WM 2022 Kicktipp-Gründer über Irrtümer und Fehler bei Tippspielen: „Eine entscheidende Frage“

Im Hintergrund halten viele Menschen ihre Hände an den WM-Pokal, im Vordergrund ist auf einem Handy eine Tippspiel-App geöffnet

Auf dem Rasen von Katar geht es ab dem 20. November 2022 um den WM-Pokal, nebenher tippen Millionen Deutsche die WM 2022 auf Kicktipp. Das Symbolfoto zeigt die Handy-App des Tippspiel-Anbieters.

Wer zur WM 2022 an einem Tippspiel teilnimmt, kommt an Kicktipp kaum vorbei. Das Unternehmen aus Deutschland ist Spezialist für Tippspiele aller Art. EXPRESS.de sprach mit Gründer Janning Vygen.

Wenn die großen Turniere im Fußball vor der Türe stehen, zieht es Millionen Deutsche wieder zur App von Tippspiel-Anbieter Kicktipp. Das Zwei-Mann-Unternehmen ist bei Privatpersonen und in Firmen beliebt, jeder kann mit wenigen Schritten eine eigene Tipp-Runde eröffnen.

Aber wer steckt hinter dem Düsseldorfer Unternehmen, wie viele Personen gewältigen den User-Strom während der großen Turniere und was empfiehlt der Kicktipp-Gründer für den Sieg beim WM-Tippspiel? Darüber hat EXPRESS.de mit Janning Vygen gesprochen.

WM 2022: Kicktipp begrüßt erneut auf Millionen User

Janning Vygen, wer an Tippspiele denkt, hat in der Regel direkt Kicktipp im Kopf. Wie haben Sie es geschafft, Ihr Baby zum führenden Anbieter in Deutschland zu machen?

Janning Vygen: Wenn ich das wüsste… Wir sind schon sehr lange dabei, haben früh angefangen und sind dann mit jedem Turnier immer größer geworden. Wir waren immer zuverlässig, schnell, einfach und übersichtlich, haben die User auch nie mit zu viel Werbung und dem Drumherum genervt. Wir nehmen uns nicht zu wichtig – es ist ein Tippspiel und nicht mehr.

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Die WM 2022 in Katar wird nicht erst seit gestern heiß diskutiert, für Tippspiel-Anbieter ist es aber trotzdem das große Highlight des Fußball-Jahres. Wie viele Menschen sind bei Weltmeisterschaften dabei?

Vygen: Bei der letzten WM waren es über fünf Millionen aktive User, die Zahl der Anmeldungen war sogar noch höher. Im Vorfeld dieser WM sieht es auch ganz gut aus. Nicht, dass es mehr wird, aber die Zahlen sind vergleichbar.

Je mehr User, desto mehr potenzielle Probleme mit Technik und Co. Wie bewältigt Kicktipp die Flut an Anfragen während großer Turniere und wie viele Leute sind inzwischen an Bord?

Vygen: Was viele wundert: Wir sind eine ganz kleine Firma mit nur zwei Leuten. Die größte Herausforderung ist es, die Spitzenlasten abzufedern. Bei einem entscheidenden Tor wollen alle gucken, wie sie im Tippspiel stehen. Das ist technisch schwierig, aber wir haben über die Jahre perfektioniert, dass wir blitzschnell bleiben.

Bei manchen bleibt die Tipp-Begeisterung auch nach der WM hängen, zum Beispiel in Form von Tipprunden für die Bundesliga. Ist es für Ihr Geschäft ein bisschen undankbar, dass dann diesmal keine neue Saison vor der Tür steht, sondern die Liga praktisch Halbzeit hat?

Vygen: Es war schon im Voraus für uns nicht ganz einfach, weil bestehende Bundesliga-Tipprunden üblicherweise mit der WM weitermachen können. Seit zwei Jahren haben wir daher angefangen, umzuprogrammieren, damit die aktuelle Bundesliga-Tippsaison kurzzeitig archiviert werden kann, während die WM getippt wird. Technisch war das für uns ungünstig. Da man bei uns aber auch halbe Saisons tippen kann, könnten WM-Nutzer trotzdem zur Bundesliga bei uns bleiben.

