringen, mit viel Herz und noch mehr Kopf.“ Man müsse das „Olympia-Wunder wiederholen, wenn wir weiterkommen wollen“, ergänzte der 66-Jährige mit Blick auf den Silber-Coup bei den Sommerspielen 2024, als das DHB-Team die Spanier zwei Mal besiegte.
Das Feuer des Trainers übertrug sich direkt auf die Mannschaft. Nach einer Schweigeminute zugunsten der Opfer des schweren Zugunglücks in Spanien drückte das deutsche Team sofort aufs Tempo. Spielmacher Knorr wirbelte zwei Tage nach seiner Kritik am Coach erneut von Beginn an, der erstmals bei der EM aufgebotene Nils Lichtlein erwies sich im Unterzahlspiel als belebendes Element.
Gislason lobt überragende Abwehr
Angepeitscht von den lautstarken deutschen Fans traf Knorr beim 3:2 zur ersten DHB-Führung (5.) - und Deutschland blieb am Drücker. Hinten hielt Torhüter Andreas Wolff immer wieder spektakulär, und als Kreisläufer Justus Fischer mit einem Doppelpack für die erste Drei-Tore-Führung (12:9) sorgte, ballte Gislason an der Seitenlinie energisch die Fäuste. „Hey Jungs, Abwehr weiter, das ist überragend, es läuft richtig gut“, rief er seinen Spielern in der Auszeit zu: „Sie haben sehr große Probleme im Rückzug.“
Im Angriff riss nun der unwiderstehliche Uscins die Partie an sich. Nach drei weiteren Treffern des Torjägers stand es plötzlich 16:12 (27.). Und so ging es trotz einiger unkonzentrierter Abschlüsse mit einem Vorsprung in die Halbzeitpause. Lukas Zerbe forderte, „in der Abwehr genauso zu ackern wie jetzt in der ersten Halbzeit und Andi zu helfen“, sagte er im ZDF und ergänzte mit Blick auf die Offensive: „Wenn wir immer eine Station weiterspielen, kriegen wir unsere freien Chancen - die müssen wir halt reinmachen.“
An diese Marschroute hielten sich seine Mitspieler, vor allem der deutsche Rückraum mit Uscins, Knorr und Julian Köster hielt das deutsche Team auf Kurs. Als Linksaußen Lukas Mertens nach Anspiel von Knorr zum 23:20 versenkte (41.) und der nun eingewechselte Späth parierte, sprangen die Zuschauer von ihren Sitzen. Gislason ballte vor Freude beide Fäuste.
Die Spanier ließen sich aber nicht abschütteln, so dass es bis in die Schlussminuten spannend blieb. Das deutsche Team blieb aber cool und rettete den Vorsprung mit Cleverness und Klasse über die Ziellinie. (are/sid)

