Der WM-Stachel sitzt tief. Thomas Müller holt jetzt zum Gegenschlag aus – und nimmt die Strategie des früheren Nationaltrainers ins Visier.
„Konzept falsch aufgesetzt“Müller rechnet knallhart mit Nagelsmann ab
Das WM-Debakel ist verdaut? Von wegen! Auch mehr als 14 Tage nach dem Ausscheiden der DFB-Elf kochen die Emotionen hoch. Jetzt redet Thomas Müller (36) Klartext.
Im Podcast „Kerners 11“ mit Johannes B. Kerner (61) zerlegt der MagentaTV-Experte die Taktik von Ex-Coach Julian Nagelsmann (38).
Zoff um Kimmich: Falsche Position, falsches Spiel?
Müller sieht den Hauptgrund für das Scheitern bei den unklaren Aufgaben der Akteure. „Wir haben nicht unbedingt das Gefühl entwickelt, wo unsere Superstars spielen müssen“, so Müller.
Für ihn stellt sich die Frage, welche Position für Kreativköpfe wie Jamal Musiala und Florian Wirtz (beide 23) vorgesehen war, da beide das Zentrum bevorzugen. Die nicht enden wollende Debatte, „ob Kai Havertz wirklich ein Mittelstürmer ist oder nicht“, war laut ihm ebenfalls ein Knackpunkt. Das berichtet „Sport Bild“.
Speziell die Rolle von Kapitän Joshua Kimmich (31) ist für Müller ein Dorn im Auge. Kimmich sei eine „klare Säule“ des Teams gewesen. Dann kommt Müllers entscheidender Punkt: „Aber platziere ich meine Säule auf einer Position, in der er gar nicht so säulig sein kann?“ Er räumt zwar ein, dass die Rechtsverteidiger-Position gegen defensive Kontrahenten nützlich sein kann. Dennoch hält er den gesamten Ansatz für bedenklich.
Müssen die Top-Akteure auf für sie ungewohnten oder modifizierten Positionen ran, „dann ist das Konzept vielleicht auch falsch aufgesetzt“, so Müllers vernichtendes Fazit mit klarer Adresse an Nagelsmann. Seine Alternative: Man sollte es womöglich akzeptieren, „dass ich einen Hauch weniger Qualität auf dem Platz habe“, dafür aber die Profis auf ihren Idealpositionen zum Einsatz kommen.
Top-Mannschaften wie Spanien, England oder Frankreich verfolgen laut Müller eine andere Strategie. Bei ihnen agiert ein Top-Spieler auf der Position, die ihn auch im Verein groß gemacht hat.
Seine Bilanz für die deutsche Auswahl ist knallhart: „Wir haben weniger starke Superstars.“ Zwar gäbe es Talent, doch andere Akteure und Länder wären in ihrem Fortschritt „einfach weiter“. Diesen Abstand gilt es künftig zu verringern – ein Job, der vermutlich auf Jürgen Klopp zukommt. (red)

