Bewegendes Interview DHB-Trainer Gislason spricht über Krebstod seiner Frau (†61) kurz vor Olympia

Deutschlands Trainer Alfred Gislason zeigt sich enttäuscht beim Olympia-Aus gegen Ägypten.

Handball-Nationaltrainer Alfred Gislason, hier beim Olympia-Aus des DHB am 3. August gegen Ägypten, verlor seine Frau Kara kurz vor den Spielen in Tokio.

Handball-Nationaltrainer Alfred Gislason hat vor den Olympischen Spielen in Tokio einen harten Schicksalsschlag hinnehmen müssen. Seine Frau Kara, mit der er mehr als 40 Jahre lang verheiratet war, verstarb an einer Krebserkrankung.

Köln. Seit 1991 ist Alfred Gislason (61) Trainer im Profi-Handball, betreute unter anderem den SC Magdeburg, den VfL Gummersbach und den THW Kiel. Seit 2020 ist er Deutschlands Nationaltrainer und stand unter anderem beim enttäuschenden Viertelfinal-Aus bei den jüngsten Olympischen Spielen in Tokio an der Seitenlinie.

Seine größte Herausforderung ist jedoch nicht sportlicher Natur: Kurz vor den Spielen in Japan musste der Isländer einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Seine Ehefrau Kara erlag mit 61 Jahren ihrem Krebsleiden. Darüber sprach der Isländer nun in einem bewegenden Interview.

Alfred Gislason: „Eine Diagnose, die alles veränderte“

Gegenüber der „Sport Bild“ sprach Gislason offen über den Leidensweg seiner Frau, die am 3. Mai 2021 erneut eine schlimme Nachricht bekam. „An diesem Tag, einen Tag nachdem wir gegen Estland gespielt haben, kam ich nach Hause. Wir gingen zum Arzt, dann gab es eine Diagnose, die alles veränderte. Der Krebs war mit aller Macht und Brutalität zurückgekommen. Es war ein Gehirntumor, ein extrem seltener und bösartiger“, berichtet Gislason.

Der Isländer wollte daraufhin seinen Job hinschmeißen, um die letzte Zeit zusammen mit seiner Frau zu verbringen. Doch Kara sprach sich entschieden dagegen aus: „Sie sagte dann aber: ‚Nein!‘ Als hätte sie es geahnt, dass sie schon früher geht. Da hatte ich noch gedacht, wir schaffen noch ein halbes Jahr zusammen.“

Alfred Gislason: Frau Kara verstarb vier Wochen nach der Diagnose

Doch Kara, mit der Alfred Gislason seit seinem 16. Lebensjahr zusammen war, verstarb bereits am 31. Mai, genau vier Wochen nach der Diagnose. Die Familie habe den beiden den ganzen Mai über zur Seite gestanden, für Gislason sei es aber sehr schockierend gewesen, wie schnell es dann auf einmal gegangen sei. Seine Kara hatte sich immer eine Seebestattung vor dem Gehöft ihrer Großeltern gewünscht, diesen Wunsch erfüllen ihr Alfred und ihre Familie am 4. September.

Trainer Alfred Gislason sitzt mit Ehefrau Kara bei seinem Abschiedsspiel für den THW Kiel auf einer Bank.

Alfred Gislason mit Ehefrau Kara waren ein Herz und eine Seele, kannten sich, seitdem sie zwölf Jahre alt waren. Das Foto entstand im Juli 2019 bei Gislasons Abschiedsspiel für den THW Kiel.

Den DHB hatte Gislason Anfang Mai über die erneute Erkrankung seiner Frau informiert. Die Verantwortlichen reagierten laut dem 61-Jährigen sehr verständnisvoll: „Dem DHB bin ich äußerst dankbar, dass sie mich den ganzen Mai in Ruhe gelassen haben. Kara war auch wirklich sauer auf mich, als ich sagte, ich höre auf. Sie hat gewusst, dass der Handball für mich wichtig ist, wenn sie nicht mehr lebt, dass ich weitermache.“ Gislason entschied sich schließlich dazu, als Bundestrainer weiterzumachen und die Mannschaft bei den Olympischen Spielen zu betreuen.

Doch es war vor allem die Rückkehr aus Japan nach dem Viertelfinal-Aus, die ihm mental zu schaffen machte. „Sonst bin ich immer so schnell es ging zu Kara nach Hause gefahren. Und dann ging mir auf einmal durch den Kopf – es ist eigentlich egal, ob ich heute oder morgen nach Hause fahre. Denn Kara ist nicht mehr dort.“ (nb)

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