„Was für ein Unsinn!“Wut-Interview: Kapitän hat keinen Bock mehr auf Spanien

Álvaro Morata küsst seinen Teamkollegen Dani Olmo nach dessen Treffer gegen Deutschland auf den Hinterkopf.

Álvaro Morata küsst seinen Teamkollegen Dani Olmo nach dessen Treffer gegen Deutschland am 5. Juli 2024 auf den Hinterkopf. Trotz der erfolgreichen EM ist der Spanier frustriert.

Spaniens Kapitän Álvaro Morata redet sich in einem Interview den Frust von der Seele. Er fühlt sich von den spanischen Fans nicht respektiert.

von Antje Rehse (are)

Spanien kämpft bei der EM um den Einzug ins Finale. Doch vor dem Halbfinalspiel gegen Frankreich sorgte ausgerechnet Team-Kapitän Álvaro Morata (31) mit einem bemerkenswerten Interview für Aufsehen.

Der Stürmer der spanischen Nationalmannschaft fühlt sich in seiner Heimat nicht richtig gewürdigt. Das nervt ihn offenbar dermaßen, dass er es für „wahrscheinlich“ hält, dass er seine Nationalmannschafts-Karriere nach der Europameisterschaft beendet.

Morata beklagt sich über fiese Fan-Reaktionen

„In Spanien ist es schwer für mich, glücklich zu sein. Ohne Zweifel bin ich außerhalb Spaniens glücklicher“, sagte der Profi von Atlético Madrid im Interview mit „El Mundo“. „Ich habe es schon oft gesagt. Vor allem, weil die Leute mich respektieren. In Spanien gibt es keinen Respekt vor irgendetwas und niemandem.“

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In seiner Heimat hat Morata den Ruf, sich ständig zu beklagen. Die Publikumslieblinge bei der Furia Roja sind andere. „Ich bin überhaupt nicht unglücklich. Aber es stimmt, dass es mir in Spanien sehr schwerfällt, glücklich zu sein. Am Ende kommt immer irgendwo etwas raus“, so Morata. 

Als beim Spiel gegen Deutschland fälschlicherweise eingeblendet wurde, Morata habe eine zweite Gelbe Karte gesehen und sei deshalb im Halbfinale gesperrt, freuten sich einige Spanien-Fans: Ohne ihn spielen wir sowieso besser, so der Tenor im Netz. Morata hatte das mitbekommen.

Andere drehten dem Kapitän aus seiner emotionalen Reaktion nach dem Spiel gegen den EM-Gastgeber einen Strick  – sehr zum Ärger von Morata.

„Neulich sagten die Leute, ich würde an der Seitenlinie weinen, weil ich eine Gelbe Karte bekommen hatte. Was ist das für ein Unsinn! Ich habe geweint, weil mein Land mit mir als Kapitän ins Halbfinale eingezogen war“, stellte er klar. „Sie kritisieren mich immer, dabei würde ich mir eine Hand abschneiden, um den EM-Titel zu gewinnen.“

Der 31-Jährige, der mit einem Mental-Coach zusammenarbeitet, berichtet, dass sogar Freunde von ihm Probleme bekommen hätten, weil sie sein Trikot anhatten. „Ich beschwere mich ja nicht bloß, weil es irgendwelche Memes über mich gibt. Sie haben meinen Freunden gesagt, ich sei total schlecht“, erklärt Morata. „Das ist wirklich nicht angenehm.“ Auch seine Ehefrau meldete sich inzwischen zu Wort.

Morata ist über die Abneigung der Fans so frustriert, dass er sogar über einen Abschied von Atlético Madrid nachdenkt, dem Verein, mit der eigentlich noch viele Titel gewinnen wollte. „Ich weiß nicht, ob es das Beste für mich wäre, in Spanien zu bleiben“, sagt er, „man muss abwägen, ob es das wert ist.“

Zuletzt hatte er ein Angebot aus Saudi-Arabien ausgeschlagen. Nun steht er offenbar vor einem Wechsel zum italienischen Topklub AC Mailand. Morata soll einen Dreijahresvertrag erhalten und vier Millionen Euro pro Saison einstreichen. Es wäre sein insgesamt fünfter Wechsel zwischen La Liga und der Serie A.

2014 ging Morata von Real Madrid zu Juventus Turin und kehrte 2016 zurück. Nach einer eineinhalbjährigen Leihe zum FC Chelsea wechselte er Anfang 2019 zu Atletico und 2020 wieder zur „Alten Dame“, nur um zwei Jahre später wieder in Madrid aufzuschlagen.

Zuvor ist sein Ziel aber, als Kapitän den EM-Pokal in die Höhe zu recken. Sollte Spanien am 14. Juli den Titel holen, wären die Iberer mit dann mit vier Titeln alleiniger Rekord-Europameister vor Deutschland. Für Morata wäre es auch eine persönliche Genugtuung. „Ich würde zuerst meine Frau und meine Kinder umarmen. Und dann mit erhobenen Hauptes gehen.“ (mit sid)