Janning Vygen von der Tippspiel-App Kicktipp schaut in die Kamera

Janning Vygen steckt hinter der Tippspiel-App Kicktipp, die auch bei der WM 2022 wieder Millionen Deutsche nutzen werden.

Gibt es große Unterschiede beim Tippen zwischen Liga-Alltag und großen Turnieren?

Vygen: Man muss auf jeden Fall zwischen Bundesliga und Turnieren wie der WM unterscheiden. Bei einer WM ist die Leistungsdichte nicht so groß und der Favorit geht öfter als Sieger vom Platz. Bei einer Weltmeisterschaft muss man daher mehr richtige Treffer haben. In der Bundesliga reichen für einen guten Platz etwas über 50 Prozent richtige Tipps, bei einer WM müssen es schon deutlich über 60 Prozent sein.

Welche Tipp-Irrtümer sollte man vermeiden, wenn man seine Tipprunde gewinnen will?

Vygen: Viele tippen aus dem Bauch heraus und setzen dabei oft auf zu viele Tore, weil man sich das vielleicht auch wünscht. Bei einer WM fallen im Schnitt ungefähr 2,5 Tore pro Spiel, das muss man berücksichtigen. Die Leute tippen auch ungern auf Unentschieden, obwohl das ein recht häufiges Ergebnis ist.

Kicktipp behält Design auch für Tippspiele zur WM 2022 bei

Ein großes Streit-Thema: Schlagen sich bei den Turnieren die selbsternannten Fußball-Experten, die lange über ihren Tipp grübeln, besser, oder die Gelegenheits-Tipper, die aus dem Bauch raus ein Ergebnis eintragen?

Vygen: Es kommt öfter vor, dass Leute, die glauben, ganz viel Ahnung von Fußball zu haben, sich mit zu vielen Informationen selbst schaden. Man muss die Informationen auch einzeln gewichten. Ob Dinge wie ein verletzter Spieler wichtig sind und das Ergebnis beeinflussen, ist da beispielsweise eine entscheidende Frage.

Und wie steht es um die eigenen Tipp-Künste?

Vygen: Ich tippe immer aus dem Bauch raus und relativ schnell – bin damit aber nicht besonders gut, muss ich sagen. Es gibt Saisons, wo man von Anfang an einen guten Riecher hat und Saisons, in denen es nicht so läuft. Wenn man die Tipprunde verliert, war es ein Glücksspiel. Wenn man gewinnt, war es Können (lacht).

Während viele Seiten über die Jahre immer bunter wurden oder mehrfachen Facelifts unterzogen wurden, ist Kicktipp nüchtern und übersichtlich geblieben. Ist auch das eines der Erfolgsrezepte, dass man sich sofort zurechtfindet?

Vygen: Ich denke schon. Man hat, anders als bei vielen Apps, nie das Gefühl, dass man Kicktipp zu viel genutzt hat. Man kann bei uns nicht seine Zeit verballern. Es ist schwer, bei Kicktipp mehr als zehn Minuten zu verbringen. Außer, man führt die eigene Tipprunde an. Dann schaut man gerne öfter vorbei.

Spanien, Italien, England, Niederlande – Kicktipp ist inzwischen längst auch in anderen Ländern vertreten. Wie wird das Angebot dort angenommen?

Vygen: Deutschland ist natürlich unangefochten. Auch, weil wir eine andere Kultur in Sachen Tippspielen haben: Wetten war lange verboten und Tippspiele sind privat organisiert worden. Aber wir haben inzwischen auch in Spanien 20.000 User, auf Englisch etwa doppelt so viele.

Fußball ist die Nummer 1 – gibt es aber auch andere Sportarten, die bei Kicktipp auf dem Vormarsch sind?

Vygen: Die NFL ist stark im Kommen, Darts im Winter bei der WM auch überraschend erfolgreich. Wir haben alles, was getippt werden kann, im Angebot. In Frankreich etwa auch Rugby, was dort einen ähnlichen Stellenwert besitzt wie Fußball.

Zum Abschluss natürlich die unvermeidliche Bonusfrage: Wer wird in Katar Weltmeister?

Vygen: (überlegt lange) Puh, das ist so eine schwierige Frage. Ich würde es diesmal England gönnen.

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