Kanonenfutter im Ukraine-Krieg? Zum Militär-Dienst einberufen: Putin schockt Ex-Fußball-Star

Wladimir Putin gestikuliert bei einem Regierungstermin in Sotschi. Seine Teilmobilmachung sorgt in Russland für viel Unruhe.

Wladimir Putin am 27. September 2022 bei einem Regierungstermin in Sotschi. Seine Teilmobilmachung sorgt in Russland für viel Unruhe.

Die von Wladimir Putin angeordnete Teilmobilmachung beim Angriffskrieg in der Ukraine sorgt in Russland für reichlich Unruhe. Betroffen ist davon jetzt auch ein früherer Nationalspieler.

Der Schock bei Dinijar Biljaletdinow (37) und seinem Vater Rinat war groß, als der Bescheid ins Haus flatterte. Die jüngste russische Teilmobilmachung, mit der noch einmal 300.000 Reservisten den Angriffskrieg in der Ukraine befeuern sollen, schließt auch den früheren Nationalspieler mit ein.

Am russischen Fußball-Märchen mit dem Halbfinal-Einzug bei der EM 2008 war er als Stammspieler maßgeblich beteiligt – muss Biljaletdinow, in der Heimat ein Star, jetzt auch beim Krieg in der Ukraine an vorderster Front eingreifen? Mit Blick auf die Vorladung des russischen Einberufungsamts hoffen er und seine Familie jetzt auf einen Irrtum.

Ukraine-Krieg: Wird Ex-Fußballer Dinijar Biljaletdinow einberufen?

Der russischen Nachrichtenagentur „RIA Novosti“ berichtete der Vater des früheren England-Legionärs am Mittwoch (28. September 2022) von der bösen Überraschung beim Blick auf die Behördenpost.

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Sein Sohn habe zwar im Alter von 18 Jahren seinen Wehrdienst abgeleistet, als damals aufstrebender Fußballer in der Jugend von Lokomotive Moskau sei ihm allerdings ein Dienst ohne jegliche militärische Berührungspunkte vergönnt gewesen: „Ja, er hat den Eid geleistet, aber er hat in der Sportkompanie gedient.“

Dinijar Biljaletdinow habe sich nach dem anfänglichen Schock mit den Behörden in Kontakt gesetzt, um die Angelegenheit zu klären. Allzu großen Eifer, für Russland und Präsident Wladimir Putin (69) in den Krieg zu ziehen, verspürt der Ex-Fußballer nicht.

Dinijar Biljaletdinow beim Spiel des FC Everton gegen die Blackburn Rovers im Kampf um den Ball

Dinijar Biljaletdinow im September 2011 zu Spielerzeiten beim Spiel des FC Everton gegen die Blackburn Rovers.

Neben der fehlenden militärischen Ausbildung spielt dabei auch das Alter eine Rolle: Der 46-malige Nationalspieler ist 37 Jahre alt, per Dekret einberufen wurden im Zuge der Teilmobilmachung zuletzt aber nur Reservisten unter 35 Jahren. Das wäre erst bei einer Generalmobilmachung anders.

Ex-Russland-Fußballer Dinijar Biljaletdinow hofft auf Irrtum

„Er wird herausfinden, ob die Vorladung korrekt ist oder ob sie zu früh abgeschickt wurde. Es kann alles passieren“, so Vater Rinat weiter. Er fordert mit Blick auf die Alters-Diskrepanz aber: „Alles muss im Einklang mit dem Gesetz sein.“

Seit dem Putin-Dekret zur Teilmobilmachung regt sich in Russland trotz massiver Staats-Propaganda größerer Widerstand gegen den Krieg in der Ukraine. Viele Familien bangen um das Schicksal ihrer Söhne, die trotz überschaubarer Kampferfahrung an die Front geschickt und dort zu Tausenden als Kanonenfutter verheizt werden könnten.

Biljaletdinow hatte seine Spieler-Karriere Anfang 2019 beendet, ist aktuell Teil des Trainerstabs beim Moskauer Drittliga-Klub Rodina 2. Zuvor war er unter anderem zweieinhalb Jahre für den FC Everton in der Premier League aufgelaufen, sammelte mit dem Klub aus Liverpool sowie mehreren russischen Klubs jahrelang internationale Erfahrung in der Europa League. (bc)

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