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Während WM-Spiel Weil er Fußball-Legende erwähnt: TV-Kommentator sofort ausgetauscht

Der Brasilianer Ronaldo und der Türke Hakan Sükür während des WM-Halbfinals 2002.

Star-Stürmer unter sich: Ronaldo und Hakan Sükür am 26. Juni 2002 beim WM-Halbfinale zwischen Brasilien und der Türkei. 

Die WM im Katar steht nicht gerade für sportlichen Glanz. Im Gegenteil: Die Winter-Weltmeisterschaft in der Wüste wird beinahe täglich von neuen Skandalen überschattet. Jetzt ist ein neuer, abenteuerlicher Fall publik geworden.

Nicht eingehaltene Menschenrechte, einkassierte Regenbogenfahnen, das Verbot der viel diskutierten „One-Love“-Armbinde – die WM 2022 in Katar bietet viel Diskussionsstoff abseits des sportlichen Geschehens auf dem Rasen. 

Der WM-Gastgeber und auch das Turnier im Allgemeinen stehen permanent in den Negativ-Schlagzeilen. Nun gibt es einen weiteren Skandal um die WM im Wüstenstaat. 

TV-Kommentator erwähnt Fußball-Legende – und wird durch Kollegen ersetzt

Der aktuelle Aufreger hat allerdings nichts mit der Situation um Homosexuelle in Katar oder den Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter im WM-Gastgeberland zu tun. Es geht um Zensur im türkischen Staatsfernsehen. Und einen Vorgang, der als maximal abenteuerlich zu beschreiben ist.

Alles zum Thema Recep Tayyip Erdogan

Bei der Live-Übertragung des WM-Spiels zwischen Marokko und Kanada (Donnerstag,  1. Dezember 2022) war Alper Bakircigil für den türkischen Staatssender TRT als Kommentator im Einsatz. Als in der vierten Minute der Partie am dritten Gruppenspieltag der Marokkaner Hakim Ziyech vom englischen Spitzenklub FC Chelsea das 1:0 für die Nordafrikaner erzielte, sagte der TV-Kommentator einen eigentlich unverfänglichen Satz – und wurde dennoch in der Halbzeit der Begegnung vom Spiel abgezogen. 

Was war passiert? Bakircigil hatte in seinem Kommentar an eine Sternstunde des türkischen Fußballs erinnert. Ein scheinbar harmloser Satz. Mit drastischen Folgen für den Journalisten. Cüneyt Kiran ersetzte ihn in der zweiten Halbzeit am Mikrofon.

„Das früheste Tor bei einer Weltmeisterschaft, daran sollte man erinnern, wurde einst von Hakan Sükür erzielt“, hatte Bakircigil ins Mikrofon gerufen. Und war 40 Minuten später seinen Job los. Doch warum? Dahinter stecken politische Gründe.

In diesem Twitter-Video können Sie den Kommentar hören:

Hakan Sükür (51) war einst ein Volksheld in der Türkei. Man nannte ihn ehrfürchtig „Kral“, den König. Andere nannten ihn aufgrund seiner Wucht den „Bullen vom Bosporus“.

Die Galatasaray-Legende war auch im Ausland aktiv: FC Turin, Inter Mailand, AC Parma und Blackburn Rovers lauten seine Station fernab der Heimat. Für die türkische Nationalmannschaft ging der 1,91 Meter große Stürmer zwischen 1992 und 2007 112 Mal auf Torejagd und traf dabei stattliche 51 Mal. Kein Wunder, dass die fußballverrückte Türkei ihn zum Volkshelden auserkor.

Doch mittlerweile hat Sükür seinen Status in der Türkei eingebüßt. Er war nach der Karriere auf dem grünen Rasen in die Politik gewechselt und hatte sich zunächst der vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (68) gegründeten Partei AKP angeschlossen. 2013 distanzierte er sich jedoch von der Partei, da diese rigoros gegen die Opposition um Fethullah Gülen (81) vorgegangen war. 2015 wurde ihm deshalb eine Nähe zur Gülen-Bewegung sowie Präsidentenbeleidigung unterstellt. Sükür entschloss sich, in die USA auszuwandern. 

Hakan Sükür: Türkischer Volksheld fährt jetzt Uber

Sükür selbst beschrieb es in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ 2020 so: „Erdogan nahm mir alles. Mein Recht auf Frei­heit, das Recht, mich zu erklären, mich zu äußern, das Recht auf Arbeit. Ich habe in der Türkei Besitz im Wert von Dut­zenden Mil­lionen Dollar. Ich habe nichts mehr. Nir­gendwo auf der Welt.“ Hakan Sükür, der einstige Volksheld der Türkei wurde vom Staat enteignet, seine Konten ein­ge­froren. Er hält sich seitdem als Uber-Fahrer finanziell über Wasser.

Und die Situation scheint sich nicht zu entspannen. Ganz im Gegenteil. Alleine seinen Namen im türkischen TV auszusprechen, ist inzwischen wohl zu viel – und steht unter Strafe.

Alper Bakircigil kann ein Lied davon singen. Auch wenn er offenbar lediglich eine Verwarnung kassierte und weiter auf Sendung gehen darf. Ein anonymer TRT-Mitarbeiter soll dem türkischen Nachrichtensender Tele1, der selbst schon 2020 wegen kritischer Berichterstattung über Erdogan mehrere Tage gesperrt wurde, gesagt haben, dass man während der Übertragung entschieden habe, dass die Aussagen des Kommentators unangemessen waren. Bakircigil sei verwarnt, dürfe sich unter keinen Umständen noch einmal solch einen „Fehler“ leisten.

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