Vor dem Spiel des FC Bayern bei Viking Stavanger diskutieren die TV-Experten über ein Thema besonders hitzig.
„Viel zu oft zu Diskussionen“Mustafi widerspricht Kramer: Experten komplett uneinig

Copyright: Prime Video
Bei einer Sache waren sich Shkodran Mustafi und Christoph Kramer überhaupt nicht einig.

Bei diesem Thema herrscht unter den Experten große Uneinigkeit! In der Champions League ist der FC Bayern München im hohen Norden gefordert – und Gegner Viking Stavanger praktiziert seit vielen Jahren ein ungewöhnliches Duell.
Die Norweger setzen auf zwei Cheftrainer. Morten Jensen und Bjarte Lunde Aarsheim teilen sich die Aufgaben bei Viking, sind dabei offiziell komplett gleichberechtigt.
Mustafi: „Für mich wäre das gar nichts“
Bei Streaming-Anbieter Amazon Prime Video wurde vor dem Spiel am Dienstag (13. Oktober) kontrovers diskutiert. Olympiasiegerin Josie Henning bezeichnete das Modell als „mega spannend“. Das Interessanteste daran sei, „wie du im richtigen Moment dein Ego zurücksteckst, wenn der andere vielleicht mal eine komplett andere Idee hat und das in der Situation passt. Dann aber auch im richtigen Moment einfach dein Ego mutig ausspielst“, so die ehemalige Fußballerin. Die Bindung müsse jedoch sehr intensiv sein.
Auch Weltmeister Christoph Kramer fand lobende Worte für die Zwei-Trainer-Lösung. „Wir haben momentan in Europa, glaube ich, eine Trainerzeit von, keine Ahnung, zehn Monaten. Ich glaube, es liegt auch ein bisschen daran, dass man sich schnell verbraucht. Das ist aber ganz normal“, erläuterte der Experte. „Wenn man ständig nur zur Mannschaft spricht, dann hast du ein gleiches Vokabular und das nutzt sich einfach ein bisschen ab. Ich finde das eigentlich eine gute Idee, dass sie sich auch die Pressekonferenzen teilen, dass sie sich die Ansprachen vor dem Team teilen. Das hält meines Erachtens mehr die Spannung hoch, als dass sie abfällt.“
Einer kann mit dem Stavanger-Modell aber gar nichts anfangen – und ausgerechnet der arbeitet aktuell selbst als Coach. Shkodran Mustafi, Co-Trainer bei der deutschen U21-Nationalmannschaft unter Antonio Di Salvo, stellte klar: „Ich muss ganz ehrlich sagen, für mich wäre das gar nichts. Ich bin ja jetzt zum ersten Mal auch in einem Trainerteam und sehe, wie das funktioniert mit den Strukturen. Für mich braucht es einen Cheftrainer, der am Ende entscheidet, der die Co-Trainer nutzt, die zuarbeiten und dann ihm ein bisschen was abnehmen und vielleicht auch die Freunde der Spieler werden und die Verbindung zu der Mannschaft herstellen. Aber am Ende kommt eine Entscheidung immer noch aus dem Bauch heraus. Und wenn du zwei hast, die aus dem Bauch entscheiden, dann könnte es viel zu oft zu Diskussionen führen.“
Kramer wollte das aber nicht gelten lassen. „Ich hatte nie das Glück, unter Co-Trainer Mustafi zu trainieren“, frotzelte er. „Aber ich sehe schon ein paar Vorteile. Was ich so mitbekommen habe im Trainingsbetrieb, ist es schon was anderes, ob du beim Cheftrainer spielst oder beim Co-Trainer.“
Mustafi betonte, dass auch beim Modell Chefcoach und Co-Trainer die Aufgaben geteilt werden. Doch Kramer war nicht überzeugt. „Ja, aber trotzdem, da macht einer die Standards oder so. Aber du weißt ja sofort, wenn der Mustafi sich bei uns an den Tisch setzt, dann können wir ein bisschen flachsen. Aber wenn der Di Salvo da sitzt, dann ist aber mal stramm.“
Mustafi blieb aber bei seiner Einschätzung. „Es kommt darauf an, wie du das führst. Wie viel lasse ich zu und wie manage ich das Ganze als Cheftrainer? Welche Wichtigkeit gebe ich meinen Co-Trainern? Und wenn die Co-Trainer diese Wichtigkeit bekommen, dann sind sie ja eigentlich fast wie der Cheftrainer. Nur, dass der Cheftrainer die Entscheidungen treffen muss.“
Daraufhin erwiderte Kramer: „Wenn du immer nur, gerade in schwierigen Zeiten, auf dein Bauchgefühl hörst, ist es schon nicht so schlecht, wenn da zwei Bäuche sind.“
