Norwegens Coach Stale Solbakken redet Tacheles. Vor dem Kracher in der Champions League warnt er den BVB – und schwärmt von einem Dortmunder Profi.
„Ich denke, da kommt noch mehr“Ex-FC-Trainer mit Warnung an Borussia Dortmund
Borussia Dortmund steht hoch im Norden von Norwegen vor einer heiklen Mission. Stale Solbakken, der norwegische Nationaltrainer, mahnt vor der Begegnung mit Bodö/Glimt insbesondere wegen eines Faktors: dem ungewohnten künstlichen Untergrund.
„Jetzt wird für Dortmund vor allem der Kunstrasen schwierig sein“, sagte er gegenüber den „Ruhr Nachrichten“. Die Kugel rolle deutlich schneller, und es sei für das abwehrende Team kompliziert, energisch zu verteidigen. Eine einzelne Trainingseinheit genüge keinesfalls, um sich darauf einzustellen.
Riesen-Lob für BVB-Kämpfer Ryerson
Aber der spezielle Belag ist nicht das alleinige Erfolgsrezept des Vereins aus Norwegen. Solbakken, der von 2011 bis 2012 auch den 1. FC Köln trainierte, zufolge steckt dahinter wesentlich mehr, an erster Stelle Beständigkeit.
Der Klub hat seit beinahe einer Dekade den gleichen Coach und folgt einer eindeutigen Philosophie. Die eigentliche Berühmtheit ist die Mannschaft, ein gut koordiniertes Kollektiv, das auf eigenem Platz erheblich kraftvoller agiert als auswärts.
Einen Akteur von Borussia Dortmund kennt Solbakken besonders gut: Julian Ryerson. Für den Abwehrmann hat der Trainer spezielle Kommentare parat. „Julian hat einen etwas anderen Kopf, aber er hat einen richtig guten Charakter“, so Solbakken. Er charakterisiert ihn als einen Menschen, der „nicht wie die meisten anderen tickt“ und in der deutschen Liga eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat.
Im Nationalteam sei Ryerson äußerst flexibel einsetzbar, egal ob auf den beiden Abwehrflügeln oder auch in der Zentrale. Sein physischer Zustand sei „sehr, sehr gut“, zudem habe er sein taktisches Verständnis und seine Hereingaben merklich gesteigert. Die stattliche Bilanz der vergangenen Saison: 18 Assists in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League.
Solbakken ist sich sicher, dass Ryersons Werdegang keineswegs abgeschlossen ist. „Ich denke, da kommt noch mehr!“, prognostiziert er. Der Transfer zu Dortmund sei für Ryerson eine bedeutende Probe gewesen, um seine gesamten Fähigkeiten zu entfalten. Er habe die Prognosen bei weitem übertroffen – was für den Nationalcoach ein deutlicher Beleg für die hervorragende Talentsuche des BVB ist.
Bei der Partie am Mittwoch könnte Ryerson eine entscheidende Funktion übernehmen. Falls er auf der rechten Abwehrseite zum Einsatz kommt, bestünde seine Mission darin, Bodös ideenreichen Linksaußen Jens Petter Hauge zu neutralisieren und zugleich mit seinen Hereingaben für Torgefahr zu sorgen.
Der Triumph von Bodö/Glimt steht für Solbakken beispielhaft für den Aufwärtstrend des kompletten norwegischen Fußballs, der sich schon lange nicht mehr ausschließlich durch Wintersport auszeichnet. Die Basis dafür seien eine vielseitige sportliche Schulung der Kinder sowie ein neuer Ansatz bei der Förderung von Talenten. Letztendlich, meint Solbakken, seien ungeachtet jeglicher Datenanalyse menschliche Aspekte wie Verbundenheit und Mannschaftsgeist ausschlaggebend für den Triumph. (red)
