Jacken-Wirbel um Shaqiri Ex-Bayern-Star gerät in politischen „Skandal“ – was dahintersteckt

Xherdan Shaqiri hebt beim Aufwärmen vor dem WM-Quali-Spiel der Schweiz gegen Nordirland die Hand

Xherdan Shaqiri beim Aufwärmen vor dem WM-Quali-Spiel der Schweiz gegen Nordirland am Samstag (9. Oktober 2021)

Ex-Bayern-Profi Xherdan Shaqiri ist nach dem WM-Quali-Spiel der Schweiz gegen Nordirland in den Mittelpunkt einer politischen Diskussion geraten.

Lancy/Genf. Am Samstag (9. Oktober 2021) lief für Xherdan Shaqiri (30) eigentlich alles nach Plan. Im WM-Qualifikations-Spiel gegen Nordirland gewann seine Schweiz mit 2:0 und sicherte sich somit einen wichtigen Dreier, um den Anschluss in der Gruppe C an Italien nicht zu verlieren.

Nach der Partie musste der Kapitän dann im Stade de Genève standesgemäß noch ein Interview geben. Gerade als der Schweizer auf eine Frage des Journalisten antwortete, ereignete sich jedoch eine brisante Szene.

Ein Fan, der sich offenbar Zugang zum Platz verschafft hatte, stülpte Shaqiri ohne Vorwarnung eine graue Jacke über. Der Flügelstürmer reagierte zunächst etwas perplex, legte das Kleidungsstück aber schnell wieder ab und setzte das Interview fort. Doch es war nicht „irgendeine“ jacke: Denn auf der linken Brust war das Wappen der ehemaligen paramilitärischen Organisation UCK eingestickt. Trotz seines geistesgegenwärtigen Handels muss Shaqiri sich nun einige Vorwürfe anhören. Der Lyon-Profi wurde im heutigen Kosovo (Gjilan) geboren.

In den 90ern war die UCK eine albanisch-kosovarische Vereinigung, die sich für die Unabhängigkeit des Kosovos einsetzte. Die Organisation löste sich nach dem Kosovo-Krieg im Jahr 1999 auf Drängen der Nato und Uno auf. In einigen Ländern wurde die UCK aber als Terror-Organisation eingestuft.

Xherdan Shaqiri: Serbien fordert „strengste Sanktionen“

Kritische Stimmen kamen vor allem aus Serbien. Die serbische Auswahl hatte zur gleichen Zeit in der Gruppe A einen 1:0-Sieg über Luxemburg gefeiert. Der hiesige Fußball-Verband zeigte sich derweil schockiert über die Aktion nach dem Schweiz-Spiel. In einer offiziellen Mitteilung erklärte Generalsekretär Jovan Surbatovic: „Wir bereiten derzeit einen Protestbrief vor, den wir im Laufe des Tages an die Fifa senden werden“, und fügte an: „Wir fordern eine sofortige Reaktion und strengste Sanktionen gegen Shaqiri wegen der Förderung der kriminellen Terrororganisation UCK vor den Medien.“

In der Vergangenheit hatte es schon einmal Wirbel um politische Gesten gegeben. Mittendrin seinerzeit: der ebenfalls kosovarisch-stämmige Ex-Gladbacher Granit Xhaka (29, mittlerweile FC Arsenal) – und eben Shaqiri. Beim WM-Vorrundenspiel am 22. Juni 2018 zwischen der Schweiz und Serbien hatten die beiden Profis ihre Tore jeweils mit ineinander verschlungenen Händen gefeiert – und damit den albanischen „Doppelkopf-Adler“ geformt. Das sahen die Serben als Provokation.

Hintergrund: Das politische Verhältnis zwischen Albanern und Serben ist angespannt. Denn der Kosovo, wo Albaner heute fast 90 Prozent der Bevölkerung ausmachen, war einst serbische Provinz – und erklärte 2008 seine Unabhängigkeit. Serbien erkennt diese jedoch bis heute nicht an.

Die Schweizer Nationalmannschaft stellte sich unterdessen auf Twitter vor Shaqiri: „Es ist inakzeptabel, dass Personen Fußballstadien, und diesem Fall das Interview eines Spielers nach einem Spiel, für politische Propaganda missbrauchen wollen. Xherdan Shaqiri hat vorbildlich reagiert, ist ruhig geblieben und ist nicht darauf eingegangen.“

In den serbischen Medien war wiederum die Rede von einem „Skandal“. Das Blatt „Kurir“ schrieb: „Offensichtlich ist dies ein Missbrauch, eine dicke Einmischung der Politik in den Sport.“

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