„Kuchen wird größer“ Milliarden-Modell Zwei-Jahres-WM? Infantino lockt mit Kohle satt

Gianni Infantino spricht mit Medienvertretern

FIFA-Präsident Gianni Infantino, hier am 10. Dezember 2021 in Zürich, wirbt weiter für eine Fußball-WM im Zwei-Jahres-Rhythmus – so auch auf dem jüngsten Gipfel des Weltverbandes in Doha.

Die Diskussionen um eine Fußball-WM im Zwei-Jahres-Rhythmus gehen in die nächste Runde. Bei einem Gipfel präsentierte FIFA-Boss Gianni Infantino neue Zahlen – doch die Debatten bleiben hitzig.

Vielen leidenschaftlichen Fans ist es seit Längerem ein Dorn im Auge: die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs. Horrende Ablösesummen, steigende Ticket-Preise, fragwürdige Sponsoring-Deals – schon seit Jahren gehen viele Anhänger gegen den Kohle-Trend auf die Barrikaden.

Klar, dass auch die neuen Pläne des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino (51) da auf wenig Verständnis stoßen: Der mächtigste Fußball-Boss des Planeten wirbt schon länger dafür, die WM künftig aller zwei Jahre stattfinden zu lassen. Gegenwind gibt es aber reichlich, auch intern. Unter anderem aus Europa sowie von UEFA-Chef Aleksander Ceferin (54).

Auf einem Gipfel am Montag (20. Dezember 2021) in Doha hat Infantino nun erneut für seine Idee geworben. „Es ist machbar“, sagte er nach stundenlangen Gesprächen. Vertreter der 211 Mitgliedsverbände hatten teilgenommen.

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FIFA-Gipfel in Doha: Fußball-WM im Zwei-Jahres-Rhythmus?

Infantino ist sich sicher: „Es können alle davon profitieren.“ Doch es geht – natürlich wieder – auch um eine Menge Geld. So wurden den Teilnehmern am Montag verschiedene Studien vorgestellt. Eine davon, angefertigt von den Marktforschern bei Nielsen, zeigte: Eine WM im Zwei-Jahres-Turnus könnte die Einnahmen des Weltverbandes über vier Jahre um rund 4,4 Milliarden US-Dollar (etwa 3,9 Milliarden Euro) steigern. Was auch bedeuten würde, dass die FIFA-Verbände deutlich mehr Kohle ausgeschüttet bekämen. Eine Studie der UEFA war zuvor allerdings noch zu einer anderen Einschätzung gekommen.

Dennoch köderte Infantino die Mitglieder mit den dicken Geldbündeln. „Wie man so schön sagt: Der Kuchen wird größer“, erklärte er. „Am Ende des Tages wird jeder profitieren: die Kleinen und die Großen, die Armen und die Reichen.“

„Wir können nicht zum Rest der Welt sagen, Fußball ist toll, gebt uns das Geld und schaut Fernsehen“, betonte Infantino dennoch. Seine Argumente, abgesehen von den vermeintlich höheren Einnahmen: Viele Nationen hätten bei einer WM aller zwei Jahre auch bessere Chancen, sich zu qualifizieren. Kritische Stimmen sagen derweil: Die Attraktivität und das Prestige der Veranstaltung nehme mit dem neuen Modell Schaden, zudem sei es eine Mammut-Aufgabe, die Qualifikationsspiele in den ohnehin schon vollen Terminkalender zu integrieren.

Gianni Infantino will neues WM-Modell: Gegenwind für FIFA-Boss

Und: Infantino drückt aufs Gaspedal! Laut Medien wird das neue Modell bereits für den Männer-Kalender ab 2024 diskutiert, für die Damen sogar schon ab 2023. „Mein Job als FIFA-Präsident ist es, mit allen zusammenzuarbeiten und darüber nachzudenken, was gut für den Fußball ist“, meinte der FIFA-Boss. Einen genauen Zeitplan bestätigte er allerdings noch nicht.

Darüber, was aber tatsächlich „gut“ ist, daran scheiden sich sowieso nach wie vor die Geister. Neben Europa soll sich auch der südamerikanische Verband CONMEBOL gegen die Pläne sträuben. (kos)

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